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Kornkreise – von Teufels Hand ins Feld gezeichnet?

Das "Loch Ness" der Landwirtschaft ist auch diesen Sommer wieder da. Sind Kornkreise das Werk schlauer Scherzbolde oder echtes Forschungsgebiet?



Kunstvolle Kornkreise im Feld
Picture by Beustverlag/Janet Ossebaard

Wer kennt sie nicht, die Geschichten vom Monster von Loch Ness. Jede Menge Augenzeugenberichte, Fotographien von seltsamen, saurierartigen Gebilden im trüben Wasser und natürlich ein gut besuchtes, lukratives Museum an dem idyllischen See sorgen für Mythos und Legende. Wer heutzutage allen Ernstes an "Nessy" glaubt, wird belächelt und ein zu inniges Naheverhältnis zum schottischen Whisky nachgesagt. Bei den sogenannten Kornkreisen, die immer wieder auf recht geheimnisvolle Art auf der ganzen Welt, von Australien bis Amerika und auch bei uns in Österreich, entstehen, ist das ähnlich: Kornkreise – das hat man ja irgendwann im Fernsehen gesehen – gelten als Werk begabter Scherzbolde, die nachts mit Planken und Seilen auf die Felder ziehen und kreativen Flurschaden anrichten. Mähdrescher-Vandalismus, Graffity für missratene Bauernsöhne, ein Spaß, der wohl hinter vorgehaltener Hand am Stammtisch erzählt wird.

Nur, ganz so einfach ist die Sache nicht. Noch immer stecken die teils wunderschönen Kornbilder voller Rätsel, an denen sich auch renommierte Wissenschafter die Zähne ausbeißen und dabei riskieren, von den Kollegen nicht mehr ernst genommen zu werden. Damit zeigt die Kornkreis-Forschung ein Problem auf, das wohl so alt ist wie die Wissenschaft selbst und immer auf jenen lastet, die neue, ungewöhnliche Ideen haben und sie zu beweisen versuchen. Natürlich enden viele davon in Sackgassen, aber manchmal können solch "verrückte" Theorien auch das Weltbild verändern, und auf einmal lernt zum Beispiel jedes Kind, dass die Erde doch nicht Mittelpunkt des Weltalls ist.

Geometrische Regeln in Kornkreisen scheinen von übernatürlichem Charakter zu sein
Picture by Beustverlag

Aber, zugegeben: Hätte sich Nikolaus Kopernikus um 1514 nicht gegen alle bestehenden Normen mit der Lage unserer Erde im Sonnensystem befasst, sondern mit kreisförmigen Kornmustern, die es möglicherweise schon zu seiner Zeit gegeben hat, hätte die Welt etwas wichtiges verpasst. Nur 150 Jahre jünger als Kopernikus ist die erste bekannte Überlieferung eines Kornkreises in einem Haferfeld in England. Damals machte man den Teufel für die kreisrunde Form verantwortlich, "die zu vollbringen einen Menschen ein ganzes Menschenleben gekostet hätte, indes er nur eine Nacht brauchte" . Viel hat sich seither an dem Phänomen nicht geändert. Nur der Teufel wurde inzwischen von Mystikern und Fanatikern durch Ufos und kleine grüne Männchen ersetzt.

Was den Wissenschaftern, die sich heutzutage mit Kornkreisen befassen, zu grübeln gibt, sind aber weniger die angeblichen Botschaften oder gar Landeplätze von außerirdischen Wesen. Längst ist bekannt, dass viele der vor allem in Südengland entstandenen wunderschönen und unglaublich präzisen Getreidebilder tatsächlich von Menschenhand stammen.

Kornkreise: Nicht mit natürlichen Phänomenen (außer von Menschenhand) zu erklären
Picture by Beustverlag/Andrew King

Bei genauen Untersuchungen der meist nur umgeknickten und nicht abgeschnittenen Pflanzen in vielen einfacheren Kornkreisen haben Physiker und Botaniker eigenartige Veränderungen entdeckt, die Beweise für ein noch unbekanntes Naturphänomen sein könnten. Einer dieser Wissenschafter ist der holländische Physiker und Laser-Experte Dr. Eltjo Haselhoff, der für die "Los Alamos National Laboratories" in den USA forscht. In seinem eben erschienenen reichlich illustrierten Buch ("Faszinierende Kornkreise", Beustverlag, ISBN 3-89530-076-4) beschreibt er verdorrte, angesengte und eigenartig verzogene Halme innerhalb der Kornkreise, seltsame kugelförmige Kristall-Strukturen im Boden, die nach den Regeln der Physik nur durch hohe Temperaturen oder starken Druck entstanden sein können, starke elektromagnetische Felder, die vor Ort gemessen wurden und das Phänomen, dass Kornkreis-Getreide bei späteren Keimungsversuchen im Vergleich zu normalem Getreide desselben Feldes viel schneller wächst.

Foto
Picture by Beustverlag/Ron Russell

Zudem gibt es sehr viele Aussagen von Zeugen, die unmittelbar vor der Entstehung eines Kornkreises Lichtkugeln über dem Boden gesehen haben wollen. Abgesehen davon, dass es sich dabei natürlich um die üblichen Ufo-und Alien-Seher handeln kann, vertreten Haselhoff und einige seiner Kollegen jetzt die Theorie, dass man möglicherweise einer Art unbekanntem Kugelblitz auf der Spur ist, der durch Hitze oder sogar mikrowellenartige Strahlung das Getreide im Umkreis von einigen Dutzend Metern "verstrahlt" und flachlegt. Am Ende könnte also doch etwas mehr dran sein, an den Kornkreisen, als nur nächtliche Rasenmäherbrigaden.

Dr. Martin Gerzabek, Professor für Umwelt-Toxikologie an der Uni für Bodenkultur in Wien hat aber noch andere logische Erklärungen für Muster und Schäden im Kornfeld: "Ein bekannter Grund für umgeknickte Getreidehalme ist zum Beispiel zu starke Stickstoff-Düngung an einzelnen Stellen. Dadurch wachsen die Pflanzen zu schnell, verlieren ihre Standfestigkeit und können, etwa bei einem starken Regenguss, umfallen. Manchmal gibt es auch sogenannte Hexenringe. Das sind Pilze im Boden, die in einem bestimmten Umkreis das Pflanzenwachstum stören. Und was Muster betrifft: Etwa auf den Feldern um Carnuntum ist zu erkennen, dass das Getreide anders wächst, wenn darunter alte römische Mauern sind. Der unterschiedliche Wassergehalt im Boden verändert dort das Wachstum."

Dieses Phänomen kann man oft vom Flugzeug aus beim Landeanflug auf Schwechat sehen und wird sogar von Archäologen ganz bewusst für einen "rein biologischen Röntgenblick" unter die Erde genützt.


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© Eine Reportage von T. Micke (21-07-02) – Kontakt