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Feep: Österreichs Ionen-Schlüssel zum Universum

Fast 30 Jahre lang kämpften Nasa & Co. mit einem Problem. Österreichische Wissenschafter haben es jetzt gelöst. Eine Erfindung aus Niederösterreich könnte die Erforschung des Weltraums revolutionieren.



Feep Ionenantrieb made in Austria
Picture by Austrian Research Centers

Der Fantasie waren noch nie Grenzen gesetzt: Dort kann der Mensch sich längst von einem Ort zum anderen "beamen", via "Warp"-Antrieb die Lichtgeschwindigkeit alt aussehen lassen und in schnittigen Raumgleitern mit mehr als 300.000 Kilometer pro Sekunde durchs Universum düsen, um jene neuen Welten zu entdecken, wo er auf schlaksige Star-Wars-Aliens wie Jar Jar Binks trifft.

Dagegen wirkt die Realität der Weltraumforschung doch ein wenig bescheiden. Vereinfacht gesagt: Unfähig, mehr als einen Hüpfer zum Mond oder bestenfalls zum Mars zu machen, hocken wir hilflos an die Gesetze der Physik gekettet auf unserem kleinen Planeten und starren und lauschen mit Teleskop-Augen und riesigen Radar-Ohren hinaus ins große schwarze Nichts. – Keine Weltraumeroberer, bestenfalls Westentaschenspione, die via Hörgerät und Opernglas versuchen, aus der vorletzten Reihe irgendwelche Details des großen kosmischen Theaterstücks zu erhaschen.

Umso aufregender, wenn dann ein Forschungszwerg wie Österreich einen großen Coup landet und diesen "Hörgeräten" und "Operngläsern" möglicherweise eine neue Dimension eröffnet: Die "Austrian Research Centers" in Seibersdorf (NÖ) haben einen neuartigen Weltraum-Antrieb entwickelt, den die NASA vor kurzem zum Testen für ihr Projekt "Origins" ("Ursprünge") eingekauft hat. Eine kleine Erfindung, deren Herzstück keine zwei Zentimeter groß ist, ursprünglich einen ganz anderen Zweck hatte und nun ein Problem löst, an dem sich Physiker und Chemiker seit 30 Jahren die Zähne ausbeißen.

"Wenn man zwei Teleskope, wie das Weltraumfernrohr ,Hubble' mit einem Linsendurchmesser von einem Meter, genau auf denselben Punkt im Weltall ausgerichtet im Formationsflug um die Erde schwirren ließe, dann brächten beide gemeinsam eine ,Sehleistung' zustande, die sonst nur ein Riesenteleskop mit circa 1000 Meter Durchmesser schaffen würde", erklärt Dr. Martin Tajmar von den "Austrian Research Centers".

Geniale Erfindung, falsch interpretiert: Präziser Weltraumantrieb mittels Ionenausstoß
Picture by Austrian Research Centers

Die Bilder, die diese beiden Geräte etwa vom spektakulären 2500 Lichtjahre entfernten Kegel-Nebel einfangen würden, ließen sich im Computer zusammenrechnen und würden ein vielfach schärferes Bild ergeben. "Und man könnte", schwärmt Dr. Tajmar, "vielleicht wirklich 50 Lichtjahre entfernte erdähnliche Planeten entdecken, auf ihnen Kontinente ausmachen, auf denen mög licherweise Leben angesiedelt ist."

Das Problem bei einer solchen Verkoppelung zweier Teleskope ist, dass ihr Abstand zueinander auf 0,000000001 Millimeter genau passen muss, sonst wird das zusammengerechnete Bild, das ja über eine unglaublich große Distanz aufgenommen wird, einfach gesagt, unscharf. Eine solche Genauigkeit hielt man bis vor ein paar Jahren für unmöglich. Kein Hilfstriebwerk der Welt konnte derart präzise Schubkräfte liefern, um einen Satelliten oder ein Teleskop so haarscharf zu manövrieren.

Space Shuttle Discovery beim Start
Picture by NASA

Die Lösung "made in Austria": 1991 nahm Franz Viehböck bei seiner Weltraummission zu Testzwecken ein Gerät mit ins All, das durch den Ausstoß von positiv elektrisch geladenen Teilchen die störende negative Aufladung von Satelliten neutralisieren sollte. Die technischen Details: Auf 170 Grad erhitztes flüssiges Indium verursacht an einer mit ca. 8000 Volt geladenen Nadelspitze einen Ionenstrahl, der aber eben nicht nur Elektronen "entschärft", sondern auch einen kleinen, hochpräzisen Energieschub liefert.

Dass sich der österreichische "Neutralisator" eigentlich hervorragend als so genanntes Feldemissionstriebwerk nutzen ließe, war die Idee eines Technikers der italienischen Konkurrenz. Dipl.-Ing. Angelo Genovese tüftelt inzwischen in Seibersdorf am österreichischen Projekt mit...

Aber der österreichische "Weltraum-Motor" könnte noch auf einem anderen Gebiet Bahnbrechendes leisten. Nachdem Forscher in den letzten Jahrzehnten das All nicht nur optisch und akustisch, sondern auch in Hinblick auf Infrarot- und Ultraviolett-Strahlung untersucht haben, versucht man nun so genannte Gravitationswellen zu vermessen, die von großen Schwerkraftfeldern wie schwarzen Löchern oder explodierenden Sternen ausgesandt werden.

Dr. Tajmar: "Das ist, wie wenn wir die Chance bekommen, den Weltraum noch einmal durch eine völlig neue Brille zu sehen. So, wie wenn man ein Nachtsichtgerät aufsetzt und plötzlich ganz andere Dinge in seiner Umgebung wahrnehmen kann." Auch hier ist die Schwierigkeit, dass mehrere Satelliten in der Umlaufbahn auf Bruchteile von Millimetern genau abgestimmt werden müssen, um die Gravitationswellen "einzufangen". Ohne die Seibersdorfer Erfindung fast unmöglich. Tajmar: "Wenn das klappt, können Forscher erstmals schwarze Löcher ganz direkt nachweisen, und, wer weiß, vielleicht findet man dann sogar Lücken in Einsteins 80 Jahre alter allgemeiner Relativitätstheorie, was unser Weltbild völlig verändern würde."

Seibersdorfer Erfinderteam des Feep-Ionenantriebs
Picture by Austrian Research Centers

In Seibersdorf wird inzwischen fieberhaft mit Unterstützung der "Austrian Space Agency" an dem Erfolg weitergearbeitet, der auch wirtschaftlich hochinteressant ist: Vier österreichische Firmen liefern die Technik für das "FEEP"-Triebwerk. Und – einen einzigen Satelliten mit dem neuen System auszurüsten kostet immerhin drei bis fünf Millionen Euro.


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© Eine Reportage von T. Micke (30-06-02) – Kontakt