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Blatt-Farben im Herbstlaub: Schluss mit Grün!

Prächtig sind sie anzusehen, die Herbstbäume mit ihren Blättern in Gelb und Rot. Erstaunlich: Bis heute ist nicht ganz klar, was die Natur mit diesem Farbenspiel bezweckt.



Die Bestandteile des Blattgrüns Chlorophyll werden im Herbst vom Baum zurückgewonnen
Picture by T. Micke

Der Herbst ist im Land. Im Wald duftet es nach Laub, und was sich davon noch auf den Bäumen hält, schillert im Sonnenlicht in allen Schattierungen von hellgelb bis dunkelrot. Ein Farbenspiel, das den Herbst zu einer wunderschönen Jahreszeit macht und unterwegs beim Spaziergang nicht nur Kinder jedes Jahr die gleiche, schwer beantwortbare Frage stellen lässt: "Warum werden die Blätter im Herbst bunt?"

Beruhigend ist, dass selbst die Experten dieses Fachs, wie der Botaniker Dr. David Lee von der International University in Florida, darauf keine schnelle Antwort parat haben. Bis vor zirka sieben Jahren waren sich noch alle ziemlich einig, amüsiert sich der Professor im Interview: "Denn was man nicht weiß, darüber kann man schließlich auch nicht diskutieren." Und so lautete bis zur Jahrtausendwende die übliche Antwort: "Die Blätter verfärben sich, weil das Blattgrün weggeht. Der Rest ist eine Spielart der Natur". Und das stimmt eben nur zur Hälfte, weil die Natur nichts einfach nur so zum Spaß macht.

Wenn die Tage kürzer werden, beginnen sich die Bäume in unseren Breiten auf den Frost vorzubereiten. Ähnlich wie jemand, der sein "Sommerhäuschen" winterfest macht und dazu das Wasser abdreht, die Lebensmittelvorräte mitnimmt und die Fensterläden dicht macht. Der Baum hat im Sommer viel investiert in sein Wachstum und dabei wertvolle Rohstoffe bis in die letzten Blattspitzen entsandt, wo sie als Bausteine von Chlorophyll – dem wertvollen Blattgrün – dafür sorgen, dass der Baum Sonnenlicht, Wasser und CO2 in Zucker umwandeln kann. In erster Linie ist es Stickstoff und Magnesium, das der Baum aus seinem Sommerhäuschen in den Blattspitzen einwintern will. Zwei Substanzen, die für ihn schwer zu bekommen sind. Er braucht sie zur Herstellung von Proteinen und Blattgrün im nächsten Frühling. Wenn also das Grün im Herbst aus den Blättern weicht, dann deshalb, weil das Chlorophyll in seine Einzelteile zerlegt und zum Recycling in den Stamm und die Äste abtransportiert wird. Weltweit sind es mehr als eine Milliarde Tonnen Blattgrün, die jedes Jahr auf diese Weise "verschwinden".

Anthozyane sorgen im sonnigen, kalten Herbst für rote Blätter
Picture by T. Micke

Was dann sichtbar wird, sind großteils Farbstoffe, die auch im Sommer in den Blättern sind, nur vom intensiven Grün überdeckt werden. Karotin zum Beispiel, wie man es in ähnlicher Form aus Bräunungscremes kennt, lässt dann die Blätter gelb leuchten. Anders ist das mit der Farbe Rot. Die gibt den Forschern bis heute Rätsel auf. Erst kürzlich fand man heraus, dass der Baum diese Farbstoffe (Anthocyane) im Herbst extra produziert, und das ausgerechnet in der Phase, in der er eigentlich beim Rohstoffhamstern und Reservensammeln ist. Rot taucht besonders dann in Baumblättern auf, wenn der Herbst sonnig und kalt ist. Der vermutete Grund: Das Blatt kann die Energie des grellen Sonnenlichts nicht mehr mithilfe von Chlorophyll verarbeiten, weil dieses ja gerade zerlegt und abgebaut wird, und riskiert so eine Schädigung der Zellen. Der rote Farbstoff – so vermutet man – verhindert das. Er dient als Schutz während des heiklen Einwinterungsprozesses.

Prof. Dr. Helga Königshofer, Pflanzenphysiologin an der Boku in Wien: "Anthozyane sind so genannte Radikalfänger. Sie liefern auch die Farbe in Blau- und Brombeeren. Und sie verhindern im Blatt, wie auch im menschlichen Körper, schädigende Reaktionen."

Am Ende der "Einwinterung" wirft der Baum schließlich seine Blätter ab, damit er im Winter nicht verdurstet. Bei einem Laubbaum verdunsten im Sommer gut 100 Liter Wasser pro Tag über die Blätter. Nachschub holt er sich aus dem Boden. Würde der Baum seine Blätter auch im Winter behalten, dann müsste er vertrocknen, weil er aus dem gefrorenen Boden nicht genug Wasser bekommt.

Immergrüne Nadelbäume, die ihre Nadel-Blätter über Jahre behalten, lösen dieses Problem anders. Prof. Königshofer: "Die eingerollten Nadeln haben bei weitem nicht so eine große Oberfläche, deshalb verdunstet auch nicht so viel Wasser. Außerdem nützen diese Bäume einen gefinkelten Trick: Ihre Blätter sind mit einem schützenden Wachs überzogen."


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© Eine Reportage von T. Micke (28-10-07) – Kontakt