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Aufwind-Kraftwerk: Ein wunderbarer Treibhaus-Effekt

Die Idee stammt von 1931, ist also nicht gerade neu. Jetzt wird sie aber erstmals mit viel Aufsehen um 440 Millionen Euro umgesetzt: In Australien entsteht ein neuartiges Kraftwerk und zugleich das höchste Bauwerk der Welt.



Das Aufwand-Kraftwerk und seine deutschen Schöpfer
Picture by SBP

Was in diesen Tagen so viel Aufsehen erregt und von aller Welt als revolutionär und neu bewundert wird, ist in Wirklichkeit watscheneinfach, uralt, und die Grundidee wird schon den Kindern in der Unterstufe im Physik-Unterricht beigebracht: Warme Luft steigt auf.

Das fiel auch dem populärwissenschaftlichen Autor Hanns Günther ein, als er im deutschen "Kosmos"-Magazin des Jahres 1931 seine Visionen beschrieb, wie man wohl in hundert Jahren Energie gewinnen würde. Darin schlug er vor, ein Rohr senkrecht an einer Steilwand anzubringen und damit die Thermik, also die vom Boden aufsteigende warme Luft, einzufangen und auszunützen.

Günthers Idee geriet für Jahrzehnte in Vergessenheit, bis zu Beginn der 80er Jahre der deutsche Architekt Prof. Dr. Jörg Schlaich nach eigenen Plänen zu Testzwecken in Spanien den Prototyp eines solchen Aufwind-Kraftwerks baute. Das ausgefeilte Prinzip: Ein riesiges, an den Seiten offenes Glashaus, in dessen Mitte ein hoher hohler Turm steht. Die Sonne heizt von oben durch das Glas die Luft in diesem "Treibhaus" an, die in der Mitte beim Turm zusammenströmt und wie durch einen Kamin mit bis zu 50 km/h nach oben schießt und über eine Turbine Strom erzeugt. Das gleiche Phänomen spielt sich eigentlich an Sonnentagen an Berghängen und steilen Felswänden ab und bringt Paragleiter, Drachen- und Segelflieger zum Jauchzen: Thermik! – Wärmere, leichtere Luftteilchen, die beim Aufsteigen nicht nur laue Aufwinde, sondern mitunter einen kräftigen Sog erzeugen, in größerer Höhe schließlich abkühlen und wieder zu Boden sinken.

Skizze: So funktioniert das Aufwindkraftwerk

Ein simples Netz aus schwarzen mit Wasser gefüllten Schläuchen im Glashaus des Kraftwerks sorgt zudem dafür, dass auch nachts Strom erzeugt wird, wenn die Sonne nicht scheint. Die Hitze wird tagsüber im Wasser gespeichert, das später die abendlich kühle Luft der Umgebung erwärmt und diese wiederum durch den Kamin aufsteigen lässt.

Blick durch das Glashaus des Aufwindkraftwerks zum Kamin
Picture by SBP

Was ab kommendem Jahr in Victoria, einem der heißesten Bundesstaaten Australiens, mit einem Budget von 440 Millionen Euro und dem Segen von Industrieminister Macfarlane entsteht, wird nicht nur das erste wirtschaftlich nutzbare Aufwindkraftwerk der Welt sein, sondern auch mit dem geplanten "Kamin" von 1000 Meter Höhe, der durch eine Art Innen-Skelett stabil gemacht wird, das höchste Bauwerk unseres Planeten. Eine Fläche von sieben Quadratkilometern wird das Glas-Treibhaus einnehmen, die Turbine im Fuß des Beton-Turms mit einem Durchmesser von 130 Metern soll pro Jahr 650 Gigawattstunden Strom erzeugen und würde damit eine 200.000-Einwohner-Stadt versorgen.

Prof. Schlaich im Interview: "Klar, dass ein Aufwind-Kraftwerk, das mit den Rohstoffen Beton, Glas und Stahl weit billiger ist als endlose Reihen teurer Solarzellen, nur dort Sinn macht, wo ausreichend Sonne und vor allem genügend Platz vorhanden ist, ohne Natur zu zerstören. Also speziell in unwirtlichen Wüstenregionen. Wie bei Österreichs Wasserkraftwerken braucht es aber, wie man sieht, Weitblick, ein solches, in der Errichtung kostenintensives Projekt überhaupt anzugehen. Der unschätzbare Nutzen wird einem erst nach Jahren bewusst, wenn die Kosten sich gerechnet haben und das Kraftwerk von allein, ohne Kohle, ohne Öl, ohne Uran und vor allem ohne tonnenweise Schadstoffe zu produzieren, läuft."


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© Eine Reportage von T. Micke (08-09-02) – Kontakt