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Sonde "Tempel 1": NASA-Rammbock boxt Kometen

Mit 37.000 km/h krachte eine kühlschrankgroße Sonde in den Kometen Tempel 1. Sinn der 300 Mio. Dollar teuren Zerstör-Aktion: den Quell irdischen Lebens suchen.



Die Sonde "Deep Impact" beobachtet den Einschlag des "Impactors" auf dem Kometen Tempel-1
Picture by NASA/JPL

Die Mission klingt wie eine der verrücktesten, die sich die "Jet Propulsion Laboratories" der NASA je ausgedacht hat, und in Wahrheit so, wie wenn missratene Milliardärskinder ein sauteures Spielzeug möglichst spektakulär zerstören wollen: Die Sonde "Deep Impact" (sinngemäß "gravierender Einschlag") startete am 12. Jänner 2005 auf einem minutiös berechneten Kollisionskurs von der Erde aus, um den aus den tiefen unseres Sonnensystems alle fünfeinhalb Jahre vorbeischauenden Schweifstern Tempel 1 – ein Trumm aus Eis und Staub, in etwa so groß wie Linz – an dem der Sonne nächsten Durchreise-Punkt abzufangen.

Nach einem Zielschießen auf 431 Millionen Kilometer Distanz löste sich der kühlschrankgroße, 372 Kilo schwere "Impactor" ferngesteuert von der Sonde und bohrte mit seiner kupferverstärkten Kegelseite ein großes und tiefes Loch in den Kern von Tempel 1, der zu diesem Zeitpunkt durch die starke Sonnenstrahlung jede Menge Staub und leuchtendes Gas um sich schleuderte. Durch den Tempounterschied von 37.000 km/h wurde dabei so viel Energie frei, dass der Impactor und der Einschlagsbereich teilweise schmolzen und ein Krater, etwa so groß wie ein kleines Fußballstadion, entstand.

Die Montage der Sonde Deep Impact mit ihrem "Rammbock", dem Impactor (unterer Teil) im Labor

Vor seiner Pulverisierung um etwa 7.52 Uhr mitteleuropäischer Zeit schoss der kupferne NASA-"Kamikaze", der mit Zielautomatik, Steuerraketen und Kamera ausgerüstet war, noch bis zur letzten Sekunde Bilder des entgegenrasenden Kometen, während die Muttersonde aus einer sicheren Entfernung von etwa 700 Kilometern die ganze Aktion mit zwei Kameras dokumentierte. Dann drehte sich die Muttersonde um die eigene Achse, um die empfindlichen Instrumente vor den herumfliegenden Kometen-Trümmern zu schützen, und die Daten zur Erde zu funken. Kosten der Rammbock-Aktion: 333 Millionen Dollar.

Bei dem "Crashrennen", das in den frühen Stunden des amerikanischen Unabhängigkeitstages per Teleskop von den USA aus zu beobachten war, schauten außerdem alle verfügbaren "Weltraum-Augen" zu. Das Hubble-Teleskop wurde eigens auf den Schauplatz der Kollision gerichtet, ebenso wie das Chandra-Röntgen-Teleskop und das Spitzer-Infrarot-Teleskop. Sogar die ESA-Sonde Rosetta, die derzeit auf dem Weg zu einem anderen Kometen-Rendezvous ist, wird sich ferngesteuert dem Explosionsschauplatz zuwenden, um Mikrowellen- und UV-Messungen für die NASA vorzunehmen.

Die Flugbahn der Sonde Deep Impact bis zur Kollision mit dem Kometen Tempel-1
Picture by NASA

All diese Daten sollen Aufschluss über das Material im Inneren von Kometen liefern und der Frage auf den Grund gehen, ob die Zutaten des Lebens womöglich wirklich vor 3,9 Milliarden Jahren durch einen schweren Kometen-Hagel zu uns auf die Erde gelangt sind. Denn Kometen sind nach heutigem Wissensstand "gefrorene Zeitreisende" aus hauptsächlich Wasser und Kohlenstoffverbindungen, die als übrig gebliebene Tiefkühlbrösel noch das Urmaterial enthalten, aus dem vor 4,6 Milliarden Jahren unser Sonnensystem entstanden ist.

Tempel 1 war von Europa aus per Teleskop im Zeichen der Jungfrau (beim hellsten Stern Spica) zu beobachten.


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© Eine Reportage von T. Micke (03-07-05) – Kontakt