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USA: Mars-Macht mobil

Europa gehörig die Show gestohlen haben die Amerikaner mit ihrem Rover: Während die USA mit dem Mars-Mobil bald über den Roten Planeten düsen, stellt sich der ESA-Beagle weiterhin tot.



Der Mars-Rover Spirit mit Krähennest-Kamera und Sechs-Rad-Antrieb auf großer Fahrt
Picture by NASA

"Die entscheidenden Minuten waren unglaublich spannend!", schildert NASA-Techniker Steve Matousek, der bei der Landung des Rovers "Spirit" im Mission Control Center in Pasadena/Kalifornien dabei war: "Die Sonde sendete jedes Mal einen speziellen Ton zur Erde, wenn ein entscheidender Schritt gelungen war: Ein ,Beep' wenn der Fallschirm sich öffnete, ein ,Beep' wenn sich die Airbags öffneten, ein weiterer bei guter Landung. Nur brauchen diese Signale neun Minuten bis zu uns auf der Erde. Wenn uns ein ,Beep' erreichte, war der Rover also eigentlich schon einen Schritt weiter. Keinen von uns hielt es mehr auf den Sitzen, als ,Spirit' dann in die entscheidende Phase kam: Das Fallschirmseil war gekappt, und der 500 Kilo schwere Rover fiel die letzten 15 Meter zur Marsoberfläche, geschützt durch eine Airbag-Traube. Zehn Minuten lang hüpfte er dann wie ein riesiger Gummiball bis zu 10 Meter hoch auf dem Boden herum, weil die Schwerkraft auf dem kleinen Planeten viel geringer ist als bei uns auf der Erde. Dann erst, fast 20 Minuten nach dem letzten Signal, meldete sich ,Spirit' wieder. Mehr als hundert Techniker jubelten in dem Moment, hüpften, fielen sich in die Arme, und die Sekt-Korken knallten..."

Wenig später sendete "Spirit" die ersten Bilder von seinem neuen Arbeitsplatz über einen Mars-Satelliten zur Erde. Gestochen scharf und in Stereoqualität brachten die Aufnahmen die Experten ein zweites Mal zum Jubeln: Punkt genau! "Spirit" war wie geplant im Gusev-Krater gelandet. Eine, wie die Bilder zeigten, fast Geröll-freie Ebene auf der Südseite des Planeten. "Glatt wie ein Baby-Popo!", jubelt Art Thompson, taktischer Leiter des verantwortlichen "Jet Propulsion" Labors.

Der NASA-Rover Spirit beim Selbstportrait mit der Antennen-Kamera von oben
Picture by NASA

1997 hatte man mit dem Rover "Pathfinder" nicht so viel Glück gehabt. Er war zwischen großen Steinen gelandet und hatte bei seinen Exkursionen Probleme.

"Dieser Erfolg ist unglaublich wichtig für das ganze US-Weltraumprogramm", erklärt der gebürtige Österreicher Dr. Günter Riegler, der bei "NASA Ames Research" die Abteilung für Astrobiologie leitet: "Wäre die Mission schief gegangen, dann hätte uns der Kongress wohl die Mittel für zukünftige Missionen abgedreht. Jetzt hoffen hier alle, dass Präsident Bush sein ,Okay' für einen bemannten Mondflug gibt, auf den schließlich einer zum Mars folgen soll."

Während die Mars-Macht Amerika nun mit diesem Erfolg seines mobilen Roboters die perfekte Show geliefert hat, kämpfen die Europäer noch immer mit ihrem Erstlingswerk, dem unbeweglichen ESA-Botschafter "Beagle 2", der mit der selben Gummiball-Methode am 25. Dezember so unglücklich auf den Roten Planeten geplumpst ist, dass von ihm bis jetzt jedes Lebenszeichen fehlt.

NASA-Rover Spirit beim Verlassen seiner schützenden Landeeinheit
Picture by NASA

Der Steirer Rudolf Schmidt, der Europas Mission "Mars Express" leitet: "Wir haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Unser Satellit ist seit gestern, Dienstag, in 20.000 Kilometer Höhe in einer neuen, besseren Bahn um den Planeten. Und die Chancen stehen gut, dass wir dadurch in den nächsten Tagen den ,Beagle' mit vier neuen Kontakt-Versuchen doch noch wecken können."

Schadenfreude über das verlorene "Rennen" der vergleichsweise billigen europäischen Konkurrenzmission hegt man übrigens bei der NASA nicht. NASA-Experte Steve Matousek: "Europas ,Beagle' hätte unsere beiden Rover (der zweite landet am 24. Jänner auf der Nordseite des Mars) perfekt ergänzt. Alle drei Missionen sollen nach Wasser und nach Leben suchen, aber mit sehr unterschiedlichen Methoden. Wir hoffen hier alle, dass die Europäer es doch noch schaffen."


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© Eine Reportage von T. Micke (07-01-04) – Kontakt