Die Nachlese

Reportagen und Berichte mit der Keyword-Search suchen... Gegründet 1999 als "Die Nachlese"

ARCHIV INDEX
- Servus-Magazin

- Abenteuer/Reise
- Allgemeinwissen
- Astronomie/Weltall
- Forschung/Hitech
- Fun Stuff/Verrücktes
- Gesund/Umwelt
- Historisches/Antike
- Hobby/Kochen
- Pflanzen/Tiere
- Politik/Wirtschaft
- Sport/Extremsport
- Testautos/Autotests

- Fotos/Bild-Archiv

Translation

Traduction


- Weltbildung-Weblog
- Coole Surftipps
- Über Welt-Bildung
- FAQs/Leserbriefe
- Home/Startseite


Buenos Aires: Argentinischer Tango, Tinto und himmlische Steaks

Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires hat den Charme des alten Europa besser bewahrt als manche europäische Metropole.



Argentinische Touristen in einer Tango-Attrappe im Stadtteil La Boca in Buenos Aires
Picture by T. Micke

Buenos Aires, ehemals ein großes Dorf mit (heute nur noch im Namen versteckter) guter Luft, bedient eine Unmenge an bekannten Klischees und Kuriositäten, die man als Tourist und Besucher begeistert staunend in Form einer Stadtführung über sich ergehen lässt: Geburtsort des Tangos, der ursprünglich um 1880 von Männern (!) in den Wartezimmern der örtlichen Bordelle erfunden und getanzt wurde. Geburtsort auch von Fußball-Legende Diego Maradonna, der im bunten ehemaligen Einwanderer-Viertel La Boca beim Vorstadt-Fußballclub "Boca Juniors" groß wurde. Hier in Buenos Aires entfaltete sich das leidenschaftliche Polit-Drama der Eva "Evita" Perón, die bei einer Verfilmung von Popstar Madonna verkörpert wurde. Hier kann man die mit 140 Metern breiteste Straße der Welt bewundern. Und hier verdient ein fleißiger Hunde-Sitter (seit der verheerenden Finanzkrise von 2001) mehr als ein studierter Mittelschullehrer.

Inschrift am Grab von Evita Perón auf Friedhof im Stadtteil Ricoletta in Buenos Aires
Picture by T. Micke

Es geht aber auch weitgehend ohne Klischees, und als Großstadt-Europäer fühlt man sich Tausende Flugmeilen von daheim bald seltsam zuhause: Hauptsächlich arme Auswanderer aus Italien und Frankreich prägten die Stadt am Rio de la Plata Ende des 19. Jahrhunderts. Sie verwebten die südeuropäische Lebensart, die mondänen Bars und Cafés, prächtige Parks und monumentale Friedhöfe und die Liebe zu gutem Essen und Trinken mit dem, was sie vorfanden. So entstand aus europäischen Wurzeln eine eigene Kultur, die sich langsamer und vielleicht authentischer als in vielen Teilen des heutigen Europa weiterentwickelt.

Der Tango ist ein Stück von ihr: in Argentinien mehr leidenschaftliche Stimmung und ausdrucksvolles Lied als ein zackig akrobatischer Schreittanz wie in Europa. Profi-Tangoshows inklusive 5-Gänge-Menü werden von Hotels und Taxifahrern zu horrenden Preisen angeboten. Wer aber nach einer Überdosis "Dancing Stars" den echten Tango Argentino kennen lernen will, sollte eine Milonga besuchen (siehe Information unten), wo man bei wirklich hautnahen Tänzen erlebt, zu welch erotisch knisternder Kunst sich dieser anfangs "vulgäre Zeitvertreib" entwickelt hat.

Argentinische Hundehüter verdienen in Buenos Aires mit Gassi-Gehen mehr als studierte Lehrer
Picture by T. Micke

Tango erlebt gerade wieder einen Aufschwung, wie auch die ganze Metropole am Rio de la Plata: Das historische Opernhaus Teatro Colon mit Marmor aus Italien und Portugal und Kerzenleuchtern von 7 Meter Durchmesser ist einzigartig. Das malerische Tigre-Delta, eine gemütliche Venedig-Vorstadt, in der auch die Gemüse-Händler und Schul-Chauffeure per Boot unterwegs sind, völlig überraschend. Und – wenn man sich von Einheimischen einen Tipp geben lässt – noch besser als ihr Ruf: die Steak-Restaurants. Bei Preisen, die im Schnitt etwa 50 Prozent unter den europäischen liegen, bekommt man hervorragendes Pampas-Rind, traditionell zubereitet an bis zu zehn Meter langen Holzkohle-Spezialgrillern von manchmal einem halben Dutzend Grillmeistern. Eine Koch-Show, die man am besten mit "Tinto", den italienisch-französisch ausgebauten heimischen Rotweinen genießt. Aber Vorsicht: Wie auch bei uns im Mittelmeerraum sperrt in Buenos Aires kein Lokal, das etwas auf sich hält, vor 21 Uhr auf, und arrivierte Kellner können so stolz und launisch sein wie jene in Wiener Kaffeehäusern. – Vermutlich waren wohl auch ein paar "Austriacos" unter den ersten Auswanderern in Buenos Aires...


Argentinien-Reisen mit Schwerpunkt Buenos Aires bietet unter anderm in Österreich Ruefa Reisen und Poncho Tours an. Zum Beispiel: 4-tägige Rundreise "Buenos Aires Welcome" inklusive Flug, 2 Nächte mit Frühstück ab 960 Euro bei Poncho Tours (Nähere Informationen 01/514-45-0, Jumbo Touristik).


Tango in Buenos Aires: Pompöse (und oft sehr teure) Tangoshows sind in jedem Hotel buchbar. Wer aber den echten Tango Argentino in einer Milonga erleben will: Club Gricel (La Rioja) oder Viejo Correo (Alte Post)

Tango in Wien: Milongas, in denen man den wahren Tango nicht nur tanzen sondern auch lernen kann, werden jeden Donnerstag im Deutschmeister Saal, Albertgasse 43, 1080 Wien ab 19.30 Uhr abgehalten.


< Zurück zu Reise/Abenteuer

© Eine Reportage von T. Micke (02-04-06) – Kontakt