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Mars ohne Rückflugticket: Absichtliches Himmelfahrtskommando

Eine Überraschung bahnt sich für die von der NASA für 2037 geplante bemannte Mission zum Mars an: Für die Astronauten könnte es mit voller Absicht eine Reise ohne Wiederkehr werden.



Nur in eine Richtung: Der erste bemannte Marsflug könnte eine Einbahn sein
Picture by NASA

Der Blick zu den Sternen – wie er besonders gerne rund um Neujahr getan wird – ist immer eine dankbare Verschnaufpause, besonders in Zeiten einer alles dominierenden Wirtschaftskrise. So, wie diese Krise ein (hoffentlich) kurzfristiges Abenteuer sein wird, so gab es auch immer schon Abenteuer, für die man sehr viel Ausdauer und Weitblick haben musste. Darum verlieren Menschen wie der britische Astronom Sir Martin Rees auch nicht die Geduld, wenn es darum geht, trotz aller irdischer Schwierigkeiten einen bemannten Flug zum Mars voranzutreiben. "Es könnte", so wird der Engländer nicht müde zu betonen, "einmal der Fortbestand der Menschheit davon abhängen, ob wir dieses Projekte über Generationen trotz aller Hürden vorangetrieben haben oder nicht."

Gewaltige Anstrengungen und minutiöse Vorbereitung sind notwendig um, wie die NASA plant, vielleicht schon im Jahr 2037 erstmals Menschen zu einem anderen Planeten zu schicken: Hin- und Rückflug würden drei Jahre dauern. Verpflegung und Luft zum Atmen müssten teils unterwegs gewonnen werden. Gigantische Mengen Treibstoff wären notwendig um Schiff und Crew von der Erde weg über die Distanz zu bringen, ein Raumschiff, das im Weltraum zusammengebaut werden müsste und seine Besatzung vor der lebensgefährlichen kosmischen Strahlung schützt. Ganz zu schweigen von der menschlichen Komponente, dem Verhalten der Astronauten, die diese lange Reise auf engstem Raum bewältigen müssten.

Geschätzte elf Milliarden Dollar würde eine solche Mission kosten (in der Praxis vermutlich deutlich mehr). Weil all dies gar so schwer auf den Planern lastet, ließ Sir Rees kürzlich mit einem unkonventionellen Gedanken aufhorchen: Was wäre, wenn die Reise zum Mars einfach ohne Ruckflugticket stattfinden würde? Die aufwändige Materialschlacht würde deutlich geringer ausfallen. Und schließlich: Auch jene Europäer, die im 15. und 16. Jahrhundert zur Erkundung der Neuen Welt mit ihrem Schiffen aufbrachen, stachen in See in der Gewissheit nicht zurückkehren zu können und möglicherweise dabei ihr Leben zu lassen. Was an einem solchen Himmelfahrtskommando auf den ersten Blick so menschenverachtend aussieht, schien – so Rees – den Pionieren von einst selbstverständlich. Und er sei sich sicher, dass es auch heutzutage genügend Freiwillige gebe, die für eine solche Mission zu gewinnen wären.

Für die ersten Marsmenschen könnte ein Daueraufenthalt zwingend sein
Picture by NASA

Nicht nur bei der NASA, sondern auch in Europa und Russland (demnächst mit dem Containerprojekt "Mars 500" in Moskau) versucht man nun herauszufinden, was denn das für Menschen sein könnten, die man mit einer solchen Einbahn-Mission betrauen könnte. Ist ein Mensch, der sich absichtlich auf eine Reise ohne Wiederkehr begibt "noch ganz dicht"? Ist er teamfähig? Sollte er vielleicht am besten auf Erden bereits ein erfülltes Leben hinter sich haben, um sich einem solchen Schicksal stellen zu können? Wäre also ein Trupp Astro-Rentner die Ideal-Mannschaft für den Mars-Trip?

Wie bei den Erkundungsmissionen der großen Seefahrer würde man den Tod miteinkalkulieren. "Menschenleben für Fortschritt, Ruhm und Ehre" – tatsächlich wäre das kein neuer Gedanke des 21. Jahrhunderts.

So, wie die ersten Konzepte für eine Marskolonie ebenfalls älter sind als man glauben möchte: Schon 1929 entwickelte der irische Physiker John Bernal die Idee eines riesigen, zylindrischen Raumschiffs, das 20.000 Menschen zu unserem Nachbarplaneten bringen sollte. Bernal plante sogar ein, womit auch heutige NASA-Visionäre kämpfen: Sein Raumschiff hätte sich permanent um die eigene Achse gedreht und so seinen Passagieren eine künstliche Fliehkraft-Schwerkraft für die lange Reise geboten.

Diese Idee, wie auch jene vom "Generationenraumschiff", auf dem geboren und gestorben wird, bis man nach Jahrhunderten der Sternenfahrt eines Tages eine fernen, bewohnbaren Planeten erreicht, gab es seitdem nur in unzähligen Science-Fiction-Romanen. Aber man weiß auch: Manches, das in solchen Romanen kühn "dahergesponnen" wurde, ist heute Realität - auch wenn ausgerechnet die Sache mit dem Beamen noch nicht so ganz klappt...


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© Eine Reportage von T. Micke (09-01-04) – Kontakt