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Erdkern: Die Hölle auf Erden

Während wir den fernen Mars erkunden, ist das Innere unseres eigenen Planeten noch immer ein Rätsel: eine Gluthölle, die uns auf ganz erstaunliche Weise vor außerirdischen Angriffen schützt.



Anflug von der ESA-Sonde Mars Express auf den Mars
Picture by ESA

Seit Europas "Beagle 2" und der Nasa-Rover "Spirit" auf dem Mars gelandet sind, vergleicht man unseren Nachbarn gern mit der Erde: Hier der Mount Everest mit fast 9000 Meter Höhe, dort der Olympus Mons, ein riesiger, 25.000 Meter hoher Vulkan. Hier ein blauer Planet mit sehr viel flüssigem Wasser, dort ein staubiger roter, ganz ohne. Ein Marsjahr dauert fast zwei Erdenjahre. Die Erde hat nur einen Mond, der Mars hat zwei.

Einer der wichtigsten Unterschiede ist aber, dass dem Mars das Magnetfeld fehlt: Ein Schutzschirm, der bei uns die gefährliche Strahlung der Sonnenwinde wie ein unsichtbares Schild ablenkt und weitgehend von der Oberfläche fernhält. Forscher grübeln seit langem, warum dem Roten Planeten dieser Schutzschirm fehlt. Denn das ist einer der Gründe, weshalb irdisches Leben auf dem Mars nur wenig Chancen hat. Und dieses Schicksal könnte die Erde eines sehr fernen Tages auch ereilen.

"Mini-Löcher in der Erdkruste": Vulkan auf Island
Picture by T. Micke

Die Wissenschafter wüssten viel mehr darüber, wenn es gelänge, ein 6000 Kilometer tiefes Loch in unsere Erde zu bohren und all das zu untersuchen, was man auf dem Weg dorthin fände. Aber selbst die kühnsten "menschlichen Maulwürfe" kamen bisher gerade einmal in eine Tiefe von elf Kilometer: Mini-Löcher in der Erdkruste, die immerhin auch schon zwischen zwei (unter dem Meer) und 70 Kilometer dick ist.

Dennoch: Dort unten, wo der Mensch sich früher die Hölle vorstellte, schlummert in der Gluthitze von mehreren tausend Grad auch das Geheimnis unseres Magnetschirms. Schwingungsmessungen zeigen, dass der Erdmantel bis in eine Tiefe von circa 2900 Kilometer aus zähflüssigem Stein besteht. Kleine "Spritzer" davon treten in Form von Magma bei Vulkanausbrüchen hervor. Unter diesem Mantel, so wird vermutet, ist eine mehr als 2000 Kilometer dicke Schicht aus flüssigem Metall, in deren Mitte ein fester Eisen-Kern schwimmt. Und dieses flüssige Metall dürfte für den Strahlenschutzmantel der Erde verantwortlich sein. Durch ständige Umwälzungen in der weißglühenden Metallbrühe und die "eiernde" Drehbewegung der Erde um ihre Achse, entsteht elektrischer Strom, der wie ein gigantischer Dynamo ein riesiges Magnetfeld erzeugt.

So harmlos sieht unser schöner blauer Planet Erde von außen aus
Picture by NASA

Die Geologen fasziniert aber noch ein weiteres Rätsel, wie Dr. Gerhard Duma, Erdmagnetismus-Experte an der Wiener Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik, erklärt: "Alle paar hunderttausend Jahre, kehrt sich das Magnetfeld unserer Erde um. Dann wandert der magnetische Südpol in einer langen Reise zum Nordpol hinauf und ein paar hunderttausend Jahre später zieht es ihn wieder nach Süden zurück."

Die Erde und ihre Bewohner haben diese Wanderlust der Pole offenbar bisher gut überstanden, obwohl in der schutzlosen Übergangsphase viele Jahre lang die aggressive Weltraumstrahlung bis zum Boden prasselt. Aber beim letzten Mal, das immerhin schon 780.000 Jahre her ist, gab es noch keine empfindlichen Computer oder Satelliten, die ein solches Strahlen-Bombardement nicht überstehen würden. Prof. Bruno Meurers, Geophysiker an der Uni Wien: "Obwohl sich unser Magnetfeld in den letzten 150 Jahren recht stark abgeschwächt hat, brauchen wir uns über einen ,elektronischen Supergau' keine Sorgen zu machen. Das Feld ist zwar nicht vorhersagbar, aber wenn es sich umpolt, dann dauert das sehr, sehr lange."

Eine Reise zum Mittelpunkt der Erde würde viele Fragen klären, bleibt aber wohl eine der letzten Phantasien von Science-Fiction-Altstar Jules Vernes, die der Mensch noch nicht umgesetzt hat. Vielleicht dauerts aber nicht mehr lange: Ein US-Forscher plant seit vergangenem Jahr, einen 200 Meter langen Keil aus flüssigem Eisen bis zum Erdkern zu treiben. Eine darin eingebettete Sonde soll Informationen liefern...


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© Eine Reportage von T. Micke (18-01-04) – Kontakt