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Kriegsdelphine an die Front!

Kriegseinsatz am Golf für Flipper und Co.: Was können die Tiere so gut, dass man ihr Leben aufs Spiel setzt?



Kriegsdelphine im Dienst bei US-Navy: Dieser hier wurde trainiert um Fotos zu schießen
Picture by US-Navy

Tiere beim Militär sind natürlich nicht neu: Krieger machten sich immer schon die Geschwindigkeit von Pferden zunutze, Kriegselefanten wurden wegen ihrer Stärke eingesetzt, Tauben zur Nachrichtenübermittlung, Hunde, um den Feind zu wittern. Warum also die Aufregung um Delphine und Seelöwen, die von der US Marine wieder im Irak verwendet wurden und schon in den Sechzigern top secret im Vietnamkrieg zum Einsatz kamen? Ein Thema, zu dem es viele Standpunkte gibt.

Am einfachsten zu vertreten ist wohl die Meinung, dass abgerichtete Tiere im zivilisierten 21. Jahrhundert im Kriegseinsatz nichts verloren haben, genauso wenig wie im Zirkus, weil man beides als unnötige Tierquälerei ansehen mag.

Aber wie sieht es dann mit Pferden aus? Sind sie nicht auch Nutztiere wie der Ochse, der den Pflug zieht? Es gab früher ein ungeschriebenes Schlachtengesetz, dass man nicht auf Kriegsrösser schoss, sondern nur den Reiter herunterholte. Die Pferde waren es ja nicht, die in feindlicher Absicht zur Bedrohung wurden. Und war der Reiter einmal außer Gefecht gesetzt, war sein Ross harmlos, konnte auch in den Händen des Gegners wieder als Reittier dienen, war also "neutral".

Bei Delphinen ist die Sache ein wenig anders. Das liegt an der Intelligenz der Meeressäuger, aber auch an der Art des Kriegseinsatzes, für den sie herangezogen werden. Von der US Navy weiß man, dass sie schon 1960 ein so genanntes "Delphin-Programm" startete, in das bis heute jährlich 10 bis 20 Millionen Dollar gesteckt werden. Man entdeckte, dass Delphine ein besonders feines Orientierungssystem besitzen, an das, gepaart mit der hohen Intelligenz der Tiere, nicht einmal modernste Computer-Technik herankommt. Mit Hilfe dieses "Bio-Sonar" können sie sich im Wasser auch im Dunkeln und trotz vieler Nebengeräusche ein genaues Bild von der Umgebung machen. Man darf sich das etwa so vorstellen: Wenn der Mensch diese Fähigkeit besäße, dann könnte er bei einer Bergwanderung in dichtem Nebel einen Jodler loslassen und anhand des Echos sagen, ob die Hütte auf der Alm gegenüber einen Rauchfang hat und wieviele Kühe davor grasen.

Delphine im Einsatz: Mit Booten werden sie wie Soldaten direkt ins Krisengebiet gebracht
Picture by US-Navy

Seinerzeit macht sich die US-Marine im eroberten irakischen Hochseehafen von Umm Qasr genau diese Fähigkeit zunutze, um Minen aus dem Weg zu räumen, die die Zufahrt von Schiffen mit Hilfsgütern und natürlich auch mit Truppen-Nachschub gefährden. Navy-Sprecher Tom Lapuzza im Interview: "Die Tiere suchen mit ihrem feinen Sonar im trüben Hafenwasser nach Minen. Die Minen selbst sind keine Gefahr für sie, die gehen ja auch nicht hoch, wenn große Fische zufällig vorbeischwimmen. Haben sie eine entdeckt, geben sie ihrem Trainer an der Wasseroberfläche ein Signal, indem sie ihre Schnauze auf eine Platte an der Bootswand drücken. Dann deponieren sie am Fundort eine Boje mit Anker, damit Navy-Taucher nachsehen und die Mine entfernen können. Andere Delphine können am Rücken von verdächtigen Tauchern lautlos Stroboskop-Lichter anbringen, damit wir Unterwasser-Terroristen ausfindig machen können. Solange es keine rein technische Lösung dafür gibt, sind die Delphine für uns überlebenswichtig."

Aus Navy-Mund klingt das sauber und einfach. Hört man sich an, was Tierschützer dazu sagen, sieht es aber anders aus. Ulrich Karlowski, Experte der deutschen Gesellschaft zur Rettung der Delphine: "Die Tiere werden ja nicht nur zur Minensuche ausgebildet. Es gab im Vietnamkrieg Torpedo-Delphine, lebende Lenkwaffen, die Bomben an Schiffsrümpfen zur Explosion brachten. Außerdem wurden einige Tiere darauf trainiert, mit ,Nasenwaffen' Menschen anzugreifen. Aber das würde heute natürlich geheim gehalten werden. Ausbildung und Transport der Tiere sind ähnlich hart wie beim Menschen, der Stress ist immens und viele werden krank."

Weshalb sich der Einsatz von Pferden von dem der Delphine unterscheidet, ist nun leicht erklärt: Delphine würden vom Feind als gefährlich eingestuft und unschädlich gemacht. Am einfachsten, in dem man ihr Ortungssystem durch schmerzhafte Störgeräusche ausschaltet. Oder, indem man die Tiere, die ja ihre Kriegsmission in dem Glauben ausüben, ein Spiel zu spielen, tötet. Viele Gegner sehen schon wegen der hohen Intelligenz dieser Tiere nur noch wenig Unterschied zu den Jugendlichen, die man im Iran-Irak-Krieg zum Räumen von Minenfeldern losschickte, indem man ihnen ein paradiesisches Leben nach dem Tod versprach.

Bionik, die oft so faszinierende Verschmelzung von Technik und Biologie, ist hier mit Sicherheit strikt abzulehnen.


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© Eine Reportage von T. Micke (06-04-03) – Kontakt