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Hallenklettern: Schwindelfrei bis unters Dach

Wenn es kalt wird auf den Bergen und der erste Schnee fällt, ziehen sich die Kletterer zum Trainieren in die Hallen zurück. Ein Spaß für die ganze (sportliche) Familie, bei dem man die eigenen Grenzen kennen lernt.



Jüngling in der Kletterwand
Picture by T. Micke

Auf den ersten Blick sehen die 15 Meter hohen Wände in der "Climbing City" auf dem Wiener Messegelände ein bisschen wie die Fassaden eines weihnachtlich geschmückten Shoppingcenters aus: Überall in Ostösterreichs größter Kletterhalle hängen aluminiumglänzende Karabiner wie Lametta von der Höhe: silberne, blaue, rote, lilafarbene. Dazwischen abenteuerlich geformte, kunterbunte Gebilde, die wie die Adventgebäcks-Versuche einer Volksschulklasse anmuten: braune Vanillekipferln, rote Zimtschnecken, grün gefärbte Marzipan-Rosetten, angebrannte Lebkuchenkringel. – Auf manchen scheint sogar Staubzucker zu kleben...

"Das ist Magnesiumpulver", amüsiert sich Geschäftsführer Michael Hailegger. "Damit reiben sich die Kletterer die Hände ein, damit sie nicht so leicht abrutschen."

Zu bezwingen gibt es hier alles, was das Kletterherz begehrt: Pyramiden der Schwierigkeitsstufe 3 für Einsteiger und zum Aufwärmen für Fortgeschrittene. Senkrechte Wände bis unters Hallendach mit riesigen leicht zu greifenden "Henkeln" (Schwierigkeitsstufe 3 bis 6), gleich daneben, in einer anderen Farbe, daumengroße Nopperln für die Könner, die nur noch mit den Zehenspitzen und den Fingerkuppen in schwindelnde Höhen hinaufturnen. Und zu guter Letzt balkonartige Überhänge, bei denen man sich als Laie vom Boden aus wirklich fragt, ob die Burschen und Mädeln, die hier wie die Fledermäuse von der Zwischendecke baumeln, irgendwo heimlich Saugnäpfe am Bauch montiert haben (bis Schwierigkeitsstufe 9+).

Die Hauptsaison beginnt in Österreichs Kletterhallen etwa ab Ende September und dauert bis circa Ende Mai, je nachdem, wie lange der Schnee in den Bergen liegt.

"In dieser Zeit kommen auch eingefleischte Naturfreaks zu uns", erzählt Michael Hailegger. Für ihn ist Hallenklettern allerdings keine winterliche Notlösung des Freiluftsports: "In der Natur klettern oder unterm Hallendach – das kann man überhaupt nicht vergleichen. Das sind wirklich zwei verschiedene Disziplinen. Und beides hat seinen besonderen Reiz."

Der Einstieg für Neulinge in die senkrechte Hallenweit ist erstaunlich einfach und mit durchschnittlich 7 bis 12 Euro pro Nachmittag oder Abend nicht teurer als ein Kinobesuch mit Abendessen.

Robert Renzler, Innsbrucker Referent des Österreichischen Alpenvereins und Organisator des letzten Kletterweltcups in der Wiener Stadthalle: "Kletterschuhe und Gurtzeug gibt es in allen großen Hallen, wie etwa im neuen Kletterzentrum beim Innsbrucker Tivoli-Stadion, zum Ausborgen. Und fast überall werden jetzt speziell im Winter und rund um die Schulferien Schnupperkurse für Anfänger angeboten, in denen Grundbegriffe wie die richtige Seilsicherungstechnik beigebracht werden."

Vom gesundheitlichen Standpunkt kann der neue alte Winter-Trendsport nur empfohlen werden. Hallenklettern ist weitaus gelenkeschonender als etwa Tennis, Squash oder Fußball. Man trainiert sämtliche Muskelpartien von den Zehenspitzen bis zum Nacken und verbessert die Körperbeherrschung, geht es doch darum, sich möglichst präzise und dadurch kraftsparend zu bewegen.

Viele Firmen schicken ihre Mitarbeiter auch gerne im Rahmen von Bewusstseinsschulungen und Teamworkseminaren zum HaIlenkraxeln, weil der Kletternde nicht nur die eigenen Ängste, Hemmschwellen und Belastungsgrenzen kennen lernt, sondern auch lernen muss, dem Partner auf dem Boden zu vertrauen, der ja für das Sichern zuständig ist und beim anschließenden Abseilen buchstäblich ein Leben in Händen hält.

Kletterhallen und -wände gibt es mittlerweile flächen-deckend in ganz Österreich. Auskünfte dazu erteilt zum Beispiel der österreichische Alpenverein (Wien: 01/ 513 10 03, Innsbruck: 0512/397-34-0).


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© Eine Reportage von T. Micke (25-11-01) – Kontakt