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Ein Hüft-Airbag gegen Sturzgefahr im Alter

Die Kunst zu gehen und unser Leben lang auf zwei Beinen zu balancieren lernen wir in der Krabbelstube. Im hohen Alter wird dies aber wieder zunehmend schwieriger. Gefährliche Stürze können die Folge sein. Forscher aus Österreich entwickeln schlaue E-Shoes, die mittels Hüft-Airbag Leben retten könnten.



Österreichische Forscher am zentraleuropäischen Institut für Technologie, hier Harald Jagos und Johannes Oberzaucher entwickeln eine Schuhsohle die Sturzgefahr rechtzeitig melden kann
Picture by T. Micke

Wenn kleine Kinder laufen lernen, fallen sie öfter einmal hin: Den Fuß nicht hoch genug gehoben, an der Teppichkante hängen geblieben. Autsch! Dann fließen zwar manchmal Tränen, aber in der Regel ist nicht mehr passiert. Die Kleinen stehen wieder auf, begreifen schnell, wie das mit dem Gleichgewicht funktioniert, und erkämpfen sich erfolgreich die Welt der Zweibeiner.

Im fortgeschrittenen Alter, aber auch bei jüngeren Menschen nach schweren Unfällen ist das mit dem Gleichgewicht und der Koordination nicht mehr so leicht. Denn auch das Gehen und Laufen muss regelmäßig trainiert werden. Wer viel sitzt oder lange liegen muss, lebt auch mit dem erhöhten Risiko zu stürzen. Und diese Stürze gehen leider selten so glimpflich aus wie bei einem Kleinkind.

Nicht erst seit bekannt ist, dass 30 Prozent aller über 65-jährigen und 40 Prozent aller über 80-jährigen Menschen zumindest einmal im Jahr stolpern und stürzen, wird an der amerikanischen Uni von Pittsburgh zu Forschungszwecken gerutscht und gefallen. Man sucht dort nach Lösungen, die Leben retten sollen. US-Diätguru Dr. Robert Atkins starb 2003 im Alter von 72 Jahren, weil er auf einem eisigen Gehsteig ausrutschte. Schriftsteller Kurt Vonnegut stürzte im April 2007 tödlich bei sich zuhause in der Wohnung.

Wenn ein schwerer Sturz nicht fatal endet, ist ein Bruch des Oberschenkelhalsknochens eine der häufigsten schweren Folgen. Die Knochen heilen in diesem Alter nicht mehr so gut, und der betagte Patient muss mit einer solchen Verletzung meist viele Wochen liegen, wodurch die Geschicklichkeit und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten noch zusätzlich abnehmen. Verschlimmert wird die Sache bei alleinstehenden Menschen noch dadurch, dass oft niemand im Fall der Fälle da ist, um die Rettung zu rufen.

Ein österreichisches Forscherteam am "Zentraleuropäischen Institut für Technologie" (CEIT) in Schwechat (NÖ) rund um TU-Professor Dr. Wolfgang Zagler entwickelt nun mithilfe des dortigen Seniorenzentrums ein System, das die Sturzgefahr besonders älterer und behinderter Menschen verringern und im Ernstfall auch die gefürchteten Knochenbrüche verhindern soll: Ein spezielles Paar Schuhsohlen wird mit Sensoren und Sendern ausgestattet, die über Funk Signale an einen Computer schicken. Die Schuhe können sich auf diese Art quasi über den Gang ihres Trägers unterhalten, wodurch ein Gehmuster entsteht, das ein Therapeut auswertet. Dieser ist dann in der Lage, "unsichtbare Stolpersteine" schon im Voraus zu erkennen. Zum Beispiel, wenn ein Fuß nicht mehr gleichmäßig auftritt und der Patient dadurch unmerklich humpelt. Speziell abgestimmte Übungen können dann die Unfallgefahr senken.

Der große Vorteil: Nicht bloß ein paar Schritte auf dem Laufband in der Arztpraxis eines Orthopäden liefern eine (unvollständige) Momentaufnahme von der Situation, sondern die unzähligen Schritte des Alltags.

Wenn der Benützer dieser "e-shoes" trotzdem einmal stürzt, schlägt das System Alarm. Zum einen wird dann ein Arzt oder ein Verwandter automatisch per Telefon verständigt. Prof. Zagler: "Es wäre aber auch möglich, dass die ,schlauen Schuhe in den Sekundenbruchteilen zwischen Sturz und Auftreffen auf dem Boden ein Signal an einen Spezialgürtel oder eine Schutzhose senden, die dann rechtzeitig – ganz wie beim Auto – einen schützenden Airbag-Polster im Hüftbereich aktivieren, was die harte Landung mildert."


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© Eine Reportage von T. Micke (03-06-07) – Kontakt