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Narwal: Die magischen Kräfte des echten Einhorns

Viele Jahrhunderte hüteten Europas Herrscher "Einhörner" als einzigartige, magische Schatz-Trophäen. Jetzt erforschte ein Zahnarzt bei den Ur-Einwohnern Alaskas die "fabelhaften Zauberstäbe" – und entdeckte tatsächlich Einzigartiges.



Ein wertvolles, mit Edelsteinen, Perlen und Gold verziertes Szepter aus Narwal-Einhorn im Wiener Kunsthistorischen Museum
Picture by Kunsthistroisches Museum Wien

Ein Pferd mit langem, schraubenförmigem Horn: Nicht nur bei Harry Potter, auch im neuesten Fantasy-Kinohit "Der König von Narnia" spielt das Fabelwesen, dem man überirdische, heilende Kräfte nachsagt, eine magische Rolle. Als im Mittelalter plötzlich Einhorn-Hörner auftauchten, konnten die Händler für die zehn Kilo schweren Elfenbein-Lanzen ein Vielfaches an Gold verlangen. Europas Herrscherhäuser ließen sie zu Szeptern und Trinkgefäßen verarbeiten. Königin Elisabeth I. war im 16. Jahrhundert eine solche Einhorn-Trophäe 10.000 Pfund wert – angeblich so viel, wie damals der Bau einer Festung kostete. Und Habsburg-Kaiser Karl V. soll seine Staatsschulden an den Markgrafen von Bayreuth mit zwei "Ein-Hörnern" beglichen haben. – Ein gutes Geschäft, weil der Kaiser es noch rechtzeitig über die Bühne brachte, bevor 1638 der dänische Zoologe Ole Worm das Ein-Horn als Stoßzahn des arktischen Narwals enttarnte.

Für Forscher ist dieser bis zu fünf Meter lange Meeressäuger und sein in der Natur einzigartiger Stoßzahn auch heute fast so geheimnisvoll, wie das Märchenpferd selbst. Kämpft der Narwal mit dieser "Lanze" unterm Packeis gegen Rivalen? Wühlt er damit im Schlamm nach Nahrung? Spießt er womöglich Fische auf? Oder soll das sperrige Ding einfach nur Narwal-Weibchen beeindrucken, die nur ganz selten behörnt sind?

Ein Forscherteam um den US-Zahnarzt Dr. Martin Nweeia machte sich nun auf die Spur des "Einhorns der Meere" und befragte dabei auch die Inuit, die Ureinwohner Alaskas, nach überliefertem Wissen.


Dr. Nweeia im Interview: "Eigentlich hat der Narwal von Geburt an zwei solcher Stoßzähne, aber es bildet sich immer nur der linke aus. Die Inuit, denen er noch heute mit seinem Fleisch viel Vitamin C liefert, haben diese Stoßzähne lange Zeit als Stangen für ihre Zelte verwendet, weil sie erstaunlich elastisch sind. Das liegt daran, dass Narwal-Stoßzähne eigentlich verkehrt herum aufgebaut sind: außen weich und innen hart. Das völlige Gegenteil eines normalen Zahns. Für uns war dadurch klar, dass der Wal sein Horn nicht als Werkzeug zum Stoßen benützt."

Unter dem Mikroskop kamen die Forscher schließlich den wahren "magischen" Kräften des Einhorns auf die Spur: Der Zahn ist bis zur Oberfläche mit vielen Millionen Nervenkanälen durchsetzt, was ihn extrem empfindlich macht – ähnlich wie ein offener Zahnhals beim Menschen. Wie mit einer hochsensiblen Multifunktionsantenne kann der Narwal damit Temperatur und Druck messen und besitzt so eine eingebaute Wetterstation. Er kann kleinste Regungen von Beutefischen wahrnehmen und die Zusammensetzung des Wassers analysieren. Überlebenswichtige Informationen in den schnell zufrierenden Packeis-Kanälen der Arktis also, die das Einhorn für den Narwal zu einem allwissenden "Weisheitszahn" machen...


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© Eine Reportage von T. Micke (15-01-06) – Kontakt