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Marsblick aus jedem Fenster

Der Mars ist jetzt so gut zu sehen, wie schon lange nicht mehr, und Hobby-Teleskope sind günstig: Lesen Sie hier ein paar Tipps, um Enttäuschungen zu vermeiden, und genießen sie ein paar rare Marsblicke, die kein Fernrohr der Erde bietet.



Sanddünen auf dem Mars fotographiert von einem der NASA-Rover
Picture by NASA/JPL

Sie krebsen noch immer fleißig dort oben auf der Mars-Oberfläche herum, "Spirit" und "Opportunity", die beiden ferngesteuerten NASA-Rover. Nur, dass bei uns auf der Erde nach der ersten Begeisterung fast niemand mehr Notiz von ihnen nimmt. Aber auch an die aufregenden bemannten Mondlandungen in den 70ern gewöhnte man sich schnell.

Dabei gelingen "Spirit" und "Opportunity" immer wieder spektakuläre Foto-Aufnahmen vom Roboterplaneten, die in Staunen versetzen: Was zum Beispiel könnte exotischer sein als ein Sonnenuntergang in der Marswüste (siehe Bild 3), bei dem der Feuerball viel kleiner versinkt als bei uns auf der sonnennahen Erde?

Eine andere rare Aufnahme dieser fremden Welt zeigt schillernde Sanddünen (siehe Bild 1), in denen man jederzeit Mars-Kamele oder eine Oase erwarten würde. Oder der "steinzeitliche Lehmziegel-Boden" am Rande eines Mars-Kraters (siehe Bild 4), aus dem einer der Rover kreisrunde Gesteinsproben entnommen hat, um die Neugier der Forscher auf der Erde zu befriedigen (leider von keiner fremden Zivilisation).

Das Noctis-Tal auf dem Mars mit Erdrutsch aufgenommen von der Odyssee-Sonde
Picture by NASA/JPL

Gerade zwei Wochen alt ist das bunte "Regenbogen-Foto" (Bild 2) das der Marssonde "Odyssee" mit Infrarotkameras aus der Umlaufbahn gelang. Es zeigt, wo massiver Fels (orangerot) und wo Staub (blau) diesen von Lawinen heimgesuchten Talkessel bedecken.

Wie ein Strand-Buggy scheint der Rover "Spirit" die Hügel des Roten Planeten hinauf und hinunter zu pflügen (siehe Bild 5). Unvorstellbar, dass hier noch kein Mensch den Boden betreten hat. Und trotzdem kann man den Sand beinahe zwischen den Fingern rieseln hören...

Unglaublich auch, dass der erste "Marsmensch" heute wohl schon geboren ist, wenn man den Missionsplänen der NASA für die kommenden 20 Jahre traut. Er oder sie weiß nur noch nichts davon.

Trotz all dieser spektakulären Aufnahmen ist für die meisten Menschen doch das, was sie mit eigenen Augen sehen, wichtiger. Und da war der Mars im November 2005 ein lohnendes Objekt. Denn genau am 30. Oktober überholte die Erde auf einer Innenbahn den Mars auf dem Weg um die Sonne und war ihm dadurch so nah wie schon seit zwei Jahren nicht mehr. Das besondere: Der Mars war noch besser zu sehen als zwei Jahren davor, da er diesmal höher am Himmel stand und die Luft dort klarer ist. Sternwarten und Observatorien in ganz Österreich (für genaue Standorte siehe www.austriaca.at) boten in diesen Tagen besondere Beobachtungsmöglichkeiten und Mars-Programme, damit unser Nachbarplanet nicht nur wie ein kleiner, besonders heller "Stern" am Nachthimmel zu sehen war. Vereine wie die "Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie" (WAA-Tel: +43664/256-12-21) boten zudem Einführungskurse für frisch gebackene Hobby-Astronomen und solche, die es werden wollen.

Sonnenuntergang in der Marswüste. Das Foto stammt von einem der NASA-Rover. Die Sonne versinkt logischerweise kleiner als bei uns auf der Erde.
Picture by NASA/JPL

Etwa 50 bis 70 Euro kostet heutzutage ein einfaches Teleskop im Kaufhaus, weiß Mag. Anneliese Haika von der WAA: "Dabei ist die Optik gar nicht mal so schlecht. Das Problem ist bei diesen Einsteiger-Teleskopen oft das wackelige, völlig unzureichende Stativ." Mit so einem Fernglas (Durchmesser 7 bis 10 cm) kann man problemlos Krater auf dem Mond betrachten, die man mit freiem Auge nicht sieht, sowie den Saturnring. Und der Mars vergrößert sich von einem weißen Pünktchen zu einer kleinen Scheibe mit hellen und dunklen Strukturen.

Wer tiefer in die Tasche greift, hat auch mehr davon. Aber auch bei großen Hobby-Teleskopen (ab 500 Euro) ist beim Kauf laut Mag. Haika Vorsicht angebracht: "Oft prahlt die Werbung mit einer besonders hohen Vergrößerung, wie z. B. 600fach, die dann nichts bringt, weil das Bild dadurch nicht schärfer wird." Bei Teleskopen gibt es die Faustregel: Der Durchmesser der Optik in Millimetern entspricht ungefähr der sinnvollen Zoom-Größe. Ein Teleskop mit 20-Zentimeter-Optik kann also auch eine 200fache Vergrößerung gut umsetzen. Mit einem solchen Gerät lassen sich dann wunderbar Jupiter und Saturn betrachten, und man erkennt bei guter Sicht sogar die eisige Polkappe auf dem Mars.

Wie alte Lehmfliesen sieht dieser Boden auf dem Mars aus. Eine der Rover hat mehrerre Gesteinsproben genommen um die rätselhaften ‐Blueberrys‐ zu untersuchen.
Picture by NASA/JPL

Generell gilt: je größer die Optik, desto besser. Denn auf der größeren Linsenfläche kann das Teleskop mehr Licht einfangen. So werden Sterne, Nebel und Galaxien sichtbar, die für das menschliche Auge einfach nicht genug Licht aussenden. Hier warnt Mag. Haika abermals vor Enttäuschungen: "Galaxien senden zwar auch farbiges Licht aus, aber dieses ist selbst für bessere Hobbyteleskopen zu schwach. Dort erscheinen dann nur weißliche Flecken."

Das ändert sich, wenn man mit einer Kamera arbeitet, die den betreffenden Himmelsteil eine Stunde oder länger ablichtet. In dieser Zeit dringt viel mehr Licht durch die Linse, und auch die Farben kommen zum Vorschein. Allerdings braucht das Teleskop dann einen Motor, weil ja der Himmel über unseren Köpfen "wandert", das Objektiv also bei einer solchen Langzeitaufnahme sehr gleichmäßig nachgeführt werden muss, und das geht schon wieder kräftiger ins Geld.

Rover-Reifenspuren im Mars-Sand. Noch vor ein paar Jahren ein Indiz für Aliens...
Picture by NASA/JPL

Mag. Haika: "Viele Hobby-Astronomen sind völlig frustriert, wenn sie sich so ein neues Gerät kaufen und ohne Sternenkarte oder Anleitung in den Himmel schauen. Man findet dann meist außer ein paar hellen Punkten gar nichts. Auch die erdnahen Objekte wie Mond, Mars, Venus, Jupiter und Saturn ,wandern' aus unserer Sicht über den Himmel. Manchmal sind sie gar nicht zu sehen. Und wenn sie dann am Horizont zu einer bestimmten Zeit aufgehen, sollte man genau wissen, wo. Dafür sind astronomische Vereine der perfekte Übungsplatz: An solchen Abenden gibt es nicht nur wertvolle Tipps, es macht auch gleich viel mehr Spaß, wenn man sein ,verrücktes Hobby' mit Gleichgesinnten teilen kann."


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© Eine Reportage von T. Micke (30-10-05) – Kontakt