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Transplantation: Haare, die wie Gras wachsen

Haarig wie ein Äffchen? Danke, nein! Aber auf dem Kopf, da sollte es schon voll sein, das Haar. Wiener Forschern ist es jetzt weltweit erstmals gelungen, komplette menschliche Haare aus Stammzellen zu züchten. Eine echte Sensation – nicht nur für Glatzköpfe.



Dr. Walter Krugluger ist es erstmals weltweit gelungen, menschliche Haare zu züchten
Picture by Moser Medical Group

Zwei nach links, drei nach rechts. Oder doch umgekehrt gekämmt? Über schwachen Haarwuchs brauchen sich Goldene Stumpfnasenäffchen und andere Verwandte des Menschen nicht zu beklagen. Nur der Homo Sapiens ist bis auf wenige Körperstellen weitgehend unbehaart und neigt dazu (vor allem die "Männchen"), am Kopf irgendwann durch eine Glatze zu glänzen.

So "normal" dies heutzutage scheint, so wenig weiß die Wissenschaft, warum das so ist. Die meisten Forscher gehen davon aus, dass die Vorfahren des Menschen ihre dichte Körperbehaarung verloren haben, weil sie sie einfach nicht mehr gebraucht haben. Wahrscheinlich – sagen die Experten – war es sogar so, dass die "Nackten" einen Vorteil gegenüber den "Haarigen" hatten und sich deshalb durchsetzten. Vielleicht litten Sie nicht so unter dem wärmer werdenden Klima und konnten daher länger und ausdauernder jagen?

Eine neue Theorie vermutet sogar, dass wir dem Haarausfall unseren aufrechten Gang verdanken: Die Babys unserer frühen, umherziehenden Vorfahren hätten sich irgendwann nicht mehr am dünner werdenden Fell ihrer Mütter festklammern können. Die Mütter hätten daraufhin ihre "Vorderbeine" benötigt, um den Nachwuchs festzuhalten und dadurch die Fortbewegung nur noch den "Hinterbeinen" überlassen.

Ganz so folgenschwer ist Haarverlust heutzutage nicht. Viele Frauen finden Glatze sogar besonders sexy, weshalb Glatzenträger – rein wissenschaftlich gesehen – auch nicht vom Aussterben bedroht sind...

Menschliche Haare werden aus dem Haarkranz entnommen, kurz als sogenannte Grafts in Nährlösung gelagert und dann an der kahlen Stelle wieder eingesetzt
Picture by Moser Medical Group

Dennoch versucht seit vielen Jahren ein Heer von Forschern dem Haarausfall ein Schnippchen zu schlagen. Man weiß, dass die Haare in der Mitte des Kopfes deshalb zum Ausfallen neigen, weil sie schlechter mit Hormonen umgehen, mit denen sie vom Körper versorgt werden, als jene, die oberhalb der Ohren und des Nackens (Haarkranz) wachsen. – Eine Eigenwilligkeit der Natur, die auf die Formveränderungen des erst mehrere Wochen alten Embryos im Mutterleib zurückgeht. Deshalb führen Verpflanzungen aus diesem Haarkranz wirklich zu dichtem Haar, das nicht gleich wieder schwindet.

Institute und Kliniken wie die Wiener "Moser Medical Group" führen solche Eingriffe mittlerweile mit hoher Perfektion durch: Bis zu 15 Assistenten sind dabei im Einsatz, weil auch ein Haar mitsamt Wurzel und dem umgebenden Follikel ein kompliziertes Organ ist, das durch Unterversorgung sterben kann. Der größte Nachteil der Prozedur, bei der in einer mehrstündigen Sitzung bis zu 3500 Haar-Einheiten "versetzt" werden können: Die tatsächliche Anzahl der Haare am Kopf wird dadurch nicht mehr, der "Kopfschmuck" wird nur gleichmäßiger verteilt.

Im Labor werden spezielle Nährlösungen hergestellt, die die Zucht von menschlichen Haaren ermöglichen sollen
Picture by Moser Medical Group

In der Forschungsabteilung der Moser Klinik ist nun dem Pathophysiologen Dr. Walter Krugluger eine Sensation gelungen, die weltweit Experten beeindruckt: Er und sein kleines Team haben es nämlich erstmals geschafft, aus Haarfollikel-Stammzellen im Labor neue Haare (komplett mit Haarfollikel und Wurzel) zu züchten. Dr. Krugluger im Interview: "Wenn es uns jetzt noch gelingt, diese Zellen auch direkt in der haarlosen Kopfhaut unserer Testpersonen zum Sprießen zu bringen, könnten Glatzen und Haarverpflanzungen Geschichte sein."

Dann wären die "sexy" Glatzenträger allerdings doch wieder vom Aussterben bedroht.


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© Eine Reportage von T. Micke (05-03-06) – Kontakt