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Die Zahlen sind erschreckend: Unfassbare 100 Millionen Landminen liegen weltweit irgendwo in der Erde und warten nur darauf, dass jemand auf sie tritt, um das ahnungslose Opfer – oft Jugendliche beim Spielen – zu zerreißen. Anti-Personen-Minen als grausames Erbe oft längst beendeter Kriege kosten jeden Monat im Schnitt 500 Menschen das Leben und verstümmeln weitere 2000 Opfer. 8000 Kinder werden jedes Jahr durch solche Minen verkrüppelt oder getötet.
Trotz internationaler Abkommen werden jährlich weitere zwei Millionen dieser Höllenmaschinen in Konfliktregionen vergraben: neue Modelle (insgesamt gibt es bereits mehr als 300 verschiedene), die noch schwerer zu entdecken und zu entschärfen sind.
Minen zu vergraben geht schnell. Sie aufzuspüren und auszugraben dauert lange, ist kostspielig und lebensgefährlich. Hunde können abgerichtet werden, sodass sie das TNT in den Minen erschnüffeln. Und deutsche Forscher haben kürzlich ein Gerät entwickelt, das ein typisches Molekül in Sprengstoffen erkennen kann. Meist werden aber Metalldetektoren eingesetzt, die leider auch auf Bierverschlüsse, Getränkedosen und anderes Metall im Boden reagieren. So kommen auf einen echten Minen-Fund ungefähr 1000 Fehlalarme.
Trotz aller Bemühungen, ferngesteuerte Maschinen einzusetzen, um die Zahl der Opfer beim Entschärfen zu verringern, ist die beste Methode noch immer per Hand. Denn Minen werden (wie im Kosovo) oft in unwegsamem Gelände vergraben, wo Räummaschinen, die den Boden umpflügen, nicht arbeiten können. Außerdem verseucht diese Technik, bei der die Minen gleich vor Ort gesprengt werden, das Erdreich.
Prof. Peter Kopacek von der TU Wien kennt solche "geräumten" Felder: "Da wächst über 20 bis 30 Jahre kein Gras mehr!" Dass der Professor beinahe Landminen-Experte ist, hat kurioserweise mit der Fußball-EM zu tun. Nicht mit jener, die 2008 in Österreich gefeiert wurde, sondern mit der FIRA-Europameisterschaft für Fußball-Roboter in München, die eben zu Ende gegangen ist. Kopaceks Uni-Institut für Robotertechnik baut und entwickelt seit Jahren Fußball-Roboter. Und im Gegensatz zur eher glücklosen österreichischen Elf wurde Kopaceks "österreichische Nationalmannschaft" heuer Europameister.
Kopacek: "Roboter-Fußball wirkt nur auf den ersten Blick wie eine nutzlose Spielerei. So können Techniker und Software-Ingenieure robuste Mechanik und künstliche Intelligenz entwickeln und – wie die Roboter-Autos der DARPA-Challenge – im Wettkampf testen. Die einzelnen Spieler werden dabei von einem Computer per Funk gesteuert. Der Rechner beobachtet mithilfe einer Kamera alle Bewegungen und koordiniert die Spieler zu einer Mannschaft mit verschiedenen Aufgaben. Mit derselben Technik können wir aber auch Schwärme von Robotern mit unterschiedlichen Aufgaben in einem Minenfeld steuern."
Die Pläne des Professors werden derzeit an der königlichen Militärakademie in Belgien vom Minenroboter-Experten Yvan Bodoin umgesetzt: Die erste Welle von systematisch mit Sensoren suchenden Robotern wird so leicht sein, dass sie die Minen, die auf das Gewicht von Menschen ausgerichtet sind, nicht auslösen. Ein zweiter und dritter mit Geräten ausgestatteter Roboterschwarm soll die Minen dann ausgraben bzw. zum Entschärfen wegtransportieren. So würde aus Österreichs Stars der Roboter-Fußball-EM 2004 bald ein Team von Lebensrettern werden.
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