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Die Hummel: Ein fliegender Mehlsack?

Seit Jahren grübeln Flugexperten über die Hummel. Grund: Mit ihrem dicken Hintern und den kleinen Flügeln kann sie nach den Regeln des Flugzeugbaus eigentlich gar nicht fliegen. Warum sie es dennoch tut, wurde jetzt geklärt.



Wie macht das die Hummel? Nach den Regeln der Flugzeug-Aerodynamik ist sie zu plump und zu schwer zum Fliegen
Picture by T. Micke

Wenn am Ostersonntag, vielleicht bei schönem Wetter zu Frühlingsbeginn die eine oder andere Hummel im Garten über Narzissen und Tulpen hinwegbrummt, ist es interessant zu wissen, was für erstaunliche Tierchen diese entfernten Cousinen der Honigbiene sind.

Nicht etwa wegen ihres Pelzes, sondern weil sie mit ihren vibrierenden Brustmuskeln Wärme erzeugen kann, ist die Hummel im Frühjahr schon ab frostigen zwei Grad unterwegs und damit oft der erste Besucher bei Schneeglöckchen und Krokus im Gegensatz zur Biene, die erst bei acht Grad Betriebstemperatur erlangt.

Und obwohl sie keine Nahrungsvorräte anlegen, die der Mensch als Honig ernten kann, sind Hummeln, deren Völker bis zu 600 Tiere umfassen, noch auf eine andere Art die besseren Bienen: Sie können nämlich mit ihren Flügeln den Blütenkelch so zum Erzittern bringen, dass der festsitzende Pollen heraus auf die Nachbarblüten geschüttelt wird. Speziell Tomaten und Erdäpfel werden so meist vom Wind bestäubt. Aber an Glashauspflanzen kommt der Wind nicht heran. Statt also Gewächshaustomaten aufwändig mit eigenen Befruchtungsvibratoren fit zu schütteln, setzen viele Gärtner gezielt Hummeln ein, die mit ihrer Spezialtechnik den Job des Windes erledigen.

Aber nicht nur bei Pflanzenzüchtern, sondern auch unter NASA-Flugingenieuren genießt der pummelige Brummer mit dem passenden lateinischen Namen "bombus" große Achtung. Wendet man nämlich die bekannten Gleichungen aus dem Flugzeug- und Drachenbau an, nach denen ein Objekt mit einer bestimmten Masse und einer bestimmten Flügelgröße genügend Auftrieb erzeugen kann, dass es fliegt, so müsste die Hummel leider am Boden bleiben. Unter den rätselnden Experten hieß es oft selbstironisch: Ein Glück, dass die Hummel nichts von unserer Aerodynamik versteht, sonst müsste sie wohl von Blüte zu Blüte krabbeln...

Forscher der englischen Universität von Bath haben nun im Labor mit Superzeitlupentechnik und vielen Flugmodellen den Beweis erbracht, dass die Hummel sehr viel mehr von Aerodynamik versteht als der Mensch. Und das schon seit mehr als 100 Millionen Jahren.

Prof. Ismet Gursul im Interview: "Im Gegensatz zu Flugzeugen aber auch im Gegensatz zur Flug- und Gleittechnik großer Vögel, kreieren Hummeln mit ihren teilweise sehr flexiblen Flügeln winzig kleine, aber sehr extreme Luftwirbel, die derart viel Auftrieb erzeugen, dass auch die dickste Hummel abhebt." Diese Hummeltechnik der Natur ist dann besonders effizient, wenn es um sehr kleine Flugobjekte geht. Deshalb ist die Hummel bei den Flugingenieuren von NASA & Co. nicht nur lustiges Stammtisch-Thema, sondern könnte auch zum natürlichen Vorbild für fliegende Marsroboter oder höchst manövrierfähige daumenlange Beobachtungsdrohnen im radioaktiven Teil von Atomkraftwerken werden.

Aber wie lange es dauert, bis so ein unbegabter Roboter den schwierigen Hummelflug "vom Blatt spielt", weiß wohl nur der große "Komponist" selbst.


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© Eine Reportage von T. Micke (08-04-07) – Kontakt