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In Costa Rica wie Tarzan durch den Regenwald

Dieses Land bietet Faultier-Urlaub am sonnigen Pazifik-Strand genauso wie Abenteuer-Touren durch paradiesische Regenwälder. Und so viele Bananen und Schlaglöcher wie das Herz begehrt...



Sky-Trek: Via Flying Fox am Stahlseil durch den Regenwald Costa Ricas
Picture by T. Micke

Johnny Weissmüller mit Gartenhandschuhen, Klettergurt und Helm? Das hätte im Tarzan-Film wohl ein wenig seltsam ausgesehen. Dafür ist es bedeutend sicherer, wenn man sich von Baum zu Baum schwingen will und wird daher in Costa Ricas Monteverde-Regenwald sportlichen Touristen zugemutet. Lendenschurz ist zum Glück nicht Pflicht.

Aber statt wie der Dschungel-König aus voller Kehle zu jodeln, verschlug es uns eher die Sprache: Mehr als 800 Meter weit und bis zu 130 Meter über dem Boden saust man beim "Sky-Trek" an elf verschiedenen Tragseilen wie eine menschliche Gondel durch den wolkenverhangenen Hochwald. Und wer die anfängliche Panik überwunden hat, der bekommt auch ein bisschen was von der atemberaubenden Landschaft mit, durch die man eingeklinkt in eine stabile Stahlspule fliegt. Tukan, Kapuziner-Affe und Puma nehmen dabei allerdings reißaus. Wer also lieber die reichhaltige Tierwelt des "grünen Bergs" unweit des Vulkans Arenal, Costa Ricas aktivstem Feuerspucker, erleben will, dem sei der beschaulichere "Sky-Walk" empfohlen, bei dem man in dreißig Meter Höhe auf schwingenden Seilbrücken durch die Wipfel der Urwald-Riesen spazieren kann. Aber auch hierfür muss man schwindelfrei sein und sollte keine Angst vor Schlangen und faustgroßen Taranteln haben.

Tarantel im Urwald Costa Ricas
Picture by T. Micke

Dass Costa Rica das Land endloser Bananen- und Kaffeeplantagen ist, wissen viele. Aber nur wenige wissen, dass hier wie in England der Kreisverkehr das Schlagloch erfunden worden sein dürfte: "Schatz, stell die Pannendreiecke raus, die Kinder wollen baden..." ist nur einer jener Scherze, den sich die Ticos, wie die Costa Ricaner sich nennen, zur Frustbewältigung auf Überland-Fahrten erzählen. Die einheimische Fahrtechnik, bei der man zur Schadensbegrenzung ganz selbstverständlich auch die gesamte Gegenfahrbahn in die Routenwahl miteinbezieht, gewöhnt man sich auch mit dem Gelände-Mietwagen rasch an. Trotzdem brauchten wir bei der Anreise nach Monteverde im Landesinneren mehr als drei Stunden für eine kraterübersäte Strecke von 38 Kilometern. Aber dafür waren dann die örtlichen Automechaniker ungeheuer freundlich.

Beim Sky-Walk geht man auf Hochseilbrücken durch das Blätterdach im Regenwald Costa Ricas
Picture by T. Micke

Eine der schönsten Gegenden Costa Ricas, wo (zum Glück) keine Straße hinführt, ist der Tortuguero-Nationalpark an der östlichen Karibik-Küste. Dorthin gelangt man nur im Kleinflugzeug oder per Boot über ein Netz von malerischen Flussarmen und Kanälen.

Schwarz wie Tinte ist an manchen Stellen das Wasser des Cano Negro, durch den Jorge, unser Chauffeur, das Motorboot lenkt. Für die ungewöhnliche Farbe sorgen die Gerbstoffe der Raphia-Palmen, die von beiden Seiten weit in den Fluss hineinragen und an manchen Stellen über unseren Köpfen zu einem grünen Gewölbe zusammenwachsen. Die Wasseroberfläche ist so glatt, dass man Mühe hat, die echten Farne, Luftwurzeln und Lianen von ihren Spiegelbildern zu unterscheiden.

Affen turnen links und rechts in den Palmen, ein kleiner Kaiman genießt direkt am Ufer zwischen Reihern und Ibissen die Nachmittagssonne und ein Flusskrokodil flüchtet vor dem Boot von seinem Baumstamm ins Wasser. Eine Flussbiegung weiter schmausen flamingofarbene Löffelreiher mit ihren eingebauten Suppenkellen neben einer kugeligen Fluss-Schildkröte auf einem Stein, und ab und zu torkelt ein Morpho-Falter mit seinem leuchtend blauen Oberdeck und sagenhaften 15 Zentimetern Spannweite vorbei.

Faultier in den Bäumen am Ufer das Cano Negro in Costa Rica
Picture by T. Micke

Kurz vor der Tortuguero-Lodge, wo wir am Abend den Baby-Meeres-Schildkröten beim Schlüpfen zusehen werden, stellt Jorge seinen Außenborder noch einmal ab und deutet grinsend in die Krone eines Uferbaums. Ein junges Faultier sitzt dort regungslos auf einem Ast und umarmt mit seinen haarigen grauen Ärmchen den Stamm. Etwa einmal in der Woche, erklärt Jorge, klettert es angeblich im Zeitlupen-Tempo von seinem Hochsitz herunter, um auf dem Boden sein Geschäft zu verrichten. Dann erholt es sich wieder ein paar Tage in den Wipfeln von der Anstrengung. Schließlich muss man sich auch so einen Namen erst einmal durch eiserne Disziplin verdienen.

Was für die Meeresschildkröten offenbar ein Segen ist, bringt uns dazu, nach drei Tagen Vogelerkundung und spannender Morgenspaziergänge durch den erwachenden Nationalpark an die Westküste aufzubrechen. Denn hier auf der Karibikseite warnen die Einheimischen: "No swimming" im Meer! Zu viele Haie, zu starke Strömungen, zu hohe Wellen.

Blauer Morpho-Falter im Urwald Costa Ricas
Picture by T. Micke

Am Pazifik heißt es dann Abschied nehmen vom ganz hervorragenden und bekömmlichen Reis-und-Bohnen-Gericht "Gallo Pinto", das die Ticos zu jeder Tages- und Nachtzeit in allen Variationen essen, denn hier sind Langusten die örtliche Spezialität. Ausklingen lassen kann man den Urlaub dann haifrei mit Schwimmen und Wellenreiten. Oder sich einfach in die Sonne legen, an die Frierenden in der fernen Heimat denken und es dem Faultier gleichtun...


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© Eine Reportage von T. Micke (01-01-05) – Kontakt