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Wangari Maathai, das Herz Afrikas

Erstmals bekam 2004 eine Frau aus Afrika den Friedensnobelpreis. Eine ungewöhnliche Entscheidung auf den ersten Blick, aber Umwelt-Aktivistin Wangari Maathai hat mehr zum Wachsen gebracht als nur 25 Millionen Bäume. Ein Interview mit der Kenyanerin.



Friedensnobelpreis-Trägerin und Umweltaktivistin aus Kenya Dr. Wangari Maathai
Picture by Maathai

"Mama Miti" wird die 64-Jährige in ihrer Heimat von vielen genannt, "Mutter der Bäume". Und als sie von der mehr als eine Million Euro schweren Auszeichnung des Nobel-Komitees in Oslo via Handy erfuhr, die ihr am kommenden Freitag verliehen wird, kamen ihr die Tränen, und dann posierte sie über das ganze Gesicht strahlend für die Fotografen als Königin des Waldes.

"Woher diese Lebensfreude kommt? Nein, ich strahle auch nicht immer so", erklärt Wangari Maathai im Interview und lacht: "Da hatte ich ja gerade die gute Nachricht bekommen. Da war es leicht. Aber ich schöpfe meine Energie von einer Stimme in mir, die mir sagt, dass ich etwas unternehmen muss. Eine Stimme, von der ich überzeugt bin, dass sie zu allen von uns spricht und auf die wir nur hören müssen, wenn wir die Welt ändern wollen."

Für Hunderttausende, vor allem mittellose, unausgebildete und im traditionellen System unterdrückte Frauen, ist sie das lebendige, Hoffnung bringende Herz Afrikas. Eine Frau, die nicht nur Lebensfreude und Energie verkörpert wie keine Zweite, sondern immer an vorderster Front als Vorbild gekämpft hat. Eine Unbequeme, die den Mund aufmacht, deren kenyanischer Mann sie und ihre drei Kinder bezeichnenderweise verlassen hat, weil sie, wie er meinte, "zu gebildet, zu starrköpfig, zu erfolgreich und zu schwer zu lenken" war. Eine Frau, die noch heute am liebsten alles selbst in die Hand nimmt, wie auch ihre Mitarbeiter bei Green Belt in Kenyas Hauptstadt Nairobi seufzend zugeben.

Prof. Wangari Maathai hat in den USA und in Deutschland studiert, leitete das Institut für Veterinär-Medizin der Universität Nairobi und wurde schließlich vor einem Jahr zur Vize-Umweltministerin ernannt, nachdem sie 1991 wegen ihrer Aktivitäten verhaftet und eingesperrt wurde und 1997 die kenyanische Männerwelt schockte, indem sie für das Amt des Präsidenten kandidierte.

All das begann vor mittlerweile fast 30 Jahren mit dem Pflanzen von Bäumen. Keine neun Bäume wurden damals in Kenya laut einem UNO-Bericht für 100 umgeschnittene neu gepflanzt. Immer mehr Tiere verhungerten, die Wasserverschmutzung und die Versandung des Bodens nahm rapide zu und der armen Landbevölkerung mangelte es an Bau- und Feuerholz. Ganze Wälder wurden zu lukrativem Bauland niedergewalzt.

Wangari Maathai gründete die "Green Belt"-Bewegung, die das Land wieder zum grünen Gürtel machen sollte. Ein endloser, auch politischer Kampf gegen Kenyas damaliges Regime mit ungeheurer Vorbildwirkung auch jenseits der Grenzen. Zigtausende (vor allem Frauen) hatten auf diese Weise durch Spendengelder eine bezahlte Arbeit, bekamen Mittel zur Weiterbildung und lernten nachhaltige Bewirtschaftung, sodass es nach drei Jahrzehnten, nach mehr als 25 Millionen neugepflanzten Bäumen in 13 Ländern um sehr viel mehr geht als nur eine gelungene, aber noch immer nicht ausreichende Umweltaktion. Jetzt ist es auch eine Bewegung gegen Hunger und Korruption, für Ausbildungsmöglichkeiten und für mehr Menschenrechte, die aus den Wurzeln dieser Bäume wächst.

Dafür, dass sie mit ihrem einfachen Akt des Bäumepflanzens so viel bewegt hat und damit Wangari Maathai in Kenyas noch immer schwieriger Politik etwas mehr Gehör findet, bekam sie den Friedensnobelpreis verliehen. Die Preisträgerin: "Richten Sie den Österreichern von mir bitte ein herzliches Dankeschön aus. Wir haben schon vor gut zehn Jahren sehr viel Unterstützung von Ihrer Regierung bekommen, vor allem auch von der Hilfsorganisation ,Care' in Wien.

Beim Thema Österreich huscht Wangari Maathai im Interview ein wissendes Lächeln über das Gesicht: "Ich hatte schon zweimal das Vergnügen bei euch zu Gast zu sein. Einmal in Salzburg im Bildungshaus St. Virgil und einmal im wunderschönen St. Johann. Aber Österreich hat ja heuer auch eine Nobelpreisträgerin. Ich habe über Elfriede Jelinek gelesen. Ich wollte ihr schon längst gratulieren, aber ich bin einfach noch nicht dazu gekommen. Schade, dass sie nicht persönlich zur Verleihung nach Stockholm gekommen ist."


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© Eine Reportage von T. Micke (05-12-04) – Kontakt