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Weltraum-Fotografie: Im Dunkeln ist gut munkeln

Nicht Tageslicht, sondern so viel Dunkelheit wie möglich wünschen sich Forscher für die Teleskope der Zukunft auf dem Mond. Denn die Nacht birgt Geheimnisse.



Foto von der dunklen Seite des Mondes geschossen von der japanischen Raumsonde Kaguya
Picture by JAXA

"Nachts sind alle Katzen grau..." – heißt es so schön im Sprichwort. Von Weltraumforschern kann es allerdings nicht stammen, denn für Astronomen gilt eher Im Dunkeln ist gut munkeln...

Sie ziehen sich mit ihren Messinstrumenten nicht in die entlegensten Regionen der Erde zurück, weil sie weltfremde Eigenbrötler sind, sondern weil dort – streng astronomisch gesehen – "die Party abgeht". Die Forscher sehen einfach mehr. Luftverschmutzung, Wasserdampf, Strahlung von Sendemasten und nicht zuletzt das viele Streulicht, das nachts von den Städten ausgeht, machen ihnen das Berufsleben schwer. Denn bei der Beobachtung des Alls gilt es, möglichst lange möglichst ungestört einen Himmelsausschnitt ins Visier zu nehmen.

Wer schon einmal versucht hat, mit seiner Kamera ohne Blitz mittels Langzeitbelichtung ein besonders stimmungsvolles Foto zu schießen, kann ein Lied davon singen. Selbst die Erschütterungen einer lauten Musikanlage sorgen schon trotz Stativ und Selbstauslöser für ein (oft unmerklich) verwackeltes Bild.

Wenn in einigen Jahren wieder Menschen zum Mond fliegen, wird eine ihrer Aufgaben darin bestehen, auf der sogenannten "dunklen Seite des Mondes" (dieses Foto wurde von der japanischen Sonde Kaguya aus 100 Kilometer Höhe geschossen) nach einem geeigneten Standort für Weltraumteleskope zu suchen.

Die Idee dahinter: Der Mond dreht sich ja aus Sicht eines Erdbewohners nicht. Wir sehen also von unserem Planeten aus immer dieselbe "Seite" des Mondes – manchmal mehr, manchmal weniger beleuchtet. Wenn man jetzt daraus schließen würde, dass es auf der anderen Seite immer finster ist, liegt man allerdings falsch. Bei Vollmond ist es auf der Rückseite finster, bei Neumond ist es dort taghell. Dieser Tag-Nacht-Rhythmus wechselt alle 27 Tage, genau wie auf der Vorderseite.

Die Rückseite hat allerdings trotzdem einen riesigen Vorteil: Das Sonnenlicht, das auf die Erde trifft, ist so stark, dass es zurück bis zum Mond reflektiert wird. Durch diesen Spiegeleffekt ist auch der uns zugewandte (vor allem bei Neumond) dunkle Teil des Mondes immer ein wenig beleuchtet. Genug, um lichtscheue zukünftige Sternengucker auf die Rückseite zu verbannen, wo dieser Effekt nicht ist.

Wenn die Forscher – wie schon bisher von der Erde aus – nach Planeten in fernen Sonnensystemen suchen, ist jedes Irrlicht störend. Man sucht nämlich nicht direkt nach diesen vergleichsweise winzigen, unbeleuchteten Himmelskörpern, sondern man beobachtet mit Argusaugen ihre Sonnen. Nach dem Motto: Früher oder später muss er hier vorbeikommen können hochempfindliche Teleskope den Lichtunterschied messen, den ein Planet verursacht, wenn er auf der Umlaufbahn vor seinem Stern vorbeiwandert. Und wenn das der Fall ist, geht – natürlich streng astronomisch gesehen – "die Party ab".


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© Eine Reportage von T. Micke (06-04-08) – Kontakt