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Insekten-Sterben: Das Bienen-Massaker

Bienen sammeln nicht nur Honig, sie sind auch als Blütenbestäuber unersetzbar für unser Obst und Gemüse. Aber irgendetwas bringt sie um. Und ihr Verschwinden könnte auch uns Menschen bedrohen.



Honigbiene auf einer Frühlingsblume im Garten
Picture by T. Micke

Die Biene, so klein und doch so unersetzbar. Albert Einstein soll gesagt haben: Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Einstein war Physiker und nicht Landwirtschaftsexperte, aber etwas Wahres ist dran: Die Biene gilt nach Rind und Schwein als unser drittwichtigstes Nutztier. Nicht, weil die Welt ohne ihren Honig nicht auskommen würde, sondern weil die kleinen Brummer für einen riesigen Teil unserer Ernte verantwortlich sind. Tomaten, Trauben und Getreide wie Weizen und Gerste brauchen keine Bienen. Oft übernimmt der Wind die Arbeit des Bestäubens. Aber ohne Bienen und ihre Arbeitsgenossen gäbe es weder Raps noch Sonnenblume. Auch Kirsche, Zwetschke, Marille, Apfel, Erdbeere, Orange, Gurke, Kürbis und Mandel insgesamt rund 90 gängige Obst- und Gemüsesorten sind von den Pollenfliegern abhängig. Und natürlich unzählige andere Tiere und Pflanzen, die wir und unser Ökosystem zum Überleben brauchen.

18.000 Bienenarten gibt es weltweit. Allein unsere Honigbiene hat 3 Billionen (3000 Milliarden!) Familienmitglieder. Und genau hier gab es in den letzten Monaten viele Tote. Irgendetwas bringt die Tiere um.

Bienenexperte Prof. Paul Jackson von der "A&M University" in Texas im Interview: "Neben Erdöl ist Texas bekannt für seine Bienen. Wenn Kalifornien im Frühjahr 1,3 Millionen Bienenvölker benötigt, um seine Mandelbäume zu bestäuben, dann liefern wir 500.000 davon. Kalifornien produziert die Hälfte der weltweiten Mandeln, und die Bienen werden in Sattelschleppern zu 500 Kolonien bis zu 3000 Meilen weit von der Ost- an die Westküste gebracht. Es ist einfach: Ohne Bienen keine Mandeln. Ich kenne Züchter, die seit Generationen im Geschäft sind und plötzlich 90 Prozent ihrer Tiere verloren haben. Sie verschwinden spurlos, kommen einfach nicht mehr in ihren Stock zurück."

Nicht nur Amerika ist von diesem rätselhaften Bienen-Massaker betroffen. Auch Spanien, Frankreich, Deutschland und Polen verzeichnen Todesraten von bis zu 25 Prozent. In den USA hat das Problem aber heuer Dimensionen erreicht, die die Regierung auf den Plan rufen. Nicht "C.S.I. Miami" ist der Mörder-Krimi, der die US-Landwirte in Atem hält, sondern "CCD California" – CCD steht für Colony Collapse Disorder und ist das Kürzel für die sich anbahnende Katastrophe, mit der Kevin Hackett vom US-Landwirtschaftsministerium im Auftrag von Vizepräsident Dick Cheney kämpfen muss. Hackett: "Wir entwerfen gerade einen Aktionsplan. Der Mietpreis für eine Bienenkolonie ist in Kalifornien von 75 auf 150 Dollar gestiegen, und eine 16 Milliarden Dollar schwere Lebensmittelindustrie hängt an diesem Bienensterben. Wir glauben, wir haben es mit mehreren Problemen zu tun: Eine seit Jahren wütende Milbe gemeinsam mit einem neuen Virus vielleicht und zusätzlich der Transportstress, bei dem die Tiere wie auf einem Kreuzfahrtschiff jeder Infektion ausgesetzt sind."

Gründe, die für das gleichzeitige Bienensterben in Europa nicht ausreichen dürften. "Die Aliens haben sie geholt, um uns fertigzumachen!", ist in einem Internet-Blog zum Thema zu lesen. Und auf der Web-Plattform Youtube macht das Lied "Rette die Biene" einer österreichischen Künstlergruppe auf das Problem aufmerksam. Bienenexperte Jackson aus Texas vermutet hingegen: "Die Tiere sterben an Durchfall. Schuld ist ein Zusatz im Maissirup, den sie als Winterfutter bekommen. Der wirkt unter bestimmten Umständen giftig."

"Mais-Sirup, der aus genmanipulierten Pflanzen gewonnen wird", fügt Dr. Stefan Mandl von der Arbeitsgemeinschaft Bienenforschung der Wiener Uni für Bodenkultur hinzu: "Es gibt genetisch veränderte Nutzpflanzen, die selber ein Insektizid erzeugen, damit sie nicht mehr gespritzt werden müssen. Ein Schuss, der nach hinten losgeht, wenn auch die Bienen dadurch so geschwächt werden, dass ein kleiner Zusatzgrund genügt, um sie massenhaft umzubringen. Und in Amerika werden auf 54 Millionen Hektar genetisch veränderter Mais, Soja-Bohnen und Raps angebaut. Das ist viermal mehr als die gesamte Anbaufläche Österreichs. Da darf man sich nicht wundern."


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© Eine Reportage von T. Micke (07-07-08) – Kontakt