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Sprudelvisionen: Kein Designerwasser um jeden Preis

Österreichisches Wasser soll so berühmt werden wie italienische Pizza. Dazu prüfen Experten nun mit modernster Technik heimische Mineralwässer. Eine Frage dabei ist, welche Inhaltsstoffe sind gesund, welche sind sinnvoll?



Frisches Quellwasser in Österreichs Alpen
Picture by T. Micke

Für sechs Euro schenkt Barkeeper Jerôme in der Wasserbar des Pariser Edelkaufhauses Colette mit nobler Geste ein Fläschchen tasmanisches Regenwasser in einen Kristallkelch ein, für 3,85 Euro gibt es 0,3 Liter brasilianisches "Petropolis Paulista" und für 4,85 Euro findet sich auf der Getränkekarte auch der "Oxygizer", ein mit Sauerstoff versetztes Trend-Wässerchen in der Kultflasche aus Tirol.

"Wasser mit Sauerstoff versetzt? Das ist ein Blödsinn", wettert Prof. Dr. Hans Zojer, Wasserexperte vom Institut für Hydrogeologie in Graz. "Jedes Trinkwasser ist von Natur aus mit Sauerstoff gesättigt. Es sei denn, es kommt direkt aus der Tiefe arthesischer Brunnen wie in der Oststeiermark oder dem Südburgenland. Dann genügt es auch, es über einen kleinen Wasserfall, eine Kaskade laufen zu lassen, wie das mit dem Trinkwasser in diesen Regionen auch gemacht wird. Dabei nimmt es ganz von allein Sauerstoff (bis ca. 10 mg pro Liter) aus der Luft auf."

Laut Experten sind die 150 mg Sauerstoff pro Liter, die in das Tiroler Wasser gepumpt werden, sinnlos. Da wäre es klüger, ein paar Mal tief durchzuatmen, auf diesem herkömmlichen Weg werde der Körper viel effizienter mit "O2" versorgt als durch die Magen- und Darmwände. Aber, und das gibt auch Prof. Zojer zu, der Marketing-Trick mit dem "Powerstoff mit Sauerstoff" (deutscher Werbeslogan für das Konkurrenzprodukt "Active O2") zieht, was man vom Absatz heimischer Mineralwässer derzeit nicht gerade behaupten kann.

Geht es nach den Plänen des Hydrogeologen Dr. Robert Spendlingwimmer und Dipl. Ing. Stephan Bruck von der Initiative "Aquaquality Austria", soll heimisches Mineralwasser dennoch bald für Österreich stehen wie Pizza und Pasta für Italien: "Wir wollen Wasser aus Österreich international zu einem Begriff, zu einem Markenzeichen machen", so Dr. Spendlingwimmer: "Nicht nur unsere Mineralwässer sind von ausgezeichneter Qualität, auch Österreichs Isotopen-Labors, mit denen wir das Alter und die genauen Inhaltsstoffe analysieren können, sind Weltspitze. Wichtig ist, das auch im Ausland bekannt zu machen und dass der Konsument durch Transparenz und Aufklärung weiß, welches Wasser für ihn das beste ist."

Denn nicht jedes Mineralwasser ist für jeden gleich gesund und bekömmlich. So sollten Ausdauersportler generell zu hochmineralisiertem Wasser greifen (mit bis zu 5500 mg gelösten Stoffen), das unter anderem reich an Magnesium und Calcium ist, um die durchs Schwitzen verlorenen Mineralien schnell wieder zuzuführen. Der Wiener Ernährungsphysiologe Prof. Dr. Wolfgang Marktl: "Da ist Mineralwasser gegenüber den Energy-Drinks klar vorzuziehen. "Bei Säuglingen bis zu sechs Monaten, deren Nierenfunktion noch nicht voll ausgeprägt ist, ist hingegen ein niedriger Mineraliengehalt gesünder. Außerdem sollten Menschen mit hohem Blutdruck und Herzproblemen Mineralwasser mit hohem Natriumanteil meiden.

Generell gilt aber: Viel Wasser trinken ist gesund und gut für den Körper. Ob es nun aus einer Vulkanquelle in Frankreich stammt (bei Colette in Paris um 4 Euro), bei Vollmond abgefüllt wurde oder "direkt vom Fass", zum Beispiel aus der Wiener Hochquell-Wasserleitung, kommt, ist aus medizinischer Sicht egal. Als Faustregel gilt: Mindestens zwei Liter Wasser pro Tag (vor allem Frauen trinken meist zu wenig), bei besonderen Belastungen speziell im Sommer sogar bis zu vier Liter.


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© Eine Reportage von T. Micke (01-09-02) – Kontakt