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Mars im Visier, Teil 3 – Europa erforscht den roten Planeten

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Austrian Aerospace: Ein "Skianzug" aus Österreich

"Erfrieren" und "erblinden" würde Europas Mars-Mission ohne das technische "Know-how" aus Wien und Graz.



ESA-Landeroboter Beagle 2 bei der Arbeit auf der Marsoberfläche
Picture by ESA

Auch wenn der Steirer Dr. Rudolf Schmidt als ESA-Projektleiter für die gesamteuropäische Mars-Express-Mission verantwortlich ist, hört man schon den Stolz heraus, mit dem er die kleinen aber feinen High-Tech-Beiträge seiner Landsleute beschreibt: Austrian Aerospace hat in Berndorf (NÖ) sozusagen den Skianzug für unseren Mars-Reisenden entwickelt und angefertigt. Damit ihm bei den mehr als frostigen Temperaturen, die dort oben herrschen, nicht zu kalt wird.

Skianzug heißt in diesem Fall ein bis zu 50 Schichten dicker, goldbeschichteter Kunststoff-Folien-Mantel. Er soll den Großteil der Elektronik, Antriebssysteme und Treibstoff an Bord von Satellit und Sonde mit Hilfe der solarbetriebenen Heizsysteme bei lauschigen 10 bis 20 Grad halten, während draußen im Weltraum-Winter bis zu minus 270 Grad herrschen. Zwei ganz spezielle Instrumente an Bord müssen aber bei minus 180 Grad kühl gehalten werden. Deshalb wurde jedes Gerät und jede Leitung einzeln von den Weltraumschneiderinnen berücksichtigt und bei Bedarf mit einem Maßanzug eingekleidet, damit die beiden Weihnachtspackerln Mars Express und Beagle 2 wohltemperiert bei unserem Nachbarplaneten einlangen.

Auftragen der goldbeschichteten Kunststoff-Folie auf die Beagle-2-Teile bei Austrian Aerospace in Berndorf
Picture by Austrian Aerospace

Wie wichtig ein zuverlässig funktionierendes Wärme-Management für die teuren Weltraum-Sonden ist, zeigt leider das Schicksal der japanischen Mars-Sonde. Nozomi ist erst vor ein paar Tagen endgültig gescheitert. Der wahrscheinliche Grund: Eine eingefrorene Treibstoffleitung. Nozomi wurde trotz aller Rettungsversuche unsteuerbar. Das 200-Millionen-Dollar-Projekt der Japaner zur Untersuchung der Mars-Atmosphäre ist dahin.

Obwohl Europas Mars Express wegen einer fehlerhaften Kabelverbindung ebenfalls mit ein paar Problemen kämpft, ist der Satellit mit seinen Aufgaben noch auf Kurs. Kurz vor Weihnachten wird er voraussichtlich in eine Mars-Umlaufbahn einschwenken und dann mit seiner wissenschaftlichen Arbeit beginnen.

Das Institut für Weltraumforschung der Akademie der Wissenschaften in Graz unter Prof. Helmut Rucker wird dann dafür verantwortlich sein, dass die zwei 20 Meter langen Radioantennen, die zu diesem Zeitpunkt ausgefahren werden, optimal funktionieren. Prof. Rucker: "Die Würfelform des Satelliten beeinflusst das Empfangsverhalten der empfindlichen Antennen, die ja aus 800 Kilometer Höhe unterirdisches Wasser auf dem Mars aufspüren sollen. Wir haben eine mathematische Filter-Formel erstellt, die diese und andere Störungen aus den reflektierten Radarimpulsen herauslesen kann."

Bild 1: Gelände-Aufnahmen des Mars werden mithilfe eines Grazer Computerprogramms und der hochauflösenden Kameras vom Mars Express in virtuelle Flusslandschaften verwandelt
Pictures by TU Wien

Bild 2: Gelände-Aufnahmen des Mars werden mithilfe eines Grazer Computerprogramms und der hochauflösenden Kameras vom Mars Express in virtuelle Flusslandschaften verwandelt

Ein Team des Instituts für Fotogrammetrie an der Technischen Universität Wien unter Prof. Josef Jansa befasst sich hingegen mit den Bildern der Mars-Oberfläche, die die hochauflösenden Stereokameras (entwickelt von Dr. Gerhard Neukum in Berlin) an Bord von Mars Express schießen werden. Die Wiener lieferten ein Computer-Programm für die Bearbeitung der spektakulären dreidimensionalen Geländemodelle (siehe Bilder). Prof. Jansa: "Außerdem betreuen wir das weltumspannende Internet-Datenbanksystem der geplanten Mars-Landkarte, mit dem Planeten-Forscher in aller Welt künftig arbeiten können."

Bild 3: Gelände-Aufnahmen des Mars werden mithilfe eines Grazer Computerprogramms und der hochauflösenden Kameras vom Mars Express in virtuelle Flusslandschaften verwandelt
Pictures by TU Wien

Bild 4: Gelände-Aufnahmen des Mars werden mithilfe eines Grazer Computerprogramms und der hochauflösenden Kameras vom Mars Express in virtuelle Flusslandschaften verwandelt

Ebenfalls made in Austria ist ein Computer-Programm, das ein sicheres Steuern des Roboter-Arms von Beagle 2 auf der Mars-Oberfläche erst ermöglicht. Dipl. Ing. Gerhard Paar vom Institut für digitale Bildverarbeitung am Joanneum in Graz wird als Hilfsnavigator im Beagle-Control-Center in Leicester (Großbritannien) sitzen, wenn der Lande-Roboter seinen kamerabestückten Greifarm zum Entnehmen von Bodenproben ausfährt. Die Bewegungskoordinaten dazu entstehen aus den Kamera-Aufnahmen, die mit Hilfe der steirischen Software zu einem millimetergenauen 3D-Bild zusammengefügt werden, damit die sensible Elektronik des Beagle keinen Schaden nimmt.

Wenn am 25. Dezember nach der Beagle-Landung mit Fallschirm und Airbag die Sekt-Korken knallen, ist aber erst einmal Geduld angesagt. Denn Beagles Suche nach Wasser und Leben auf dem Mars wird mehr als sechs Monate dauern. Bis alle Daten von dem Heer an Wissenschaftern auf der Erde ausgewertet sind, vergeht mindestens noch einmal so viel Zeit.

Rudolf Schmidt steht dann schon kurz vor dem Start seiner nächsten Mission: Venus-Express


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© Eine Reportage von T. Micke (21-12-03) – Kontakt