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Nanoteilchen gehen unter die Haut

Winzige Partikel, wie etwa Feinstaub, sind gesundheitsschädlich. Sie könnten aber auch in der Medizin Großes leisten. Denn die Welt der Nano-Teilchen hat fast keine Grenzen...



So durchdringt Nano-Silizium mühelos die Zellmembran
Picture by Neosino

"Dieser Schiffslack muss noch feiner werden!", raunzten australische Bootseigner vor ein paar Jahren den Chemiker Gerd Thöne an. Der Deutsche sollte eine Unterwasser-Schiffsfarbe entwickeln, die Bootsrümpfe vor dem Verfaulen schützt, aber nicht den giftigen Wirkstoff Tributylzinn (TBT) enthält. Silikat (im weitesten Sinne: Sand) war die Lösung. Nur fürchteten die bootsnarrischen Australier wegen der rauen Oberfläche des neuen Anstrichs um das Gleittempo ihrer Wassergefährte. Da begann der einfallsreiche Chemiker kurzerhand, seinen "Sand" in einem Spezialverfahren fein zu mahlen.

Heute ist Gerd Thönes Mahlprinzip derart ausgereift, der auf diese Weise produzierte amorphe "Sand" so fein pulverisiert, dass eine Million dieser Silikat-Partikel in dem Punkt über einem "i" Platz finden würden und sich eine Firma namens "Neosino" auf die weltweite Vermarktung dieser Erfindung verlegt hat.

Österreichs Radprofi Bernhard Eisel (rechts) schwört auf Nano-Silizium zur Wundheilung
Picture by Neosino

Nur noch drei bis zehn Nanometer groß sind diese Teilchen – das sind drei bis zehn Millionstelmillimeter. "So unvorstellbar klein", erklärt Prof. Erich Gornik, Geschäftsführer der Austrian Research Centers (ARCS), "dass sie durch die Wand eines Tongefäßes durchgehen würden, weil Ton ,große' Poren von etwa 50 Nanometer hat."

Nano-Silizium-Partikel im Bereich von 5 Nanometer unter dem Elektronen-Rastermikroskop
Picture by Neosino

"Feinstaub" wie dieser ist frei herumfliegend gefährlich für jedes Lebewesen, weil er die Lunge verkleben kann &ndash man kennt so genannte Staublungen (Silikose) bei Bergarbeitern und Opfern der Anschläge in New York. Und er kann durch seine Winzigkeit sogar die Barriere zwischen Blutkreislauf und Gehirn überwinden. Nimmt man aber Nano-Pulver einer vom Körper benötigten Substanz in Kapseln oder in Wasser als Emulsion zu sich, kann das sehr positiv wirken: "Speziell bei Silizium in Nano-Form ist die Gefahr, etwas falsch zu machen gleich null", erklärt Biologe Dr. Axel Siegner. "Schließlich benötigt und beinhaltet jede Zelle des Menschen Silikate. Auch in Kieselerde und Schachtelhalm-Tee, die viel in der Naturmedizin verwendet werden, ist ja nichts anderes drinnen. Nur dass die dort bis zu 20 Nanometer kleinen Teilchen erst mühsam gewonnen werden müssen, um dann bei Bindegewebsschwächen, zur Collagen-Bildung, gegen Osteoporose oder als Entzündungshemmer eingesetzt zu werden."

Was also bei Feinstaub der Fluch der kleinen Teilchen ist, nämlich dass sie so winzig sind, dass sie durch fast alle Schutzbarrieren schlüpfen können, könnte in der Medizin eine kleine Revolution auslösen: Denn, je kleiner vermahlen die Wirkstoffe in den Produkten sind, desto besser und leichter werden sie vom Organismus angenommen. Die Fußballstars von Bayern München und österreichische Profi-Radfahrer wie Peter Wrolich und Bernhard Eisel, die schnelle Heilerfolge nach offenen Verletzungen brauchen, schwören mittlerweile auf Nano-Silizium-Sprays zur beschleunigten Wundheilung.

Nano-Silizium wird in einem komplizierten Prozess gemahlen, um zu viel Reibung zu vermeiden
Picture by Neosino

Der Kärntner Facharzt Dr. Erich Ensat behandelt Neurodermitis- und Schuppenflechte-Patienten auf dieselbe Weise: "In vielen Fällen kann ich mir sogar mit einer genau abgestimmten Therapie die schädigende Kortisonbehandlung sparen."

Während man bei "Neosino" inzwischen auch Kalzium- und Magnesium-Präparate mit Nano-Partikeln zur effizienteren Nahrungsergänzung herstellt und andernorts mithilfe von Nano-Partikeln Beschichtungen für selbstreinigende Fassaden, Bio-Chips und neue Sicherheitsmerkmale zum Schutz von Markenartikeln entwickelt werden, mahnen viele Experten weiterhin zur Vorsicht mit der neuen Technologie. Manche sehen sogar Parallelen zu Asbest, das jahrelang in Baumaterial verwendet wurde, bevor es sich als krebserregend herausstellte.

Sorgen macht man sich dabei aber nicht um Nano-Teilchen, die, wie oben, in gebundener Form in Produkten vorkommen, sondern um frei schwebende wie sie etwa durch Reifenabrieb im Straßenverkehr entstehen. Solche Teilchen – ob krebserregend oder nicht – schlüpfen wegen ihrer Winzigkeit ungehindert durch die Sicherheitsnetze des Körpers. Und was die unsichtbaren Eindringlinge dort anrichten können, wird gerade erst erforscht.


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© Eine Reportage von T. Micke (19-06-05) – Kontakt