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Wien - und mit seiner einzigen
Millionenstadt eigentlich ganz
Österreich - ist noch sehr gut dran:
Es gibt reichlich Parkanlagen, wenige
Straßenzüge, bei denen die Verkehrsflächen
- wie die Experten sagen -
völlig "versiegelt" sind. Und man hat
schon Anfang des vorigen Jahrhunderts
darauf geachtet, dass der wachsenden
Anzahl von Stadtmenschen
nicht der graue Beton über den Kopf
wächst, wie Hanno Csisinko vom Büro
von Wohnbau-Stadtrat Ludwig
weiß: "Auf dem Gelände des ehemaligen
Exerzierplatzes auf der
Schmelz entstand ab 1918 auf 32.000
Quadratmetern eine Anlage mit vier
Wohnblöcken. Die Mieter bekamen
die Auflage, in den Kleingärten Obst
und Gemüse anzubauen wegen der
damaligen Lebensmittelknappheit."
Heute, fast 100 Jahre später, besticht
die sogenannte Maresch-Siedlung
durch dieses "eingebaute" Grün.
Auch beim Umbau der vier Gasometer-
Türme in Wien-Simmering
wurden 1999 mutige Wege beschritten.
In Turm D ermöglichte Architekt
Wilhelm Holzbauer den Bewohnern
eigene Grünflächen und Gärten im Inneren des Riesenzylinders. Von
oben dringt aber nicht nur Sonnenlicht
(wie bei einem Glashaus) durch,
sondern auch - dank offener Bauweise
- Luft und Regen.
Anderswo, in Wolkenkratzer-Metropolen
wie New York oder Toronto,
beginnt man jetzt mit aufsehenerregenden
Projekten das Prinzip von
großstädtischen Grünflächen und
üppigen Kleingärten (wie in Wien)
auf utopisch anmutende Weise auszubauen.
In Manhattan plant Univ.-
Prof. Dickson Despommier leerstehende
Wolkenkratzer in "senkrechte
Plantagen" umzufunktionieren. Und
auch in Toronto sollen auf vierzig
und mehr Stockwerken Äpfel, Orangen,
Erdbeeren, aber auch Mais,
Gerste und Weizen wachsen. Sonnenlicht
kommt in den oberen Etagen
durch die Fenster. Klimaanlagen
sorgen für die perfekte Temperatur
und Feuchtigkeit der von Schadstoffen
gereinigten Luft. Und abgesehen
davon, dass die Abnehmer für die
"City-Fruits" gleich vor Ort einkaufen
können, soll das Projekt trotz Innenstadt-
Mietpreisen - laut dem US-Umweltforscher
- sogar gewinnbringend
sein.
Theorie und Praxis sind freilich
zwei Paar Schuhe. Vor allem wenn
der Mensch glaubt, uralte Naturprinzipien
einfach abkupfern zu können.
Denn diese Hochhaussysteme wären
- im Gegensatz zum Gasometer-
Konzept - abgeschlossen von der Außenwelt.
Ob und wie die Pflanzen in
solchen "Hardcore-Gewächshäusern"
gedeihen, ist abzuwarten.
Schließlich betreibt sogar die NASA mit nur mäßigem Erfolg "Gemüse-
Experimente" für Siedlungen
auf dem Mond oder monatelange
Reisen durchs All: Ein abgeschlossenes
Ökosystem muss sich selbst erhalten
und sollte außerdem "Gewinn"
in Form von Ernten oder zumindest
sauberer Atemluft abwerfen
können. Aber das empfindliche
Gleichgewicht, das in der Natur
herrscht, scheint nicht so einfach
nachzubauen zu sein. Ein solches,
1990 gestartetes Projekt namens "Biosphere
2", komplett mit Regenwald,
Wüste und Savanne, war trotz Investitionen
von mehr als 150 Millionen
Dollar zum Scheitern verurteilt, weil
sich Schädlinge ungebremst ausbreiteten
und die Atemluft knapp wurde.
Wir scheinen also doch trotz all unseren
Wissens auf die Erhaltung und
den Schutz von Mutter Natur angewiesen
zu sein. - Und das ist gut so.
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