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Hochhaus-Oasen: Leben im Grünen trotz Großstadt

Schon die Hälfte aller Menschen weltweit lebt in Städten. Umso wichtiger ist es, die Natur dorthin mitzunehmen. Spannende Konzepte für "Stadtoasen" werden auch bei uns in Östereich umgesetzt.



Auch Landwirtschaft soll in Zukunft in Großstadt-Häusern stattfinden können
Picture by Chris Jacobs

Wien - und mit seiner einzigen Millionenstadt eigentlich ganz Österreich - ist noch sehr gut dran: Es gibt reichlich Parkanlagen, wenige Straßenzüge, bei denen die Verkehrsflächen - wie die Experten sagen - völlig "versiegelt" sind. Und man hat schon Anfang des vorigen Jahrhunderts darauf geachtet, dass der wachsenden Anzahl von Stadtmenschen nicht der graue Beton über den Kopf wächst, wie Hanno Csisinko vom Büro von Wohnbau-Stadtrat Ludwig weiß: "Auf dem Gelände des ehemaligen Exerzierplatzes auf der Schmelz entstand ab 1918 auf 32.000 Quadratmetern eine Anlage mit vier Wohnblöcken. Die Mieter bekamen die Auflage, in den Kleingärten Obst und Gemüse anzubauen wegen der damaligen Lebensmittelknappheit." Heute, fast 100 Jahre später, besticht die sogenannte Maresch-Siedlung durch dieses "eingebaute" Grün.

Auch beim Umbau der vier Gasometer- Türme in Wien-Simmering wurden 1999 mutige Wege beschritten. In Turm D ermöglichte Architekt Wilhelm Holzbauer den Bewohnern eigene Grünflächen und Gärten im Inneren des Riesenzylinders. Von oben dringt aber nicht nur Sonnenlicht (wie bei einem Glashaus) durch, sondern auch - dank offener Bauweise - Luft und Regen.

Anderswo, in Wolkenkratzer-Metropolen wie New York oder Toronto, beginnt man jetzt mit aufsehenerregenden Projekten das Prinzip von großstädtischen Grünflächen und üppigen Kleingärten (wie in Wien) auf utopisch anmutende Weise auszubauen.

In Manhattan plant Univ.- Prof. Dickson Despommier leerstehende Wolkenkratzer in "senkrechte Plantagen" umzufunktionieren. Und auch in Toronto sollen auf vierzig und mehr Stockwerken Äpfel, Orangen, Erdbeeren, aber auch Mais, Gerste und Weizen wachsen. Sonnenlicht kommt in den oberen Etagen durch die Fenster. Klimaanlagen sorgen für die perfekte Temperatur und Feuchtigkeit der von Schadstoffen gereinigten Luft. Und abgesehen davon, dass die Abnehmer für die "City-Fruits" gleich vor Ort einkaufen können, soll das Projekt trotz Innenstadt- Mietpreisen - laut dem US-Umweltforscher - sogar gewinnbringend sein.

Designer entwerfen Hochhäuser, in denen Pflanzen gedeihen
Picture by Chris Jacobs

Theorie und Praxis sind freilich zwei Paar Schuhe. Vor allem wenn der Mensch glaubt, uralte Naturprinzipien einfach abkupfern zu können. Denn diese Hochhaussysteme wären - im Gegensatz zum Gasometer- Konzept - abgeschlossen von der Außenwelt. Ob und wie die Pflanzen in solchen "Hardcore-Gewächshäusern" gedeihen, ist abzuwarten. Schließlich betreibt sogar die NASA mit nur mäßigem Erfolg "Gemüse- Experimente" für Siedlungen auf dem Mond oder monatelange Reisen durchs All: Ein abgeschlossenes Ökosystem muss sich selbst erhalten und sollte außerdem "Gewinn" in Form von Ernten oder zumindest sauberer Atemluft abwerfen können. Aber das empfindliche Gleichgewicht, das in der Natur herrscht, scheint nicht so einfach nachzubauen zu sein. Ein solches, 1990 gestartetes Projekt namens "Biosphere 2", komplett mit Regenwald, Wüste und Savanne, war trotz Investitionen von mehr als 150 Millionen Dollar zum Scheitern verurteilt, weil sich Schädlinge ungebremst ausbreiteten und die Atemluft knapp wurde. Wir scheinen also doch trotz all unseren Wissens auf die Erhaltung und den Schutz von Mutter Natur angewiesen zu sein. - Und das ist gut so.


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© Eine Reportage von T. Micke (08-06-08) – Kontakt