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Schachtürke: Wie ein Österreicher Napoleon bezwang

Der mühselige Nachbau des "ersten Schachcomputers der Welt" des Barons von Kempelen aus dem Jahr 1770 lüftete jetzt erst dessen letzte Geheimnisse.



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Picture by Heinz Nixdorf Museumsforum

Seine Züge waren ruckartig, die Körpersprache hölzern und der Blick kalt, aber er gewann jedes Duell! Ein Jahrhundert lang sorgte der Schachtürke des Barons von Kempelen weltweit für Aufsehen. Ganze Bücher wurden darüber geschrieben, um das Geheimnis der wohl meistbestaunten Maschine dieser Zeit zu lüften. Selbst Napoleon musste sich ihr geschlagen geben wie auch Maria Theresia und Katharina die Große.

Der in Pressburg geborene und heuer vor 200 Jahren in Wien verstorbene Wolfgang von Kempelen präsentierte Kaiserin Maria Theresia 1770 eine Erfindung, die auch heute noch erstaunlich wäre, damals aber an Zauberei grenzte: einen Holzkasten mit einer mechanischen Puppe, die gegen einen menschlichen Gegner ganz hervorragend Schach spielen konnte. Ein Schachcomputer des 18. Jahrhunderts quasi, der Ur-Ahne von Deep Blue, dem modernen Schach-Superrechner von IBM.

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Picture by Heinz Nixdorf Museumsforum

Wolfgang von Kempelen warf mit dieser Erfindung erstmals die Frage auf, ob Maschinen den Menschen tatsächlich jemals an Intelligenz übertrumpfen könnten.

Bei seinen Präsentationen an Kaiser- und Königshöfen zeigte Kempelen seinem Publikum immer auch das Innenleben der Maschine. Nacheinander öffnete er die drei Türchen des Apparats, um zu zeigen, dass darin wirklich kein Mensch saß, der das Zauberwerk bediente, sondern nur Schrauben, Rädchen und Federn dafür verantwortlich. Dass tatsächlich im Inneren ein kleinwüchsiger Schachmeister auf einem beweglichen Sitz hin- und herrutschte, sodass ihn die Zuschauer nicht sehen konnten und bei Kerzenlicht eine hochkomplizierte Mechanik bediente, das blieb über 80 Jahre ein wohlgehütetes Geheimnis.

Das deutsche Heinz-Nixdorf-Museumsforum hat nun den 1854 bei einem Brand zerstörten Ur-Roboter nach alten Aufzeichnungen nachgebaut und lüftete die letzten Rätsel um das Wunderwerk vom österreichischen Hofe. Demnach setzte Kempelen Magnete ein, damit der Spieler im Inneren die Züge seiner Gegner sehen konnte, und eine Hebelmechanik, die sich vom Arm des Schachmeisters auf geniale Weise auf den des Türken übertrug. Wie gut das funktionierte, das bekam der große Napoleon Bonaparte zu spüren, als er 1804 in Wien gegen die Maschine eine Partie spielte. Nach mehreren unerlaubten Zügen, mit denen Bonaparte den Türken testen wollte, wischte der Automat nach einer Verbeugung kurzer Hand mit einer verärgerten Geste die Figuren des französischen Kaisers vom Tisch.


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© Eine Reportage von T. Micke (01-05-04) – Kontakt