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Energie der Zukunft: Alles aus Kohle?

Schmutzig ist ihr Ruf, altmodisch und verstaubt. Aber ausgerechnet Kohle könnte nach Erdöl zum neuen Energieträger der Zukunft werden. Vorausgesetzt den Forschern gelingt ein letzter wichtiger Geniestreich.



Die fossile Energie unseres Planeten Erde (hier abgefackeltes Erdgas) geht zur Neige
Picture by T. Micke

Vor Hunderten Millionen Jahren sind riesige Baumfarne in den Sümpfen der Ur-Erde versunken. Ihnen verdanken wir das "Gestein" Kohle. Seit Menschengedenken wird Kohle weltweit zum heizen verwendet. Für den Ofen im kalten Winter, für die Heizkessel der Titanic, zum Schmelzen von Eisenerz und zur Erzeugung von Strom in Kohlekraftwerken. Während bei uns in Mitteleuropa Kohle als Relikt des vergangenen Jahrhunderts gesehen wird, verdrängt durch Wasserkraft, Atomenergie, Erdöl und Erdgas und die zahlreichen Kohlezechen fast alle stillgelegt wurden, setzen viele Entwicklungsländer, vor allem aber das aufstrebende China bei der Energieerzeugung voll auf das ehemals "Schwarze Gold". Es ist reichlich davon da, ein Heer von Arbeitern schafft es billig in die Kraftwerke, warum sollte man also teures Öl importieren? Und die Umweltbedenken wegen des hohen Schadstoffausstoßes werden oft als "Luxussorgen" der westlichen Wohlstandsgesellschaft abgetan.

Da nun aber weltweit die Ölquellen versiegen, und man Alternativen sucht, um nicht zu sehr abhängig zu sein, erinnert man sich auch im Westen daran, was Kohle alles kann.

Je nachdem, wen man fragt wird mit dem Öl in 30 bis 100 Jahren Schluss sein. Die Kohlevorkommen sollen Studien zufolge aber bis zu 1000 Jahre reichen. Das würde Zeit schaffen, um andere Technologien voranzutreiben, die noch in den Kinderschuhen stecken.

Sollen wir nun also die gute alte kohlebefeuerte Dampflok aus dem Museum wieder auf die Schiene stellen und unsere Autos mit Briketts befeuern? Nicht nötig. Tatsächlich lassen sich nämlich aus den harten Brocken auch Benzin, Diesel, Kerosin sowie Gas gewinnen und diverse Kunststoffe herstellen – wie es mit Erdöl seit vielen Jahrzehnten gemacht wird.

Flüssige Kohle! Was für den Laien neu und revolutionär klingt, ist in Wirklichkeit aber schon fast hundert Jahre alt. Weil Deutschland im Zweiten Weltkrieg vom Öl abgeschnitten war, betrieb man die Panzer mit verflüssigter Kohle von der das Land reichlich hatte. Das (Fischer-Tropsch-)Verfahren wurde später nur deshalb nicht mehr genützt, weil Ölprodukte billiger herzustellen waren.

Mit den steigenden Ölpreisen schielen viele Industrienationen jetzt dafür nach Südafrika. Dort war man wegen der menschenverachtenden Apartheidpolitik ebenfalls viele Jahre lang weitgehend von Öllieferungen abgeschnitten. Die Apartheid ist Vergangenheit, die damals errichteten Anlagen der Firma "Sasol" zur Verflüssigung von Kohle wurden aber über die Jahre weiter ausgebaut, sodass Südafrika jetzt 28 Prozent seines Treibstoffbedarfs aus eigener Kohle abdeckt.

Vor kurzem hat auch China mehrere solcher Anlagen nach südafrikanischem Muster in Auftrag gegeben. Die Vorteile sind offensichtlich. Schließlich wären auch kohlereiche Regionen wie USA, Kanada, Südamerika und Europa nicht mehr so sehr von den politisch schwierigen Öllieferanten abhängig, wenn es gelänge Kohle effizient genug zu verwerten. Die Nachteile sind leider ebenso klar: Bei der Verbrennung von Kohle entsteht extrem viel CO2, Treibhausgas also, das uns auf dem Weg zum Klimakollaps weiter in die Sackgasse treibt. Deshalb suchen Forscher auf der ganzen Welt nach Wegen, das Kohlendioxid unschädlich zu machen oder es zumindest herauszufiltern. Geplant ist, das Treibhausgas in natürliche, leere Erdgaslagerstätten im Boden zu pumpen – schließlich, so sagt die Logik – hat ja auch das Erdgas Jahrmillionen in diesen Gesteinsschichten gesteckt ohne von allein an die Oberfläche zu gelangen.

Kritikern wiederum riecht dies zu sehr nach dem Atomkraft-Dilemma: Die Energie selbst ist wunderbar umweltverträglich – solange nichts passiert und so lange man den radioaktiven Müll, der anfällt – aus den Augen, aus dem Sinn – irgendwo in Bergwerksstollen verstauen kann. Nur was, wenn bei dieser "Endlagerung" durch ein Leck in 200 oder 300 Jahren etwas schief geht? Abgesehen von den Folgen für das Klima, wenn große Mengen CO2 in die Atmosphäre geraten, ist das bodennahe Gas für den Menschen tödlich.

Die Herausforderung für die Forscher ist, eine Methode zu finden, die das schädliche Gas dauerhaft einbindet, ohne die Gefahr, dass es durch die Hintertür wieder zur Bedrohung wird. Die Natur kennt so einen Trick. Er heißt "Photosynthese" und wird von jeder Pflanze zur Energiegewinnung beherrscht. Leider ist es dem Menschen noch nicht gelungen die Natur so zu kopieren, dass die Unmengen an CO2, die er erzeugt, beseitigt werden könnten.


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© Eine Reportage von T. Micke (29-07-07) – Kontakt