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Balloonart: Eine Luftbrücke für Zwischendurch und für Krisengebiete

Sinnvoller als jedes Pannen-Dreieck – wenn die Welt keine Straßen hätte: Die aufblasbare Brücke für Zwischendurch. Passt in jedes Auto, lässt sich nachher wieder mitnehmen und könnte tatsächlich bei Katastrophen Großes leisten.



Sogar die Fahrbahn der aufblasbaren Balloonart-Brücke ist aufblasbar
Picture by Balloonart

Der unerfüllte Wunschtraum jedes Planwagenfahrers bei der Besiedlung Nordamerikas im 17. Jahrhundert: Statt jedes Mal Bäumefällen, Floßbauen, gebrochenen Achsen und davontreibenden Rindern einfach die Reisekoffer-große "Luft-Brücke" zwischen den Getreidevorräten und den Hühnern von der Ladefläche geholt, in 30 Minuten per Handpumpe aufgeblasen, und der reißende, zehn Meter breite Fluss ist überquert.

Balloonart-Geschäftsführer Alexander Munninger
Picture by Balloonart

Leider gab es damals noch keinen PVC-Kunststoff, wie er für Schlauchboote verwendet wird, und auch die Luftpumpe wäre im Zeitalter von Vollholz-Rädern etwas exotisch gewesen.

Exotisch klingt das Projekt der Wiener Firma "Balloonart", die eigentlich aufblasbare Werbeträger wie fliegende Monitore und ferngesteuerte Zeppeline entwickelt, allerdings auch heute noch. Gemeinsam mit Richard Egger und Philip Meier von der Technischen Universität Wien hat man den Prototyp einer aufblasbaren Kompakt-Brücke entwickelt, die zusammengefaltet (120x80x70 cm) in jeden Pkw passt und mithilfe von Strom aus einem Zigarettenanzünder in 15 Minuten aufgeblasen werden kann. Diese Luft-Brücke trägt bis zu zehn Personen, hält Mopeds und Motorräder aus und hat eine Tragkraft von circa 600 Kilo.

Das Erstaunliche: Sogar der eigentliche befahrbare Brückenboden ist aus aufblasbarem Gummi. Möglich wird das laut "Balloonart"-Geschäftsführer Alexander Munninger durch Tausende winzige PVC-Fäden in einer ultraflachen Luftkammer, die senkrecht zur Fahrbahnrichtung für die gezielte Ausbreitung des Luftdrucks sorgen. Munninger im Interview: "Der Luftdruck in der gesamten Brücke ist dabei mit 0,25 Bar verblüffend niedrig. Ein Mountainbike-Reifen zum Beispiel hat zwischen 3 und 4 Bar, in Rennrad-Schläuchen herrschen sogar bis zu 9 Bar Luftdruck."

Die aufblasbare Brücke von Balloonart hält zirka 600 Kilogramm aus
Picture by Balloonart

Das österreichische Verteidigungsministerium und Katastrophen-Organisationen sind bereits hellhörig geworden, da eine solche Brücke in Krisengebieten extrem hilfreich wäre. Jetzt soll eine weitere, etwa dreimal so große Versuchsversion gebaut werden, die Autos aushält und in die auch Erfahrungen der Pioniere des Bundesheers einfließen werden. Deren bewährte Brückenkonstruktionen leisteten ja unter anderem bei den Überschwemmungen der letzten Jahre große Dienste. Aber gerade hier wären die Vorteile einer solchen ausgereiften Luftbrücke immens: Schweres Baumaterial müsste nicht erst mit großen Fahrzeugen vor Ort gebracht werden, der Aufbau benötigt nicht mehrere Stunden und nachher kann man der Brücke einfach die Luft auslassen und sie woanders weiterverwenden. Und – das Bundesheer könnte bei den Pionieren in Zukunft kräftig Personal sparen...


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© Eine Reportage von T. Micke (08-01-06) – Kontakt