Die Nachlese

Reportagen und Berichte mit der Keyword-Search suchen... Gegründet 1999 als "Die Nachlese"

ARCHIV INDEX
- Servus-Magazin

- Abenteuer/Reise
- Allgemeinwissen
- Astronomie/Weltall
- Forschung/Hitech
- Fun Stuff/Verrücktes
- Gesund/Umwelt
- Historisches/Antike
- Hobby/Kochen
- Pflanzen/Tiere
- Politik/Wirtschaft
- Sport/Extremsport
- Testautos/Autotests

- Fotos/Bild-Archiv

Translation

Traduction


- Weltbildung-Weblog
- Coole Surftipps
- Über Welt-Bildung
- FAQs/Leserbriefe
- Home/Startseite


"EMP": Terror-Blitze aus dem Reisekoffer

Während die UNO fieberhaft im Irak nach Chemie- und Biowaffen suchte, fürchtete die CIA auch einen anderen Vergeltungsterror: "Blitz"-Bomben, die mit billiger 40er-Jahre-Technologie ganze Städte ausknipsen können.



Foto
Picture by T. Micke

Es würde wohl wie das harmlose Gewitter-Krachen eines entfernten Blitzschlags klingen, und dann gingen überall die Lichter aus. Autos, Straßen- und Eisenbahnen würden stillstehen, jedes Radio, jeder Walkman, jedes (Mobil-)Telefon wäre im selben Augenblick tot, die Kabel verschmort, die Batterien überladen und der Heim-PC mit allen Daten darauf ein nutzloser Klumpen aus Plastik, heißem Draht und Blech. Kurz: Die gesamte auf Elektronik vertrauende Zivilisation einer Großstadt im Zielbereich würde auf beinahe Steinzeitniveau zurückgeworfen werden. "Rien ne va plus!" – Nichts geht mehr!

Das technische Kürzel hinter diesem Albtraum-Szenario des modernen Medienzeitalters heißt "EMP" (Elektromagnetischer Impuls). 1932 entdeckte ein bulgarischer Wissenschafter, dass Sprengladungen, ähnlich wie Gewitterblitze, neben Licht und Schall auch elektromagnetische Impulse freisetzen, die durch Induktion (wie der Magnet in einem Generator) in Metall-Leitungen kurzfristig Stromstöße mit sehr hoher Spannung erzeugen können. Allerdings ist der Wirkungsbereich, ähnlich wie bei einem Blitz, relativ klein.

Von den USA und Russland weiß man, dass sie seit den 60er Jahren an solchen so genannten E-Bomben-Wunderwaffen tüfteln. Und im Geheimen tun es wohl viele andere Nationen auch, denn so wirkungsvoll (und für den Menschen harmlos) eine solche Waffe im Lähmen des Gegners ist – die USA exerzierten es bereits im Kosovo-Krieg vor und werden die Technik wohl auch im Irak benützt haben – so billig ist sie herzustellen. Carlo Kopp, ein australischer Experte in Hightech-Kriegsführung schätzt, dass der Bau einer einfachen E-Bombe nicht mehr als 2000 Euro kosten würde. Zum Bau selbst würde die Elektrotechnik der 40er Jahre genügen, und bis auf Semtex, den dazu benötigten Plastiksprengstoff, wären alle Bestandteilefrei auf dem Markt erhältlich. Das Einzige, das der freien Welt aus Terroristen-Sicht wohl noch eine Verschnaufpause verschafft, ist das Wissen um eine wirkungsvolle Bauweise.

Eine "ausgereifte" E-Bombe – man vermutet, dass die USA inzwischen mit speziellen Supraleitern als Verstärker arbeiten – übersteigt die elektromagnetische Feldstärke eines Gewitters um das Tausendfache, ist in der Lage in jeden Draht, in jedes Kabel, sogar in einen Schienenstrang kurzfristig bis zu eine Million Volt zu induzieren, wobei als Faustregel gilt: je länger der Metall-Leiter, desto höher die Stromspannung.

Abhilfe dagegen bietet nur ein sogenannter Faraday'scher Käfig, eine Konstruktion aus Draht, in deren Innerem etwa ein Computer vor dem elektromagnetischen Impuls relativsicher wäre. Aber eben nur, so lange er nicht etwa durch ein Stromkabel Verbindung nach außen hat.

Einem gezielten E-Bomben-Anschlag wäre die moderne Zivilisation also weitgehend schutzlos ausgeliefert, wobei man zumindest dem Löschen aller Computerdaten auf der Festplatte daheim durch regelmäßiges Speichern aller wichtigen Informationen auf CD beikommen kann. Denn trotz eines geringen Metallgehalts gelten CDs bis jetzt als immun gegen elektromagnetischen Terror.


< Zurück zu Forschung/Hitech

© Eine Reportage von T. Micke (16-02-03) – Kontakt