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Sport am Pranger: Im Labor der Doping-Detektive

Medaillenverdächtig sind nicht nur unsere Sportler bei den Olympischen Spielen. Weltspitze sind auch Österreichs Anti-Doping-Spezialisten, die für faire Wettkämpfe sorgen.



Ein Medikament, dass auch zum Doping verwendet wird: Aranesp (EPO)
Picture by T. Micke

Schummeln ist so alt wie Wettkämpfen, und man kann sicher sein, dass auch einst bei den Olympischen Spielen der Antike, beim Kampf um den begehrten Lorbeerkranz, alle damals bekannten Mittel eingesetzt wurden (bei Asterix nachzulesen). Zum Doping verwendete man im Altertum nicht Drogen wie EPO, THG und HGH, sondern Stierhoden, Cannabis und Fliegenpilze teilweise aber mit ähnlich lebensgefährlicher Wirkung.

Österreich ist bei Olympia nicht nur durch Sportler vertreten, sondern mit Dipl.-Ing. Christian Reichel von den "Austrian Research Centers" in Seibersdorf (NÖ) auch im Team der Doping-Kontrolle. Denn in Niederösterreich hat man eine Computer-Software entwickelt, die das Unterscheiden der bei Schummel-Sportlern so beliebten Steroide EPO und NESP von körpereigenen Hormonen vereinfacht. Und diese Technik will die >internationale Anti-Doping-Agentur WADA bei den heurigen Spielen nicht missen.

Überhaupt hat das Kontrolllabor des Forschungszentrums einen hervorragenden Ruf unter den weltweit 30 offiziellen Test-Anstalten. Neben nationalen und osteuropäischen Sportverbänden, lässt hier die UEFA den Harn vieler Champions-League-Fußballer auf Verbotenes überprüfen. Jährlich werden rund 3000 Proben in Österreich unter strenger Geheimhaltung getestet.

Anonyme, nummerierte Sportler-Proben, die im Labor überprüft werden
Picture by T. Micke

Im April 2004 stolperte die russische 200-Meter-Sprinterin Anastasia Kapachinskaya nach der Ziellinie über die Seibersdorfer Doping-Detektive. Die Russin war bei der WM 2003 in Paris Zweite hinter der (ebenfalls des Dopings überführten) Amerikanerin Kelli White geworden. Dritte wurde damals Torri Edwards, die erst vor wenigen Wochen wegen Einnahme verbotener Mittel aus dem US-Olympiateam gefiltert wurde. Ein Siegespodest also voll mit Schummel-Weltmeisterinnen...

"Wir bekommen immer zwei Harnproben der Sportler zugeschickt, die unter Beisein zweier Kontrollore abgegeben werden müssen", erklärt Mag. Edmund Benetka, Leiter der zuständigen Abteilung für chemische Analytik: "Wir wissen hier im Labor nur, ob der Athlet männlich oder weiblich ist und um welche Sportart es sich handelt. Manchmal kennt man auch noch die Nationalität, aber ansonsten bleibt alles anonym. Erst, wenn die A-Probe positiv ist, wie bei der Russin, erfahren wir in der Regel, um wen es sich handelt, weil die Sportler das Recht haben, bei der Untersuchung der B-Probe, die bis dahin versiegelt im Tiefkühler liegt, dabei zu sein. Wenn so eine B-Probe ansteht, dann ist das Labor für Besucher gesperrt", erklärt Benetka beim Interview. "Sie haben also heute Glück!"

Neu in der umfangreichen Testgeräte-Sammlung in Seibersdorf ist eines mit dem treffenden Namen "Discovery". Der "Entdecker" ist in der Lage, THG nachzuweisen: die erste, nur für Doping hergestellte Droge, die bei den üblichen Analysemethoden nicht aufscheint. Hätte man nicht zufällig eine Spritze mit diesem bis dahin unbekannten, bei der US-Firma "Balco" produzierten Designer-Steroid gefunden, würde man über die "übermenschlichen" Leistungen von Kelli White, Sprintstaffel-Olympiasieger Calvin Harrison und jene des schnellen Briten Dwain Chambers noch immer staunen.

Kein Ende ist in diesem Katz-und-Maus-Spiel absehbar. Die nächste Stufe, auf die man sich in Seibersdorf bereits vorbereitet, ist Gen-Doping. Mag. Benetka: "Dabei regt man den Körper durch Einschleusen manipulierter Gene zum Beispiel zu verstärktem Muskelaufbau an (Anm.: bei Ratten bereits erfolgreich getestet). Ein Fortschritt, wenn man ihn nur zur Therapie für unheilbare Patienten mit Muskelschwund nützen würde. Aber man könnte auch vielversprechende jugendliche Sportler damit behandeln und sie auf diese Weise gezielt über Jahre zu menschlichen Laufmaschinen trainieren."

Dass manche Sportler nach positiven Dopingtests ihre Unschuld beteuern, mag übrigens durchaus glaubwürdig sein. Benetka: "Wir haben vor drei Jahren stichprobenartig 50 so genannte ,Nahrungsergänzungsmittel' für Sportler auf verbotene Steroide untersucht und wurden bei alarmierenden 20 Prozent fündig. Bei den Bestandteilen der Produkte auf der Verpackung stand aber kein einziges Wort von Anabolika." Dennoch lässt der Chemiker keine Ausreden gelten: "Jeder Athlet ist letztlich allein verantwortlich was er im Körper hat. Dann muss er sich eben besser über das informieren, was er da zu sich nimmt."


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© Eine Reportage von T. Micke (08-08-04) – Kontakt