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Koreas bemannte Raumfahrt: Ausgerechnet eine Frau...

Ganz Südkorea wird zu ihr aufschauen: Als erste "Botschafterin ihres Landes" wird die 29-jährige Wissenschafterin Yi So-Yeon ins Weltall zur Raumstation ISS fliegen. Die Entscheidung sorgt in ihrer Heimat für viel Aufregung, dabei war schon vor 45 Jahren die erste Frau im All.



Susan Helms war die erste Frau auf der Internationalen Raumstation ISS
Picture by NASA

Die alten Machos Clint Eastwood und Tommy Lee Jones zeigten in der Weltraum-Komödie "Space Cowboys" brusttrommelnd das Klischee vor: Wer ist der Härtere im Training? Wer wird in der Fliehkraft-Zentrifuge der NASA später bewusstlos? Wer ist der "ganzere" Mann?

Tatsächlich scheint das Astronautentum irgendwie auch heute noch in der Tradition der Lasso schwingenden Kautabak-Cowboys zu stehen. Während mit der Russin Valentina Tereschkowa schon 1963 – zwei Jahre nach dem ersten Mann (Juri Gagarin) – die erste Frau in den Weltraum flog, sind bis heute laut Statistik gerade einmal 20 Prozent der ausgebildeten Astronauten weiblich. Was nicht einmal heißt, dass zumindest diese 20 Prozent jemals mit einer Rakete abheben werden. Der Weltraum, eine echte Männerdomäne?

Kosmonautin Valentina Tereschkowa war 1963 die erste Frau im Weltraum
Picture by NASA

Nicht in Südkorea, wie es auf den ersten Blick scheint. Im Frühjahr 2008 gab die Koreanische Weltraumbehörde KARI die Entscheidung des Forschungs- und Erziehungsministeriums bekannt, mit der 29-jährigen Biotechnologin Yi So-Yeon eine Frau als "ersten Koreanischen Bürger in der Menschheitsgeschichte" in den Weltraum fliegen zu lassen. Yi überzeugte im harten Konkurrenzkampf gegen mehr als 36.000 Bewerber (und Bewerberinnen) in psychischen, aber auch in physischen Tests bis an die Grenze zur Bewusstlosigkeit. Ihr letzter Gegner, der 29-jährige ehemalige Boxer und Samsung-Computerspezialist Ko San, setzte sich allerdings selbst k.o.

Eigentlich stand er in der Poleposition, um am 8. April 2008 mit zwei russischen Kosmonauten für zehn Tage mit einer Sojus-Rakete zur Internationalen Raumstation ISS abzuheben. Yi wäre dann – wie schon bei vergangenen Fototerminen – entgültig die Rolle der höflich als Aufputz im Hintergrund lächelnden "Leider-nein"-Kandidatin zugekommen. Dagegen legten aber die Russen ihr Veto ein. Nicht etwa, weil sie als Vorreiter in Sachen Weltraum-Emanzipation und kosmischer Gleichberechtigung ein weiteres Zeichen setzen wollten, sondern weil Ko San zweimal "aus Versehen" ein geheimes, russisches Kosmonauten-Handbuch mitgehen ließ.

Leider kann man also nicht von einer begrüßenswert fortschrittlichen Entscheidung in der von Männern stark dominierten koreanischen Gesellschaft sprechen. Eher von einer politisch peinlichen Panne mit erfreulichen Folgen, die dennoch ein weltweit wichtiges Signal für die Gleichberechtigung setzt.

Yi, die nebenbei seit ihrem zwölften Lebensjahr passionierte Taekwondo-Kampfsportlerin ist, wird mit Sicherheit das Beste aus der unverhofften Situation machen. Schon lange vor der Entscheidung erklärte sie: Ich werde kämpfen, um Koreas erste Astronautin zu werden. "Ich will das Selbstbewusstsein der koreanischen Frauen stärken." Und das dürfte ihr auf alle Fälle gelingen, schließlich hat sie sich auch erfolgreich durch Druckkammern und Fliehkraft-Zentrifugen im Sternenstädtchen bei Moskau an die Spitze gekämpft.

NASA-Astronautin Sally Ride war die erste US-Amerikanerin im Weltraum
Picture by NASA

Die Internationale Raumstation wird also hoffentlich im 21. Jahrhundert keine schwerelose Männerkaserne bleiben. Dennoch waren Frauen im All in der Vergangenheit die große Ausnahme: Während die USA, wie es aussieht, noch eine Weile auf die erste Präsidentin im Weißen Haus warten werden, war mit Sally Ride "schon" 1983 die erste Amerikanerin im Weltraum. Die Kalifornierin war auf drei Missionen mehr als 300 Stunden im All und schrieb mehrere Weltraum-Kinderbücher.

Susan Helms war dafür vor sieben Jahren die erste Frau, die die Raumstation ISS betrat, wo sie 163 Tage blieb und dort den ersten Weltraumtouristen Dennis Tito empfing.

Die erste Deutsche im All wird übrigens aller Voraussicht nach die 31-jährige Diplom-Kauffrau Sonja Rohde werden, die 2009 mit dem Privat-Raumschiff "Space-Ship-Two" auf Rundflug gehen will. Österreich kann zwar mit Gerlinde Kaltenbrunner stolz auf eine Extrembergsteigerin sein, die die höchsten Gipfel der Welt bestiegen hat. Aber für die Kategorie "Frauen im Weltraum" gibt es bei uns leider noch keine, die höher hinaus will...


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© Eine Reportage von T. Micke (23-03-08) – Kontakt