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Keo, die Zeit-Kapsel

Dieser Satellit reist in unsere Zukunft. Zu den Bewohnern der Erde in 50.000 Jahren. Er bringt ihnen die Botschaften und Gedanken der Menschen von heute.



Graphik: Der KEO-Satellit mit CD-Roms, einem Mosaik, einer Planeten-Uhr und vier Diamanten
Picture by KEO

Spätestens 2010 soll eine Ariane-Trägerrakete der Europäischen Weltraumorganisation ESA diesen kugelförmigen, knapp 100 Kilo schweren Satelliten mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern in eine Umlaufbahn um die Erde in etwa 1800 Kilometer Höhe bringen. 50.000 Jahre später wird der Trabant von alleine mit einem spektakulären nordlichtartigen Landeanflug als Botschafter aus einer fernen Vergangenheit zur Erde zurückkehren...

Ein im wahrsten Sinn des Wortes phantastisches Projekt hat der französische Künstler Jean-Marc Philippe mit KEO ersonnen und wurde damit nicht nur von der UNESCO mit einer Ehrung ausgezeichnet, sondern bekam auch bei der Ars Electronica in Linz einen Preis für die beste Verbindung von Kunst und Internet.

Denn KEO soll eine Art orbitale Flaschenpost, ein archäologisches Schatzkästchen für unsere fernen Nachkommen oder Nachfolger auf der Erde in 50.000 Jahren sein. Im Herzen des Satelliten befindet sich eine moderne, unzerstörbare Daten-Bibliothek, die alles Wissenswerte enthält, das den Menschen, seine Technik, seine Geschichte, seine Kunst und die Welt, in der er lebt, betrifft. Ebenfalls an Bord: ein Fotomosaik mit menschlichen Portraits aus den verschiedenen ethnischen Gruppen. Eine Sternenuhr, mit der sich genau bestimmen lässt, wann der kugelförmige Botschafter aus der Vergangenheit losgeschickt wurde. Ein künstlicher Diamant, in dem die Elemente Erde, Luft und Wasser sowie ein menschlicher Blutstropfen in einer goldenen Hülle eingeschlossen sind. Und ein Archiv mit Nachrichten, Botschaften, Ideen und Gedanken unzähliger Menschen des 21. Jahrhunderts.

So könnte KEO nach seiner 50.000 Jahre dauernden Zeitreise wieder auf der Erde landen
Picture by KEO

Der Clou: Jeder Erdenbürger hatte die Möglichkeit, circa vier DIN-A4 Seiten mit Text (6000 Anschläge) an Bord des Satelliten KEO zu bringen und in eine ferne Zukunft einer Erde zu schicken, die wir uns nicht einmal in unseren kühnsten Träumen ausmalen können. Denn wir wissen nicht einmal, ob es Menschen sein werden, die diese Botschaft erhalten.

Die Texte, die in jeder beliebigen Sprache verfasst sein können (aber keine Bilder oder Zeichnungen enthalten dürfen), werden unverändert und unzensuriert mit den persönlichen Daten des Autors in ein Archiv mit speziellen hitze- und strahlungsbeständigen DVDs eingespeichert.

Während seiner Reise durch die Zeit, auf der KEO mit einem guten Fernrohr am Nachthimmel zu beobachten sein wird, sind der Satellit und seine kostbare Fracht durch mehrere Schutzschichten aus Titan, Wolfram, Aluminium und Kohlenstoff vor Einschlägen, Strahlung und Hitze geschützt. Ein Metallschaum-Mantel verhindert beim Aufschlag der Kugel auf die Erde in 50.000 Jahren außerdem, dass ihr Inhalt dabei beschädigt wird. Ungelöst ist eigentlich einzig die Frage, welchen Schaden ein vom Himmel fallender, 100 Kilo schwerer Körper bei einer Zivilisation auf unserem Planeten in 50.000 Jahren anrichten wird...

Initiator Jean-Marc Philippe beabsichtigt, eine Kopie der gesammelten Werke nach ihrem Abschuss ins All ohne Bekanntgabe der Autoren in einem Buch und im Internet zu veröffentlichen, damit die Menschen von heute sich ein Bild von sich selbst, ihren kühnsten Träumen, Ideen und Erwartungen machen können.

KEO steckt wegen eingeschränkter Flugkapazitäten sowie finanzieller und politischer Probleme leider derzeit in einer "Warteschleife". Der Satellit sollte dennoch trotz mehrmaliger Verschiebungen in den nächsten Jahren ins All geschossen werden...hoffentlich.

Wenn auch Sie KEO eine persönliche Botschaft mit auf seine Reise in die Zukunft geben wollen oder noch mehr über das Projekt wissen möchten, folgen Sie dem Link www.keo.org.

Der einzige Vorteil dieser Verzögerungen: Der letzte Einsendeschluss für dieses wirklich schöne, visionäre Projekt ist noch nicht bekannt.


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© Eine Reportage von T. Micke (07-09-03) – Kontakt