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Eiszeit-Reise zwischen Finnlands Gletscherbröseln

40.000 Inselchen hat die letzte Eiszeit vor der finnischen Küste hinterlassen. Ein Paradies für kleine Kreuzfahrten und Segeltörns.



Finnlands Schären-Inseln
Picture by T. Micke

Gebannt starren die Passagiere der "Kristina Brahe" durch die Fenster des Bordrestaurants auf die kleine Flagge am Schiffsbug, die in der Abendsonne immer noch bei voller Fahrt auf eine der unzähligen unbewohnten Inseln zielt. "Was wenn der Kapitän am Steuer eingenickt ist?", fragt eine Dame nervös. "Dann wäre es schade um das schöne Buffet", kontert ihr Begleiter und bedient sich genüsslich am Rentierschinken mit Preiselbeeren, an den Matjesheringen in Dill und am Wildpilzsalat.

Landkarte der finnischen Schäreninseln
Picture by T. Micke

Scheinbar im letzten Augenblick dreht das Schiff doch noch nach rechts ab. Aufatmen unter den Passagieren, die ihre Aufmerksamkeit jetzt wieder voll den Köstlichkeiten Finnlands und der Ostsee widmen.

Oben auf der Brücke herrscht professionelle Ruhe. Kapitän Olli Holopainen lässt die Augen nicht von den umliegenden Inseln, schätzt und kalkuliert und gibt dem Steuermann beinahe alle dreißig Sekunden neue Kursbefehle. Ein Schiff mit 1100 Tonnen und fast 60 Meter Länge will gut geführt werden durch dieses Labyrinth von Unterwasserbergen.

Schiffspassagiere der Kristina Brahe bei Rettungsübung
Picture by T. Micke

An der engsten Stelle, kurz nach einer kräftigen Steuerbord-Kurve, bleiben links und rechts der Kristina Brahe keine zehn Meter. Aber die wehrhafte Dame hat schon Schwierigeres bewältigt in ihrer 60-jährigen Karriere: "Das Schiff war ursprünglich ein U-Boot-Zerstörer. Im Einsatz gegen die Deutschen im Zweiten Weltkrieg vor Gibraltar", erzählt der Kapitän, als wir die letzten Engstellen für heute passiert haben. "Manchmal", witzelt er, "hätte ich noch gern die große Bordkanone von damals, wenn die Kreuzfahrt-Riesen aus Schweden uns ignorieren..."

Autokennzeichen von Aland
Picture by T. Micke

Zur Zeit der Hanse und auch schon lange davor herrschte hier reger Schiffsverkehr. Viele der Inselbewohner sind auch heute noch als Lotsen tätig, um die großen Handelsriesen unbeschadet durch die Untiefen zu leiten, wo früher Piraten mit falschen Leuchtfeuern ihre Opfer auf die Felsen lockten. Wracks hat man in der Region reichlich gefunden, kein einziges allerdings von Wikingerschiffen, die dieses Wasserlabyrinth wie ihre Westentasche kannten. Wikingerschiffe fand man erst weiter ostwärts, wo das Seefahrervolk auf Handel und Beute aus war.

Vier Tage dauert die kleine Kreuzfahrt der tadellos renovierten und runderneuerten "Kristina Brahe" von Helsinki westwärts durch die Schären bis zum Archipel der autonomen Aland-Inseln und zurück. Sie steht unter dem Motto "Auf den Spuren der russischen Zaren", die hier, wie auch der berühmte Komponist Jean Sibelius gern Urlaub machten.

Traditionelle Bootshäuser auf der Aland-Insel
Picture by T. Micke

Alle Führungen auf den stillen, großteils autofreien Inselchen werden auf Finnisch und Englisch (!) abgehalten. An Bord informieren während der Fahrt Dia-Vorträge über die örtliche Tier- und Pflanzenwelt, die voller Besonderheiten steckt, weil die Ostsee noch vor 10.000 Jahren ein riesiger geschlossener Süßwasser-See war. Erst das Abschmelzen der Eiszeit-Gletscher hat den Wasserspiegel weltweit so angehoben, dass die Verbindung zum Atlantik entstand. "Bis heute hat die Ostsee einen so geringen Salzgehalt", meinte die finnische Ökologin Inkera Holma am Ende ihres Vortrags, "dass man mit dem Wasser hervorragend Kartoffeln kochen kann."

Finnische Kinder vor Windmühle
Picture by T. Micke

Alles in allem eine sehr gemütliche, mit einem Aufenthalt in Finnlands Hauptstadt knapp einwöchige Reise in eine idyllische Inselregion Nordeuropas, in die man sonst nur mit größerem Aufwand kommt.

Was man außerdem noch wissen sollte: Durch die nördliche Lage des Landes geht die Sonne abends erst sehr spät unter. Alkoholische Getränke kosten in Finnland beinahe doppelt so viel wie bei uns. Und: An Deck kann trotz Sonne ein kalter Wind wehen. Auf alle Fälle Windjacke und Mütze mitnehmen.

Nähere Informationen zu dieser Reise gibt es unter anderem bei Blaguss unter +431/501-80.


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© Eine Reportage von T. Micke (27-06-04) – Kontakt