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ISS: Ufo-Alarm über Österreich

Vor allem im Sommer sorgt ein immer wieder kehrendes "schnelles Licht" am Nachthimmel für Aufregung: Die Raumstation ISS spielt Ufo...



Die internationale Raumstation ISS im Vollausbau
Picture by NASA

Wenn man nicht weiß, was man da am Nachthimmel vor sich hat, kann man schon ein wenig ins Grübeln kommen. – Besonders nachdem vor einer Woche der Ufo-Invasions-Thriller "Independence Day" im Fernsehen lief. Nur diesmal ist nicht New York der Ort des Geschehens, sondern Österreich: Ziemlich genau sechs Minuten braucht das unbekannte Flugobjekt jedes Mal, um von einem Ende des Horizonts im Westen zum anderen Ende im Osten zu gelangen. Es leuchtet extrem hell und fliegt höher als jedes Flugzeug. Der Griff zum Fernglas bringt also auch keine Erklärung, der Anblick der "glühenden Kugel" verändert sich trotz Vergrößerung nicht. Und das ganze Phänomen wiederholt sich bis zu dreimal pro Nacht auf leicht unterschiedlichen Flugbahnen.

Des Rätsels Lösung ist beinahe enttäuschend einfach: Die Internationale Raumstation ISS schwirrt bei ihren Überflügen für ein paar Tage im Sommer nur etwa 400 statt der sonst üblichen 600 Kilometer über unsere Köpfe hinweg. Das tut sie eigentlich jeden Sommer, nur ist die Weltraum-Baustelle inzwischen schon so groß geworden (77 Meter breit und 45 Meter lang), dass man das von ihren Sonnensegeln reflektierte Licht erst jetzt mit freiem Auge so richtig wahrnimmt.

Dabei erreichen die Sonnenstrahlen über die Nordpol-Kuppe hinweg die internationale Raumstation in 400 Kilometer Höhe noch, während es auf der Erde darunter schon lange dunkel ist. Ähnlich wie bei den Berggipfeln der Alpen, die noch im Abendrot glühen, während im Tal schon der Nachtschatten für Abkühlung sorgt.

NASA-Astronaut Edward Lu beim Fitnesstraining auf der Raumstation ISS
Picture by NASA

Etwas mehr als 90 Minuten braucht die Station, um die Erde einmal zu umkreisen, nur tut sie das in unterschiedlichen Winkeln, sodass sie nicht bei jeder Umrundung gleich gut zu entdecken ist. Über Österreich erscheint die ISS aber jedenfalls immer aus annähernd westlicher Richtung.

Heute, Sonntagabend, zum Beispiel quert die Raumstation um circa 22.11 Uhr bei klarer Sicht sechs Minuten lang den Nachthimmel 400 Kilometer über Europa und deutlich heller als die Sterne über Österreich. Ein zweiter Überflug findet um 23.47 Uhr statt, der aber nicht mehr ganz so gut, am besten allerdings noch im Westen Österreichs zu beobachten sein wird.

Der Vorarlberger Raumfahrt-Ingenieur Richard Huber hat das Phänomen schon öfter beobachtet: "Vor allem, wenn man die Raumstation noch nie gesehen hat, ist es ziemlich eindrucksvoll. Wichtig ist dabei, dass man seine Uhr genau gestellt hat. Obwohl die ISS über Vorarlberg ein paar Sekunden früher als über Wien erscheint, dürfte es dann kein Problem geben. Wichtig ist auch, dass man die Augen für etwa zwei Minuten sich an den dunklen Himmel gewöhnen lässt, und es hilft, wenn man gemeinsam, also als Gruppe, nach dem hellen Licht Ausschau hält."

NASA-Astronaut Edward Lu und Kosmonaut Yuri Malenchenko beim Verladen von Proviant und Nachschub auf der Raumstation ISS
Picture by NASA

Besonders gut ist die Raumstation natürlich bei wolkenlosem Himmel zu beobachten. Und etwas Phantasie kann das Erlebnis durchaus noch aufwerten. Man braucht sich nur vorzustellen, dass jetzt in diesem Augenblick die beiden Astronauten Edward Lu (USA) und Yuri Malenchenko (Russland) an Bord dieses hellen Lichtpunktes sind. Laut NASA-Zeitplan haben sie zum Zeitpunkt des Österreich-Überflugs am Sonntag gerade ihr eintöniges Weltraum-Abendessen hinter sich und machen sich nach einem langen Tag voller Experimente fertig zum Schlafengehen. Sie sind schon seit April dort oben und müssen noch bis voraussichtlich Ende Oktober aushalten, wenn sie von der nächsten Crew mit dem Spaceshuttleabgelöst werden.


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© Eine Reportage von T. Micke (27-07-03) – Kontakt