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Aprés-Ski in der Eiskuppel

Österreicher haben eine revolutionäre Technik entwickelt, um riesige Kuppeln zu errichten: Wie ein Wasser-Kuchen zum coolen Partyzelt wird.



Studie der TU Wien: Eiskuppeln als Partyzelte bei Events im Gebirge
Picture by TU Wien

An der Technischen Universität in Wien ist Tortenbacken derzeit groß in Mode. Ganz nach dem Motto: Je größer die Mehlspeis, desto besser. Naschkatzen steht die Enttäuschung aber ins Gesicht geschrieben, wenn sie erfahren, dass statt Marillenmarmelade ein Stahl- oder Glasfasergitter verwendet wird und der Teig aus klebrigem Zement oder gar nur aus dünnflüssigem Wasser besteht. Dennoch scheint das Rezept die seltsamen Zuckerbäcker glücklich zu stimmen, denn die flache Kuchen-Scheibe mit ihren Tortenstück-Segmenten geht bei sachgemäßer Anwendung der ungewöhnlichen Zutaten innerhalb einer halben Stunde auf wie ein Germteig...

Prof. Johann Kolleger wölbt Kuppeldächer aus Eis
Picture by T. Micke

Was sich da wie ein Faschingsscherz anhört, ist in Wirklichkeit eine genial einfache technische Neuheit made in Austria, die den schnellen und kostengünstigen Bau von Kuppeldächern ermöglicht. Prof. Johann Kolleger von der TU: "Kuppeln wie etwa die des Petersdoms in Rom kommen in der modernen Architektur fast nicht mehr vor, weil sie zu teuer in der Herstellung sind. Bei der bisherigen Methode, die etwa beim Bau von Planetarien angewendet wird, muss man immer erst eine tragende Kuppel-Schale bauen, auf die der Beton dann aufgegossen wird, was extrem aufwändig ist. Unsere Methode kostet die Hälfte, braucht weniger Material und lässt sich sehr schnell umsetzen."

Errichtung einer Eiskuppel: Schaumstoffkeile als Pufferzone
Picture by T. Micke

Dabei wird eine Kuchenform mit schmalen Schaumstoff-Keilen als Segment-Begrenzer und Platzhalter und einem Stahl- oder Glasfasernetz als Unterlage auf einer möglichst ebenen Fläche mit Zement oder Wasser ausgegossen. Wenn der Zement ausgehärtet oder das Wasser gefroren ist, drückt ein Kunststoffpolster darunter, der langsam mit Luft gefüllt wird, den Mittelteil der Scheibe die ersten paar Zentimeter in die Höhe. Danach wird nur noch ein Stahlseil angezogen, das rund um die Scheibe in einer Röhre anliegt, wodurch sich die nun leicht gewölbte Scheibe zu einer perfekt gleichmäßigen Kuppel nach oben drückt.

Der Eis- oder Zementpanzer bricht zwar während dieser Krümmungsprozedur an unzähligen Stellen, bleibt aber durch die so genannte Bewehrung aus Stahlgitter (bei Beton) oder Glasfasernetz (bei Wasser) dennoch stabil und kann zur optischen Verschönerung nachher noch einmal übergossen werden.

Eine geglückte Eiskuppel der Technischen Universität Wien
Picture by TU Wien

Prof. Kolleger: "Wir haben ausgerechnet, dass sich auf diese Weise sogar Betonkuppeln mit 80 Meter Durchmesser, also doppelt so groß wie der Petersdom, errichten lassen.

Vorerst bäckt man aber noch kleinere Kuchen. Dipl.-Ing. Thomas Drexler, der einen Teil des revolutionären Patents innehat: "Wir werden heuer eine unserer Eiskuppeln als Eventzelt in einem österreichischen Wintersportort aufstellen. Das Schöne: Wir brauchen dafür eigentlich nur Wasser als Baustoff. Und kräftigen Frost, denn der Eispanzer sollte schon fünf Zentimeter dick sein."

Einmal errichtet, lässt sich das coole Partyzelt beliebig verfeinern: Buntes Disco-Licht schimmert durch die milchig-durchsichtigen Wände und es können auch Teile herausgeschnitten werden, ohne dass die Tragfähigkeit leidet.

Drexler: "Bei der Beton-Version hoffen wir noch auf einen mutigen Investor, der sein neues Gebäude mit unserer Kuppel krönen will..."


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© Eine Reportage von T. Micke (14-11-04) – Kontakt