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Asteroid "2007 WD5": Bombenstimmung auf dem Mars

Ein erst kurz zuvor entdecktes Geschoss, so groß wie ein Wohnblock, rast auf unseren Nachbarplaneten Mars zu. Wenn es am 30. Jänner 2007 dort wirklich einschlägt, gibt es eine nie gesehene Mega-Explosion. Auf der Erde wäre ein solches natürliches Ereignis eine verheerende Katastrophe.



Asteroid 2007 WD5 dürfte so ähnlich wie dieses von der NASA entdeckte Geschoss aussehen
Picture by NASA/JPL

Auch wenn diese Angelegenheit nur den Mars angeht und noch nicht einmal klar ist, ob der Asteroid "2007 WD5" überhaupt den Roten Planeten trifft, so ist sie doch auch für uns Erdlinge mit einem gewissen Nervenkitzel verbunden: Erst im November 2007 wurde das 50 Meter große Geschoss entdeckt, als es mit 45.000 km/h an der Erde vorbeischrammte. Wäre seine Bahn nur ein bisschen anders verlaufen, dann hätte es zu einer furchtbaren Katastrophe kommen können: Die Wucht, mit der ein solcher Mini-Asteroid einschlägt, haben wir bereits 1908 erlebt. Damals schoss ein ähnlich großer Himmelskörper bei Tunguska/Sibirien in unbewohntem Gebiet in den Wald. Obwohl er in 8000 Meter Höhe durch die schützende Atmosphäre auseinanderbrach, wurden rund 50 Millionen Bäume auf einer Fläche von 2000 Quadratkilometer umgeknickt. Nicht auszudenken, wäre von einem solchen Einschlag eine Großstadt betroffen.

Dieses Observatorium in New Mexico entdeckte den Kollisionskurs des Asteroiden 2007 WD5
Picture by NASA/JPL

Jetzt scheint es der – in astronomischen Dimensionen – kleine Brocken auf unseren Nachbarplaneten abgesehen zu haben. In den vergangenen Wochen stieg die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags von 1:350 auf 1:75 und weiter auf 1:28.

Dr. Donald Yeomans, Leiter des Near-Earth-Objects-Projektes (NEO) der NASA, das sich mit solchen und ähnlichen Blindgängern aus den tiefen des Alls beschäftigt, im Interview: "So ein Ereignis kommt nur circa alle 1000 Jahre vor und wurde noch nie beobachtet. Wissenschaftlich gesehen ist es eine große Chance für uns. Derzeit umkreisen drei Satelliten den Mars, die den Einschlag und seine Folgen aufzeichnen könnten. Sollte der Asteroid tatsächlich mit fast 49.000 km/h auf dem Mars einschlagen, dann wird man das mit guten Hobby-Teleskopen von der Erde aus beobachten können. Die Wucht entspräche etwa der Energie von drei Megatonnen TNT. Die Explosion wäre also etwa 300-mal so stark wie jene, die einst Hiroshima verwüstete. Man würde den Lichtblitz deutlich sehen können und nachher einen mehrere hundert Meter tiefen Krater mit einem Durchmesser von knapp einem Kilometer – und natürlich jede Menge Marsstaub. Es wäre ein Spektakel, aber wenn dieser Bursche auf dieselbe Weise auf die Erde zufliegen würde, müssten wir uns große Sorgen machen."

Seit Jahren tüftelt die internationale Staatengemeinschaft (das Weltraumkommitee der UNO hat seinen Sitz in Wien) an einem Regelwerk, das zum schnellen Einsatz kommt, sollte einmal ein solcher Asteroid auf die Erde zusteuern. Dr. Yeomans von NEO: "Von Atom- oder Wasserstoffraketen zur Ablenkung bis zu speziellen Sonnensegeln, die die Bahn des Angreifers mithilfe des Sonnenlichts abändern, gibt es viele Möglichkeiten. Wenn wir den bedrohlichen Asteroiden früh genug entdecken, so wie zum Beispiel Apophis, der aus heutiger Sicht im Jahr 2029 der Erde gefährlich nahe kommen wird, dann haben wir reichlich Zeit einen Plan zu schmieden. Die Frage ist nur nach wie vor: Wer entscheidet für die Menschheit, welche Methode die erfolgversprechendste ist? Und wer haftet, wenn etwas dabei schief geht?"

Ein Asteroideneinschlag würde auf dem Mars ordentlich Staub aufwirbeln. Die Arbeit der NASA-Rover wäre in Gefahr
Picture by NASA/JPL

Im für NEO verantwortlichen Jet Propulsion Laboratory in Pasadena/USA hat man jedenfalls bis zum Neujahrstag 2008 5118 Asteroiden und Kometen erfasst, die der Erde nahe kommen. Immerhin 905 davon gelten als potentiell gefährlich.

Von dieser Liste gestrichen wurde zum Glück schon 2007 TU24. Dabei handelt es sich um einen Brocken von etwa 500 Meter Durchmesser, der einen Tag vor dem möglichen Mars-Einschlag am 29. Jänner an der Erde vorbeizischen wird. Und zwar für die Astronomen ziemlich knapp in nur 500.000 Kilometer Entfernung zu uns.


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© Eine Reportage von T. Micke (13-01-08) – Kontakt