Die Nachlese

Reportagen und Berichte mit der Keyword-Search suchen... Gegründet 1999 als "Die Nachlese"

ARCHIV INDEX
- Servus-Magazin

- Abenteuer/Reise
- Allgemeinwissen
- Astronomie/Weltall
- Forschung/Hitech
- Fun Stuff/Verrücktes
- Gesund/Umwelt
- Historisches/Antike
- Hobby/Kochen
- Pflanzen/Tiere
- Politik/Wirtschaft
- Sport/Extremsport
- Testautos/Autotests

- Fotos/Bild-Archiv

Stichwort

Translation

Traduction


- Weltbildung-Weblog
- Coole Surftipps
- Über Welt-Bildung
- FAQs/Leserbriefe
- Home/Startseite


Urlaub am Golf: Scheich sein und reich sein in Dubai

Dubai ist das erste Emirat, das neben seinen Ölquellen vor einigen Jahren auch die Tourismusquellen ordentlich angezapft hat. Denn wenn das "schwarze Gold" irgendwann zu sprudeln aufhört, wollen die Scheichs nicht gleich am Sand sein.



Finanzzentrum, Glaspaläste in Dubai City
Picture by T. Micke

"Wow!" ist wohl der erste international verständliche Laut, der unvorbereiteten Besuchern entfährt, die von Europa kommend zu nächtlicher Stunde traum-trunken den Flughafen von Dubai City betreten.

Die riesigen Air-Terminals von Amsterdam und Frankfurt wirken fast schon niedlich gegen diesen glas- und chrom-glänzenden Megaplex: Auf endlosen Fließbändern lässt man sich eine Ewigkeit zur Gepäckannahme tragen, vorbei an unzähligen Plakatwänden mit arabischen Statussymbolen. Nicht Palmtop-Computer oder Nobelautos werden da beworben, sondern Helikopter und Hochsee-Jachten mit Villen-Charakter.

Autos gewinnt man in diesem Teil der Welt wohl eher. Im Kaufhaus um die Ecke oder gleich hier in der Wartehalle: 200 Euro kostet das Los für den knallgelben Porsche Carrera. Nur tausend Lose gibt es, also eine Chance von 1:1000. Das ist zwar schon so gut wie gewonnen im Vergleich zu "6 aus 45", aber 200 Euro Einsatz? Das ist wohl nur für einen Scheich Wechselgeld.

Auto-Kennzeichen auf einem Jeep in Dubai
Picture by T. Micke

Schlaraffenartig ragt gleich dahinter mitten im marmornen Duty-free-Dom eine Riesenpalme empor, mit (wir reiben uns die Augen) aufeinander gestapelten Goldbarren als Stamm. Nirgends auf der Welt käme mir die Idee zu fragen "Sind die echt?" Aber hier? Na ja, man denkt zumindest darüber nach.

Auf der Fahrt ins nächtlich hell erleuchtete Zentrum das zweite "Wow!": Scheich Maktoum bin Rashid Al Maktoum hat eine spendable Hand für Architekten! Hotels in Form von Segeln und Meereswellen, Bürotürme wie zierliche Parfum-Flacons, die "Bank of Dubai" wie ein goldenes Designer-Handy. – Besonders dem Wiener bleibt da neidisch der Mund offen, wenn er an die phantasielossterilen Betonquader an der Donauplatte denkt.

Aber in Wien hat man auch nicht in den 60ern riesige Ölquellen entdeckt. Ein Rausch wie zu US-Goldgräberzeiten erfasste die Region damals, die Wüstenbewohner zogen quasi direkt von ihren Zelten in Stadtpaläste um. Eine dreispurige Autobahn entstand, wo zuvor eine Sandpiste ins Hinterland zu den Gebirgsquellen von Hatta führte. Und Wasser-Pipelines baute man von dort durch die Dünen zurück an die Küste, um künstliche Oasen zu schaffen.

Heute ist Dubai eine Oase Handels und des Konsums. Ein Einkaufsparadies für echte und imitierte Luxusgüter. Scheich Rashid und sein heute herrschender Sohn waren schlau genug, ihre Öl-Milliarden in Land und Volk zu investieren: Steuern gibt es in Dubai nicht. Wer Grund braucht, lässt ihn sich (als Einheimischer) vom Scheich schenken. Denn Platz ist hier mehr als genug. Ob für einen neuen Jachthafen auf Höhe des Scheich-eigenen Superhotelturms "Burj al Arab", für einen Golfplatz (mit künstlichem Rasen und besonders schönen, natürlichen Sandbunkern) oder für eine weitere Fünf-Sterne-Herberge mit Blick auf den Persischen Golf.

Jumeirah Beach Hotel am Strand von Dubai
T. Micke

Dubai, sagt man, werde das erste Emirat sein, dem das Öl ausgeht. Zirka 2015 soll das der Fall sein. Rechtzeitig sieht man sich nun nach neuen Geldquellen um, bevor die alte versiegt. Während viele Experten die Zukunft der Wüstenstaaten in der Gewinnung von Wasserstoff mit Hilfe von Solarenergie sehen, wird ein anderes Standbein mit Sicherheit der Tourismus sein.

Dubai ist mit seinen hohen Hotelstandards, den endlosen Sandstränden, dem herrlich klaren Wasser und einer herzlichen Einstellung Gästen gegenüber ideal für Sonnenurlauber. Die zum Greifen nahe Wüste bietet Platz zum Austoben oder Seele baumeln. Sandsafaris, Lagerfeuer-Abende unter Sternenhimmel vorm Beduinenzelt und im gebirgigen Hinterland sogar Mountainbiken bei lauschigen 24 Grad (November bis Mai) sind da trotz der achteinhalb Stunden Flug (von Wien) sehr verlockend.

Moschee als Spiegelbild in moderner Glasfassade in Dubai City
Picture by T. Micke

Wer nach Dubai eine Kulturreise plant, braucht allerdings ein gutes Auge, um zwischen den Superlativen der Wolkenkratzer-Architektur, den schillernden Schätzen des Gold-Soukh (dem Straßenmarkt mit den üblicherweise günstigsten Schmuckpreisen der Welt) und dem offen zur Schau gestellten Luxus des modernen, jungen Dubai historisch Gewachsenes zu entdecken. Denn schneller Wohlstand lässt oft wenig Platz für Ursprüngliches.


Aber zumindest eine Gruppe von Dubai-Bewohnern hat vom Schwund alter Beduinen-Sitten profitiert: die Kamele. Früher – und in anderen Regionen der arabischen Welt heute noch – als genügsame Transporttiere, Lieferanten von Fleisch, Milch, Wolle und Brennstoff geschätzt, dienen sie jetzt nur noch als Statussymbol:

Der trendige Scheich von heute leistet sich neben seinem Ferrari, dem Rolls-Royce-Cabrio, dem Maserati und einem Taubenschlag voll erlesener Jagdfalken eben auch eine stattliche Sammlung würdevollen Höckertiere (je stattlicher, desto besser), die er dekorativ als Blickfang in seiner Schrebergarten-Wüste verteilt.

Wer nun frei nach "Taxi orange" meint: "Ich brauch nicht reich zu sein, um Scheich zu sein", bitte sehr: Ein Kamelbaby kostet auf dem Markt von Al Am umgerechnet 1200 Euro, ein ausgewachsenes 3600 Euro. Geliefert wird angeblich auch nach Europa frei Haus.


< Zurück zu Abenteuer/Reise

© Eine Reportage von T. Micke (04-02-01) – Kontakt