Welt-Bildung

Reportagen und Berichte mit der Keyword-Search suchen... Gegründet 1999 als "Die Nachlese"

NACHLESE INDEX
- Servus-Magazin

- Abenteuer/Reise
- Allgemeinwissen
- Astronomie/Weltall
- Forschung/Hitech
- Fun Stuff/Verrücktes
- Gesund/Umwelt
- Historisches/Antike
- Hobby/Kochen
- Pflanzen/Tiere
- Politik/Wirtschaft
- Sport/Extremsport
- Testautos/Autotests

- Fotos/Bild-Archiv

Translation

Traduction


- Weltbildung-Weblog
- Coole Surftipps
- Über Welt-Bildung
- FAQs/Leserbriefe
- Home/Startseite


Das Lied der Meeresbrandung gegen den Treibhauseffekt

Nicht nur ein faszinierendes Urlaubsschauspiel: Brandungswellen sind eine wichtige Waffe der Natur gegen den Treibhaus-Effekt.



Nicht nur Surfer brauchen Brandungswellen. Auch der Treibhauseffekt wird durch sie gebremst.
Picture by T. Micke

Was gibt es Schöneres, als im Urlaub einen Sonnenuntergang am Meer zu erleben: die Zehen im noch warmen Sand, das goldene Licht, das die Schatten der Sonnenschirme zu Riesenschwammerln wachsen lässt, und das rhythmische, beruhigende Rauschen der Meeresbrandung, die Tag und Nacht, Stunde um Stunde hereinrollt und manchmal wie ein endloses Lied, manchmal wie das Atmen eines schlafenden Riesen klingt. – Beides Vergleiche, die nicht nur aus der Sicht eines romantischen Träumers gut passen, sondern dem Phänomen Meeresbrandung auch aus Forschersicht sehr nahe kommen.

Wenn bei unsereinem angesichts dieses Naturschauspiels hauptsächlich die romantische Ader wachgeküsst wird, so beflügelte es im Fall von Grant Deane und Dale Stokes eher den nüchternen Forschergeist. Die beiden amerikanischen Ozeanographen machten sich mit einer Spezialkamera auf, um den Meereswogen vor der Küste Kaliforniens ihr größtes Geheimnis zu entlocken. Denn das Meer schluckt jährlich circa zwei Milliarden Tonnen CO2 (von den sechs Milliarden, die wir jährlich produzieren), das ja für den Treibhauseffekt verantwortlich ist, der unseren Planeten aufheizt und die Gletscher zum Schmelzen bringt. Nur haben Forscher bis jetzt wenig Ahnung, wie der gigantische Meeresspeicher funktioniert. Sicher ist nur: Wie der sprichwörtliche schlafende Riese "atmen" die Ozeane jährlich rund 102 Milliarden Tonnen Kohlendioxid ein und 100 Milliarden Tonnen wieder aus. Und wenn Stürme über das Wasser peitschen oder die Meeresbrandung besonders heftig ist, dann "atmet" der Riese besonders tief.


Grant Deane im Gespräch: "Damit Forscher verstehen lernen, warum sich das Klima verändert und mit welcher Geschwindigkeit, muss man die Faktoren kennen, die da mitwirken, und das Meer spielt eine ganz wichtige Rolle." Deane und Stokes fotografierten die Luftblasen in Schaumkronen und in sich zusammenstürzenden Brandungswellen, zählten (anfangs händisch, später mit Computerhilfe) Tausende Bläschen, bestimmten ihre Form und Größe und fanden so heraus, wie das Meer Luft (und damit CO2) aus der Atmosphäre schluckt und in die Tiefe reißt.

Jetzt wollen die beiden noch einen Schritt weiter gehen. Grant Deane: "Jeder kennt doch das Meeresrauschen. Es kommt dadurch zustande, dass die einzelnen Luftblasen bei ihrer Entstehung im Wasser noch keine stabile Kugelform haben. Sie werden weiter geteilt, wabern hin und her wie Pudding und erzeugen dabei einen Ton, der je nach Größe verschieden ist. Durch die Summe dieser Töne entsteht gewissermaßen das ,Lied der Meeresbrandung' . Anhand des Klanges sollte es also möglich sein, die Größe der Gasblasen zu bestimmen und damit auch, wie viel CO2 vom Meer aufgenommen wird. Wenn man das auf eine Formel bringen könnte, dann müssten wir vielleicht in Zukunft nur noch zuhören, was das Meer uns über die Klimaveränderungen sagen will..."

< Zurück zu Forschung/Hitech

© Eine Reportage von T. Micke (03-11-02) – Kontakt