Die Nachlese

Reportagen und Berichte mit der Keyword-Search suchen... Gegründet 1999 als "Die Nachlese"

ARCHIV INDEX
- Servus-Magazin

- Abenteuer/Reise
- Allgemeinwissen
- Astronomie/Weltall
- Forschung/Hitech
- Fun Stuff/Verrücktes
- Gesund/Umwelt
- Historisches/Antike
- Hobby/Kochen
- Pflanzen/Tiere
- Politik/Wirtschaft
- Sport/Extremsport
- Testautos/Autotests

- Fotos/Bild-Archiv

Translation

Traduction


- Weltbildung-Weblog
- Coole Surftipps
- Über Welt-Bildung
- FAQs/Leserbriefe
- Home/Startseite


Hawking: Ein Schwarzes Loch im Kinderzimmer

Astrophysik-Großmeister Stephen Hawking hat gemeinsam mit seiner Tochter Lucy ein Buch für Kinder geschrieben. Eines, das auch Eltern lesen sollten, um erklären zu können, was ein Schwarzes Loch mit einem Schwein gemeinsam hat...



Quint Buchholz illustrierte die deutsche Version des Hawking-Kinderbuchs Der geheime Schlüssel zum Universum
Picture by Quint Buchholz

Es gibt Bücher, die hat man gerne im Wohnzimmerregal stehen, weil sie dort eine gute Figur machen. Stephen Hawkings "Das Universum in der Nussschale" gehört dazu. Der weltberühmte, an einer unheilbaren Nervenkrankheit leidende britische Astrophysik-Professor hatte das Buch vor ein paar Jahren geschrieben, um dem "Normalbürger von der Straße" die Faszination seines hochkomplizierten Fachgebiets in einfachen Worten näher zu bringen. Und es gibt bestimmt unzählige "Normalbürger" (inklusive dem Autor dieser Zeilen), die Hawkings Bestseller begeistert angelesen haben. Aber ihn bis zur letzten Zeile zu verstehen? Das ist tatsächlich eine mehr als harte Nuss!

Einen, für den so Unbegreifliches wie Antimaterie, Quantengravitationseffekte und vereinheitlichte Stringtheorien das tägliche Brot sind, kann das keine Ruhe lassen. Und so stellte sich Stephen Hawking einer der größten Herausforderung, der sich ein Professor am Institut für Theoretische Physik und Angewandte Mathematik an der Elite-Uni Cambridge (kurz: ein Experte für wirklich komplizierte Formulierungen) vermutlich stellen kann: Er schrieb gemeinsam mit seiner Journalisten-Tochter Lucy ein wissenschaftliches Abenteuerbuch für Kinder.

In "Der geheime Schlüssel zum Universum" entdecken der Bub George und das freche Nachbarsmädchen Annie den Weltraum für sich, reiten auf Kometen durch fremde Galaxien, machen sich auf die Suche, nach erdähnlichen Planeten, lernen die Wurzeln des Lebens kennen, erleben die gefährlichen Kräfte, die bei einer Sternenexplosion frei werden und retten einen übereifrigen Forscher aus den Klauen eines Schwarzen Lochs.

Astrophysiker Stephen Hawking mit seiner Tochter Lucy bei der Arbeit am Kinderbuch Der geheime Schlüssel zum Universum
Picture by T. Micke

"Geht das denn? Ist es nicht so, dass einem Schwarzen Loch nicht einmal ein Lichtstrahl entkommen kann?" fragen die zwei Kinder gemeinsam mit ihren Lesern. Und wecken mit solchen "Weltraumabenteurer-Problemen" genau jene Neugier, mit der Kinder (und Erwachsene) spielend lernen.

Bei einem Besuch bei Stephen Hawking meinte der Professor im Interview: "Oft werden solche Kinderfragen zur Natur der Dinge als ,dumm' abgetan, weil die Erwachsenen die Antwort selber nicht wissen." Und so erklären die Hawkings in ihrem Buch viele dieser Dinge ganz hervorragend: "Den Rand eines Schwarzen Lochs nennt man Horizont. Er ist wie der Rand eines Wasserfalls. Solange ihr noch davor seid, könnt ihr entkommen, wenn ihr kräftig genug paddelt. Aber sobald ihr über den Rand kippt, seid ihr verloren. Je mehr Zeug in ein Schwarzes Loch fällt, desto größer wird es. Es ist, als würdet ihr ein Schwein füttern. Je mehr ihr es füttert, desto fetter wird es..."


Wie es sich für ein Kinderbuch unter der Regie eines renommierten Naturwissenschafters gehört, wird auch nicht Hogwarts-mäßig gezaubert, um dem Schwerkraft-Tod zu entrinnen. Die Hawkings bemühen stattdessen die neuesten Erkenntnisse und Theorien der Astrophysik (die ohnehin klingen, als wären sie Zauberei). Und so fehlt natürlich auch die von Stephen Hawking vor Jahren berechnete "Hawking-Strahlung" nicht, die bei Schwarzen Löchern ein physikalisches Hintertürchen öffnet.

Ganz so spielerisch leicht wie die Verbindung von Naturwissenschaft und Abenteuergeschichte in diesem Buch wirkt, dürfte die Entstehung allerdings nicht gewesen sein. Lucy Hawking schmunzelnd: "Mein Vater und ich hatten jede Menge Meinungsverschiedenheiten. Er ist ein brillanter Kopf und schaltet schneller als alle Menschen, die ich kenne. Aber in manchen Dingen ist er ziemlich stur. Dafür sind wir uns bei dieser gemeinsamen Herausforderung als Tochter und Vater wieder näher gekommen."


< Zurück zu Allgemeinwissen

© Eine Reportage von T. Micke (15-09-07) – Kontakt