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Die Macht der Gene

Al Capones kriminelle Energie, Mozarts Talent und eine übergewichtige Maus haben eines gemeinsam. Mit einem witzigen Bestseller hilft der österreichische Spitzenforscher Dr. Markus Hengstschläger, die ungerechte Welt der Gene und uns besser zu verstehen.



Bestseller von Markus Hengstschläger bei Ecowin-Verlag: Die Macht der Gene
Picture by Ecowin Verlag

"Man hat es. Oder man hat es eben nicht." – Wenn jetzt bei der neuen Staffel der ORF-Sendung "Starmania" wieder Badewannen-Carusos gegen Möchtegern-Madonnas antreten, wird man viel davon sprechen. Vom Talent, das die einen zu Stars macht und die anderen unbarmherzig zurück in die Badewanne verbannt.

Wenn Prof. Dr. Markus Hengstschläger, Genetiker am Wiener AKH, im Interview von diesem Talent spricht, dann meint er Gene. "30.000 bis 40.000 davon hat jeder von uns", erklärt der Forscher, der sich trotz seiner erst 38 Jahre in der päpstlichen Akademie als einer der wenigen "Hardcore-Wissenschafter" zum Beraterstab von Benedikt dem XVI. zählen darf, weil er in der Stammzellenforschung Weltruf genießt. "Und die verschiedenen Varianten dieser Gene können uns das Leben erleichtern oder schwerer machen. Man weiß heute, dass es Gene gibt, die Musikalität fördern, solche, die einen Menschen empfänglich für Religion oder Kriminalität machen oder ihm schon vor der Geburt die Basis zum perfekten Langstreckenläufer in die Wiege legen. Obwohl all das oft nur zum Vorschein kommt, wenn die Umwelt eine solche Veranlagung fördert."

Geahnt haben wir das immer schon und eben von "Begabung" gesprochen. Aber jetzt liefert die Forschung Beweise: Diese Gene haben eigene Namen, und viele lassen sich von Forschern im Labor gezielt beeinflussen. Während Skeptiker befürchten, dass es dann bis zur Horrorvision des maßgeschneiderten Genie-Kindes nicht mehr weit sein kann, sieht Prof. Hengstschläger die Vorteile für die Menschheit in seinem neu erschienenen, erstaunlich witzig geschriebenen Bestseller "Die Macht der Gene" woanders: "Stellen Sie sich vor, sie geben im Labor einen Tropfen Blut ab und bekommen für etwa 50 Euro schwarz auf weiß einen Leitfaden, welche Getreidesorte speziell bei ihnen Verdauungsprobleme verursacht, warum sie auf einer Party besser Bier statt Rotwein trinken sollten oder welche Kopfweh-Medikamente bei Ihnen beim ,Kater' tags darauf nicht wirken." Dann hätte auch das riskante Spiel der angedrohten Nebenwirkungen in Beipacktexten ein Ende: "In seltenen Fällen kann es zu Hautausschlägen, Haarausfall und Herzflattern kommen" betrifft nämlich nur Menschen mit ganz bestimmten Genvarianten, und die wären auf diese Weise vorgewarnt.

"Nutrigenomics" heißt dieser Forschungszweig, an dem vor allem in den USA fieberhaft gearbeitet wird. Fettleibigkeit wird dort ja inzwischen als Krankheit angesehen. Und dass der Markt für Mittel dagegen groß ist, sieht man schon an den teilweise haarsträubenden Diätplänen, die nun auch zu uns herüberschwappen.


Prof. Hengstschläger: "Wichtig ist so eine Gen-Speisekarte weniger für einen Allergiker, der schon Atemprobleme bekommt, wenn er nur an einer Haselnuss knabbert. Der kennt ja sein Problem, und die Reaktion seines Körpers ist nicht zu übersehen. Aber wenn es um Dinge geht, die wie schleichendes Gift wirken und oft viele Jahre brauchen, bis sie erkennbar werden, kann ein solcher Leitfaden sehr, sehr nützlich sein."

Einziger Wehrmutstropfen solcher Zukunftsaussichten: Auch mit so einem persönlichen Ernährungshoroskop wird dem Einzelnen wohl nicht die Entscheidung abgenommen, am Fastfood-Restaurant und am Süßigkeitengeschäft entschlossen vorbeizugehen.

"Die Macht der Gene", von Prof. Dr. Markus Hengstschläger, derzeit unter den Top 3 der österreichischen Bestsellerliste und teilweise vergriffen, erscheint im Ecowin-Verlag, ISBN-10: 3-902404-35-3, 19,90 Euro.


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© Eine Reportage von T. Micke (15-10-06) – Kontakt