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Feuerwerk: Lichtspiele mit Bomben und Raketen

Für echte Tierfreunde ein Tabu, aber zu Silvester nun einmal auf der ganzen Welt Tradition: Wie funktioniert so ein richtiges Feuerwerk eigentlich?



Feuerwerksrakete zu Silvester
Picture by O. Fuchs

Ganze zwei Jahre feierte Österreich 1666 die Vermählung von Kaiser Leopold I. mit Margarita Teresa von Spanien. Der festliche Höhepunkt dieser Hochzeit war ein Feuerwerk, das die westliche Welt bis dahin noch nicht gesehen hatte: Auf einer mehr als 100 Meter breiten Freilichtbühne bei Wien wurden damals mehr als 22.000 Raketen abgebrannt.

Trotz der berechtigten Bedenken von Tierschützern haben die Menschen wohl immer schon gerne laut und vor allem bunt gefeiert. Archäologische Funde von vor 6000 Jahren deuten darauf hin, dass schon damals mit Schwefel und Natrium "Feuerzauber" betrieben wurde. Und als Marco Polo um 1230 von der Feuerwerkskunst der Chinesen berichtete, war diese bald auch nicht mehr von Europas "verspielten" Höfen wegzudenken.

Im Mittelalter nützte man allerdings die Pyrotechnik, bei der bis heute das gute alte Schwarzpulver verwendet wird, eher dazu, dem Feind im Krieg unheilvolle Brandsätze über die Festungsmauern entgegen zu feuern. Und später, um den daheimgebliebenen Adeligen die gewonnene Schlacht effektvoll vorzuspielen. Die Feuerwerker dieser Zeit kamen Magiern gleich und standen in dem zweifelhaften Ruf, mit dem Teufel zusammen zu arbeiten.

Feuerwerksraketen sind seit jeher mit Schwarzpulver gefüllt
Picture by Statoil

Heutzutage ist die Feuerwerkerei vor allem ein stressiger Beruf, wenn man Anton Pöltl, Kundenbetreuer der traditionellen österreichischen Feuerwerksfabrik Vogler, glaubt: "Wir haben zwar nichts mit dem Teufel zu tun, aber in den Tagen vor Silvester ist bei uns trotzdem die Hölle los."

Neben herkömmlichen Feuerwerksraketen der Klasse 1 und 2 mit bis zu 50 Gramm Gewicht, stellt die Firma in Handarbeit bis zu 20 Kilo schwere sogenannte "Kugelbomben" her. Diese fußballgroßen Feuerwerke dürfen nur von ausgebildeten Profis abgeschossen werden und steigen mit der Schusstechnik eines Kanonenrohrs in den Himmel. Die Kugel fliegt bis zu 200 Meter hoch, bevor sie explodiert, erklärt Anton Pöltl im Interview: "Alles was darüber geht, wäre dann laut Gesetz schon zivile Luftfahrt. Und wir wollen ja nicht den Flugzeugen in die Quere kommen. Immerhin hat so ein Feuerwerksbouquet einen Durchmesser von 150 Meter."

Natrium, Aluminium, Holzkohle und Kalium sind die häufigsten Farbstoffe, die bei bis zu 2500 Grad für Lichtspiele am Himmel sorgen. "Wobei es", so Anton Pöltl, "auch Modetrends gibt. Derzeit sind Pink und Pastellfarben gefragt, sowie die so genannten Goldpalmen. Wie die funktionieren ist Betriebsgeheimnis." Sogar ein Herz kann man schon per Feuerwerk in den Himmel malen. Dabei ist allerdings viel Handarbeit vonnöten, denn die Kugel muss mehrschichtig mit Papier und Leim verklebt werden, damit sie später völlig gleichmäßig auseinanderbricht.

Feuerwerke und Böller sind übrigens nach wie vor alles andere als gesund: Jährlich entstehen Hörschäden, Verletzungen beim Zünden und erhöhte Feinstaubbelastung. Aber auch die farbgebenden Zutaten gehören eher ins Chemielabor als in den Himmel, auch wenn hochgiftige Zutaten wie Arsen, Quecksilber und Kadmium im Feuerwerk inzwischen verboten sind.


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© Eine Reportage von T. Micke (31-12-06) – Kontakt