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Ramsau im Winter: Langläufer lieben länger

Österreichs Skating-Asse zeigen kommenden Samstag beim Weltcup in der Steiermark gegen die nordische Elite wieder einmal, was sie draufhaben. Aber wer daheim vor dem Fernseher durch Langlauf-Kompetenz glänzen will, sollte wissen, wovon er spricht. Tobias Micke ließ sich deshalb auf einen Anfängerkurs mit Ex-Weltmeister Dr. Alois Stadlober ein...


Ein klirrend kalter, strahlender Sonntagmorgen im legendären Ramsauer Langlauf-Stadion, dort, wo Gandler, Stadlober, Botwinow und Hoffmann 1999 in einem unfassbar packenden Finish den Norwegern in der Staffel WM-Gold abjagten.

Langlaufen interessierte mich ja bis dahin ungefähr so sehr wie Sackhüpfen, aber bei diesem Rennen kniete ich daheim völlig fertig vor dem Fernseher, als es auf der Ziellinie nach mehr als eineinhalb Stunden wirklich nur um Zentimeter ging.

Damals dachte ich mir – wie alle Sport-Opportunisten, die erst dann zu "treuen Fans" werden, wenn es Medaillen regnet: Muss wohl was dran sein, am Langlaufen. Sollte man mal probieren. Andererseits: Welcher Erwachsene spielt noch einmal gern den Anfänger-Dodel, wenn er sich nach endlosen Übungsjahren auf Alpinski endlich einigermaßen würdevoll halten kann? – Aber könnten Sie einem Schnupper-Anfängerkurs mit Langlauf-Legende Stadlober widerstehen?

Und dann war da noch der "Sport Willy", in dessen Geschäft ich meine Skier lieh, der meinte: "Wirst sehen, das macht sexy. Da kriegt man ganz viele rote Blutkörperchen davon, da geht dir nie wieder die Luft aus." Und beim Abschied rief er mir augenzwinkernd nach: "Langläufer lieben länger..."

Der Rahmen könnte heute Morgen kaum perfekter, die Situation dafür nur wenig peinlicher sein: Gold-Trainer Walter Mayer scheucht gerade sein Nationalteam über die Loipe. Gleich daneben startet der estische Weltmeister Andrus Veerpalu (30 km klassisch in Lahti) zu einer Aufwärmrunde, und dazwischen stehe ich, mit gelben Entenfüßen und zwei 1,90 Meter langen roten Zahnstochern, von denen ich nicht einmal weiß, wie man die Bindung öffnet. Stadlober, jetzt Nordischer Koordinator für die Steiermark und Organisator des Weltcup-Rennens am kommenden Wochenende, hat gerade eine Fünf-Kilometer- Runde mit seinem zehnjährigen Sohn gedreht: "Servas, ich bin der Luis! Fang ma gleich an?"

"Also, beim Skating gibt's den Eins-Einser, den Zwei-Einser und den asymmetrischen Schritt..."

Bei meinem ersten "Eins-Einser" bekomme ich gleich einmal Ramsauer Loipenschnee zu kosten: Die Ski sind eindeutig zu lang, zu schmal, zu leicht und zu rutschig. Und dass die Bindung hinten offen ist, ist eine Gemeinheit. Nach einer Stunde Kasperl-Spielen für die Zuschauer bin ich reif für die Loipe (sagt Luis). Keuchend quäle ich mich die erste Steigung hinauf. Die kantenlosen Skier rutschen ständig weg, sodass die langen Stöcke auch keine Hilfe sind. "Langlaufen macht sexy!", versuche ich mir einzureden, just, als eine fesche Blondine technisch perfekt, gazellenhaft graziös und völlig desinteressiert an mir vorbeischwebt.

"So", verkündet Luis fröhlich, während ich am Fuß eines weiteren kleinen, aber höllischen Anstiegs nach Luft ringe: "Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. An diesem Hügerl sieht man wirklich, ob die Technik stimmt." Auf meinen Wunsch hin nimmt Luis das "Hügerl" im Renntempo. Wie eine Raubkatze springt – von Gleiten ist da keine Rede mehr – der sonst so ruhig wirkende Doktor der Rechtswissenschaften den Anstieg hinauf.

Oben angekommen, wird mir beim Blick hinunter plötzlich ein wenig schwindelig: "Genau bei dieser Abfahrt hat's damals im 99er-Rennen den Botti außig' haut", kommentiert Luis. Welche Ehre! – Die Aussicht, an derselben Stelle wie der große Michael Botwinow aus der Kurve zu rauschen, ist trotzdem wenig verlockend. In Skihaserl-Pflugstellung schlittere ich leicht verkrampft den Hang hinunter. Viel zu schnell für die hängende Rechtskurve. Warum haben diese seltsamen Skier auch keine Kanten zum Bremsen? Irgendwie saust Botwinows tückische Siesta-Grube auf wundersame Weise links vorbei, ohne mich zu schlucken. Geschafft! – Im doppelten Sinn...

Beim Zieleinlauf im Stadion wartet schon Luis junior sehnsüchtig auf uns. Er will nach Hause, um endlich "Harry Potter III" zu Ende zu lesen. Spannend wie Papas Langlauf-Krimi damals vor zwei Jahren. Und kommenden Samstag, wenn um 8.30 Uhr die Herren mit Christian Hoffmann als Geheimfavorit mit spektakulärem Massenstart in das 30-Kilometer-Skating-Rennen hineinsprinten, werden Vater und Sohn gemeinsam mitfiebern.

Infos zu Langlaufkursen und Buchungen fürs Rennen beim Tourismusverband Ramsau (Telefon: +43 (0)3687/818-33).


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© Eine Reportage von T. Micke (16-12-01) – Kontakt