Die Nachlese

Reportagen und Berichte mit der Keyword-Search suchen... Gegründet 1999 als "Die Nachlese"

ARCHIV INDEX
- Servus-Magazin

- Abenteuer/Reise
- Allgemeinwissen
- Astronomie/Weltall
- Forschung/Hitech
- Fun Stuff/Verrücktes
- Gesund/Umwelt
- Historisches/Antike
- Hobby/Kochen
- Pflanzen/Tiere
- Politik/Wirtschaft
- Sport/Extremsport
- Testautos/Autotests

- Fotos/Bild-Archiv

Translation

Traduction


- Weltbildung-Weblog
- Coole Surftipps
- Über Welt-Bildung
- FAQs/Leserbriefe
- Home/Startseite


Highway One per Bike: Westentaschen-Rebellen

Acht Harley-Davidson-Fahrer machen den legendären Highway Nr. 1 von Los Angeles nach San Francisco unsicher. Eine Erlebnis-Tour zwischen zartblühender Landschaft und coolen Typen.



Harley Davidson und Vollbart sind nur geborgt
Picture by T. Micke

Acht fette Harley-Davidson-Motorräder im Konvoi auf der Suche nach Highway 1 verursachen schon mit Standgas im Leerlauf im Nobel-Viertel Beverly Hills ein Erdbeben, dass selbst der "Lakers"-Fan mit dem aufgemotzten "Chevy Suburban" und dem Wunschkennzeichen "Mr. Ice" neben uns auf der Überholspur sein Hiphop-Konzert leiser stellt, um dem Chrom-Ensemble aus "Softtails", "E-Glides" und "Road Kings" beim mehrstimmigen Donnergrollen zu lauschen.

"That's Rock 'n' Roll, Baby!", ruft uns entzückt ein Obdachloser zu, der gerade einen Einkaufswagen, hochbeladen mit leeren Aludosen über die Kreuzung beim Rodeo Drive schiebt. Und als endlich die Ampel auf Grün springt und keiner von uns in der ersten Aufregung beim Anfahren seine Leihmaschine abgewürgt hat, ist die Urlaubswelt der Westentaschen-Rebellen perfekt.

Frühstück am Strand von Santa Monica, wo die "Baywatch"-Jungs gerade per Bulldozer den Sand bilderbuchglatt kämmen. Dann wird der "Pacific Coast Highway" nach Norden unter die Räder genommen bis zum Harley-Treff "Neptune's Net" in Malibu.

Biker unter sich beim Hamburger-Vertilgen. Wenn die finsteren Vollbart-Brüder am Nebentisch wüssten, dass die meisten von uns daheim höchstens zum Wochenende mit japanischen "Joghurtbechern" auf ein Safterl zur "Kalten Kuchl" hinaufdüsen...

Ein bisschen falsch komme ich mir vor. Darf man sich als Urlauber so ungeniert und ungestraft den amerikanischen Traum überstreifen und Easy Rider spielen? Aber die Sorge ist unbegründet, wahre Biker-Seelen teilen ihren Highway mit anderen: "From Austria??? – Cool, guys!" Die zwei sind richtig stolz darauf, dass wir den weiten Weg nach Kalifornien gemacht haben: "Have fun, viel Spaß! Highway 1 ist toll. Besonders oben zwischen Big Sur und Monterey."

Schon in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts war Harleyfahren Kult
Picture by T. Micke

Kaliforniens Pazifikküste ist prachtvoll im Frühling. Der Duft von Eukalyptus vermischt sich beim gemächlichen Dahingleiten mit dem des Meeres, an den Steilklippen, über denen die kurvige Straße spektakulär entlangführt, blühen gelber Mohn, Coreopsis und weiße Senfblumen, kleine Pelikane segeln im Formationstiefflug die Wellenkämme entlang. Und wenn man für einen Strandspaziergang zur Elefantenrobben-Kolonie bei "Piedras Blancas" den zugedröhnten Motorradohren eine Pause gönnt, setzen Eichelhäher und Fink in den Büschen zum Sanges-Solo an.

Grau- und Buckelwale kann man hier mit etwas Glück vor der Küste beobachten, und ein Stück landeinwärts hat sich William Randolph Hearst, ein US-Zeitungszar kurz nach der Jahrhundertwende, auf seiner Ranch bei San Simeon ein gigantisches Märchenschloss gebaut, das jeden Vergnügungspark der USA billig aussehen lässt.

Motorrad-Ausblick vom Highway One auf die Küste Kaliforniens
Picture by T. Micke

Knapp 1000 Kilometer sind es von Los Angeles bis San Francisco, wenn man sich Zeit nimmt und die Autobahn, den "Freeway 101", so oft wie möglich zum Beispiel für ein paar malerische Nebenstraßen durch die berühmten "Red Woods" verlässt. Wer Lust hat, kann dann natürlich den Motorrad-Erlebnistrip zwischendurch zur Kultur-Reise machen und sich in Montereys "Cannery Row" und im malerischen Carmel auf die Spuren von John Steinbecks Sandler-Märchen "Straße der Ölsardinen" begeben. Oder einen Zwischenstopp bei der 1786 gebauten Mission in Santa Barbara einlegen, wenn einen die bewegte Geschichte Kaliforniens zwischen Indianern und ersten weißen Siedlern mehr interessiert als die Fachsimpelei echter Harley-Freaks in den Biker-Bars über "Knuckleheads" und alte Kickstart-Techniken.

Körpersprache eines Harley-Bikers will gelernt sein
Picture by T. Micke

Praktisch wäre, wenn man als Gruppe eventuell ein Motorrad weniger mietet und dafür einen Mini-Van dazunimmt, der als Begleitfahrzeug das Gepäck mit ins nächste Hotel transportiert, und beim Autofahren kann man sich ja abwechseln, damit keiner auf den Harleys zu kurz kommt.

Absolut krönend ist dann natürlich als Abschluss eine Fahrt über die Golden-Gate-Brücke in San Francisco, und wer sich wirklich von Anfang bis Ende der Reise nicht rasiert hat, der kann dann vielleicht schon auf ein zünftiges Biker-Bärtchen verweisen...

Harleys in Topzustand für den Traumurlaub auf Highway One gibt es in Los Angeles bei Eagle Rider.


< Zurück zu Reise/Abenteuer

© Eine Reportage von T. Micke (28-04-02) – Kontakt