Die Nachlese

Reportagen und Berichte mit der Keyword-Search suchen... Gegründet 1999 als "Die Nachlese"

ARCHIV INDEX
- Servus-Magazin

- Abenteuer/Reise
- Allgemeinwissen
- Astronomie/Weltall
- Forschung/Hitech
- Fun Stuff/Verrücktes
- Gesund/Umwelt
- Historisches/Antike
- Hobby/Kochen
- Pflanzen/Tiere
- Politik/Wirtschaft
- Sport/Extremsport
- Testautos/Autotests

- Fotos/Bild-Archiv

Translation

Traduction


- Weltbildung-Weblog
- Coole Surftipps
- Über Welt-Bildung
- FAQs/Leserbriefe
- Home/Startseite


Klimawandel: "Hunderte Millionen Menschen werden das nicht überleben!"

Das Katastrophenszenario des Films "The Day After Tomorrow" mit einer dicken Eisdecke über Europa wird nicht stattfinden. Dennoch verheißt der unfassbarerweise von Amerika und China zensurierte neueste Klimareport der UNO für die nächsten 100 Jahre Schlimmes, wenn man Einblick in die Arbeiten der 2500 Forscher nimmt.



Steigende Meeresspiegel werden in den nächsten Jahrzehnten Hunderttausende Klima-Flüchtlinge verursachen
Picture by T. Micke

Mit der Leistung von einer Million Kernkraftwerken pumpt der Golfstrom warmes Meerwasser von der Südhalbkugel nach Norden bis nach Grönland, wo es – heruntergekühlt und salzhaltiger – in Richtung Meeresboden sinkt, um dort zurück nach Süden zu strömen. Von "Europas Zentralheizung" ist dann immer die Rede und der Angst davor, was passiert, wenn dieser Teil des globalen Wasserförderbands zum Erliegen kommt, weil Grönlands schmelzender Süßwasser-Eisschild das wackelige Gleichgewicht von Salzgehalt und Temperatur kippen könnte. In Roland Emmerichs Katastrophenfilm "The Day After Tomorrow" wird dieses fast widersprüchliche Szenario reißerisch, aber verständlich vor Augen geführt: Das Klima wird wärmer, bringt das Grönland-Eis zum Schmelzen, daraufhin gerät der Golfstrom-Wärmetauscher ins Stocken, und die gesamte Nordhalbkugel versinkt folglich in einer neuen Eiszeit.

Die gute Nachricht: Forscher präsentierten jetzt vor dem UN-Klimarat ihre Berechnungen, dass der Golfstrom in diesem Jahrhundert zwar tatsächlich eine Bremsung einlegen wird, die zu einer Abkühlung in Europa führen sollte. Diese wird aber im Vergleich zum Klimawandel so gering ausfallen, dass bei uns nur mit einer Abschwächung des allgemeinen Temperaturanstiegs zu rechnen ist. Also kein Dutzend Meter dicker Eispanzer über Österreichs Alpen. Und auch keine Verschnaufpause für die Tausenden Schneekanonen, die Europas Wintertourismus in Schwung halten sollen.

Der Klimawandel wird die Ärmsten treffen. Hunderte Millionen Menschen werden ihn nicht überleben
Picture by T. Micke

Die schlechte Nachricht aus dem UN-Report, an dem 2500 Forscher sechs Jahre lang gearbeitet haben und der im Mai 2007 vollständig (aber von Amerika und China skandalös zensuriert und entschärft) zur Veröffentlichung freigegeben wurde, lässt sich daraus aber bereits heraushören: Es wird – im wahrsten Sinn des Wortes – katastrophal warm. Und dazu genügt es, wenn die Durchschnittstemperatur auf der Erde in den nächsten Jahrzehnten insgesamt nur um ein bis zwei Grad ansteigt. Besonders dort, wo Trinkwasser jetzt schon knapp ist, werden dem Bericht zufolge – der keineswegs von möglicherweise übertreibenden Umweltschutzorganisationen erstellt wurde – Hunderte Millionen Menschen in lang anhaltenden Dürreperioden mit dem Verdursten kämpfen. Sieht man laut UNO-Kommission 50 Jahre in die Zukunft, werden aufgrund dieser Situation, die auch die Landwirtschaft in diesen Regionen schädigen, wenn nicht vernichten wird, 20 bis 30 Prozent der Tiere unserer Erde vom Aussterben bedroht sein. Im Rest der Welt werden Wetterkapriolen zunehmen und für Verwüstungen sorgen. Einzig die Landwirtschaft in Regionen wie Sibirien oder Alaska würde profitieren.

Zudem werden laut dieses Expertenberichts bis zur nächsten Jahrhundertwende zwei Drittel der größten Städte der Welt vom ansteigenden Meeresspiegel (seriös geschätzt werden 20 bis 60 cm) gefährdet sein – von den vielen flachen Inseln in Südsee und Pazifik ganz zu schweigen. Wie auch dem Oscar-Dokufilm des ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore "Eine unbequeme Wahrheit" zu entnehmen ist, sollen davon Mega-Metropolen wie New York, Tokio, Los Angeles, London oder Schanghai betroffen sein. Besonders schlimm wird die Situation aber für Länder mit armer Bevölkerung wie Indonesien, Indien, China oder Vietnam. Verheerende Fluten, die bisher nur alle 100 Jahre ganze Regionen verwüsteten sind laut den Prognosen der Forscher dann alle drei bis vier Jahre zu befürchten. Und in den erwähnten Ballungsregionen am Meer leben jetzt schon mehr als 600 Millionen Menschen. Besonders heimtückisch daran ist: Das Meer reagiert auf die jetzt schon erfolgte Klimaerwärmung aufgrund seiner Größe erst mit Jahrzehnten Verzögerung. Dann steigen die Meeresspiegel, weil sich das Wasser unter Wärme ausdehnt.


Der kanadische Klimaforscher Andrew Weaver drückte die deprimierende Situation bei seiner Rede vor dem UN-Rat noch drastischer aus: "Unsere Tabellen zeigen eine Autobahn in Richtung Auslöschung. Noch gibt es aber Abfahrtsmöglichkeiten. Die Menschheit selbst wird gewiss noch lange überleben. Aber wenn es so weitergeht, wie es nach diesen Tabellen möglich ist, werden das Hunderte Millionen, wenn nicht Milliarden Menschen, die sich nicht anpassen können, nicht überleben."

Und US-Meeresforscher James McCarthy setzte in einem Versuch, Optimismus zu verbreiten, hinzu: "Ich halte diese extremen Szenarios, die im schlimmsten Fall eintreten können, für realistisch. Aber sie werden nicht eintreten. Denn so blöd können wir nicht sein..."


< Zurück zu Politik/Wirtschaft

© Eine Reportage von T. Micke (15-04-07) – Kontakt