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Skifahren im Montafon: A gschenkts Tägle

In den Weiten der Silvretta-Gruppe zog bereits Ernest Hemmingway seine Spuren im Schnee. Heute kann man im Montafon in insgesamt sieben Skigebieten den Winter in vollen Zügen genießen.



Apres-Ski auf die Hütten im Vorarlberger Montafon
Picture by T. Micke

Damit hatten wir alle nicht mehr gerechnet. Zumindest nicht in diesem Winter: Frau Holle schüttete ihre Polster am Nachmittag und am Abend bis spät in die Nacht. 35 Zentimeter Neuschnee im Vorarlberger Montafon.

Tags zuvor hatten wir noch über die Unzahl an Schneekanonen geseufzt, die zischend und dröhnend wie Flugzeugaggregate Kubikmeter um Kubikmeter Kunstschnee über die Hänge spuckten, weil ein schneearmer Winter im 21. Jahrhundert einfach in ganz Österreich nicht mehr geduldet werden kann. Auch der Gast schlittert offenbar lieber über teure, knochenharte Kunstharschplatten, als mit der Gondel zurück ins grüne Tal zu schweben oder überhaupt einfach dann Ski zu fahren, wenn nicht nur der Liftbetreiber, sondern auch die Natur es zulässt.

Aber jetzt hatte Frau Holle ganze Arbeit geleistet: "A geschenkts Tägle" war das – wie der Vorarlberger sagt – mit blauem Himmel und echtem Pulverschnee.

Die österreichische Fluglinie "Intersky" fliegt bis Ende März zwei Mal täglich (hin und zurück ab ca. 140 Euro inkl. Taxen) die Strecke Wien – Friedrichshafen (Deutschland), von wo man mit dem Bus weiterfährt und so die ansonsten von der Hauptstadt recht lange Anreise in die Heimat von Skilegende Anita Wachter auf ca. drei Stunden verkürzt.

Kein Weg zu weit war in den Wintern 1925 und 1926 Ernest Hemmingway, der im Montafon, im Speziellen in den Gemeinden Schruns und Tschagguns, die Winter verbrachte. Hemmingway war nicht nur ein recht geschickter und konditionsstarker Skitourengeher, er war auch ein begnadeter Zocker, der den hervorragenden Montafoner Obstbrand schätzte. Und man sagt, er hätte damals im Hotel Taube oder Krone (Hemmingway spielte überall) an einem besonders langen Abend beim Pokern eine Skischule gewonnen (und wieder verloren).

Ernest Hemingway (2. von links) beim Skifahren im Montafon im Jahr 1926
Picture by Heimatmuseum Schruns/Repro: T. Micke

Hemmingways Spuren sind in den beiden Gemeinden kaum zu verfehlen (Hemmingway-Bar, Hemmingway-Menü, Hemmingway-Skitour,...). Aber immerhin kündet auch die Literaturgeschichte davon, dass der Autor von "Der alte Mann und das Meer" und "Schnee auf dem Kilimadscharo" mit "Fiesta", einem Roman, den er im inspirierenden Montafon schrieb, seinen Durchbruch schaffte.

Auch heute noch hat man sich im Montafon nicht ausschließlich dem Massenskisport und Abwechslungsreichem wie Schnee-Trendsportkurse oder Wochenend-Skitouren mit dem Splitboard verschrieben. Der Schrunser Künstler Roland Haas verbindet seine malerischen Fähigkeiten jedes Jahr Ende März für 5 Tage mit seiner Ausbildung als staatlicher Skilehrer und bringt bis zu 12 Kursteilnehmern quasi unterm Skifahren in Aktiv-Seminaren die Fertigkeit des Aquarell-Malens näher. Und im Sommer werden im Silbertal Sagenfestspiele von heimischen Laienschauspielern aufgeführt, die mit spannenden Handlungen altes Kulturgut und Montafoner Lebensweisen aus der Vergessenheit erwecken.

Aber noch ist ja zum Glück Winter. Und wenn es gar zu viel schneit, servieren die Skihütten im Montafon nachmittags die hervorragenden Käsknöpfli mit drei Sorten heimischem Käse, sodass man nachher auf die Frage "Isches ghörig gsi?" wieder nur begeistert "Molmol!" sagen kann.

Infos & Angebote: Pauschalangebot Aquarellieren und Skifahren in Schruns: 6 Tage Vollpension im 3-Sternhotel Zimba mit 5 Tagen Kurs von 9 bis 16 Uhr pro Person um 600 Euro.

Weitere Informationen zu Hotels, Events und Anreise gibts beim Tourismusverband von Schruns und Tschagguns (+43 (0)5556/721-66-0) oder im Internet auf www.schruns-tschagguns.at.


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© Eine Reportage von T. Micke (18-02-07) – Kontakt