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Don Quichotte – Asteroiden statt Windmühlen

Tod aus dem Weltraum: Die ESA will der Menschheit mit einem spektakulären Projekt das Schicksal der Dinosaurier ersparen.



Asteroiden-Angriff der ESA von Hidalgo und Sancho
Picture by ESA

Hätten T-Rex und Co. einen Don Quichotte gehabt, dann würde es uns Menschen wohl gar nicht geben. Dann wäre der todbringende Asteroid, der vor 65 Millionen Jahren bei Mexiko einschlug, das Öko-System durcheinander wirbelte und so vermutlich für die kleinen Säugetiere Platz machte, von seinem Kurs auf die Erde abgelenkt worden. Und die Riesenechsen würden vielleicht noch immer in irgendeiner Form unseren Planeten beherrschen.

Von den Dinosauriern sind heute aber nur noch fossile Knochenfunde übrig. Und damit uns Menschen nicht dasselbe Schicksal bevorsteht, hat ein Team der Europäischen Weltraumbehörde ESA nun besagten "Don Quichotte" ins Leben gerufen, der nicht wie in der Theater-Vorlage von Cervantes als "Hidalgo de la Mancha" mit seinem Diener Sancho Pansa zur Seite gegen Windmühlen-Gespinste antritt, sondern gegen reale, erdbedrohende Asteroiden aus massivem Kohlenstoff.

Skizze der Flugbahn  der ESA-Doppelsonde Don Quichotte
Picture by ESA

Sciencefiction-Filmfans ("Deep Impact") braucht man das Szenario nicht näher zu beschreiben, das uns tatsächlich jederzeit blühen könnte: Schon ein "kleines", zwischen 50 und 100 Meter großes NEO ("Near Earth Object"), wie es zuletzt 1908 in einer sibirischen Waldregion eine Fläche von der Größe Luxemburgs verwüstete, könnte in besiedeltem Gebiet Millionen Tote fordern. Und ein Geschoß von rund zwei Kilometer Größe würde, abgesehen von der direkten Zerstörung, für viele Jahre einen fatalen, weltweiten Klimawandel bewirken. Laut NASA-Experte David Morrison eine Weltraum-Attacke, die statistisch alle eine Million Jahre zu erwarten und daher längst "überfällig" ist.

Mit Don Quichotte (wie ihre spanischen Erfinder die neue Mission ironisch tauften) will man das Schicksal der Menschheit bei der ESA in Holland nun selbst in die Hand nehmen. Der österreichische Physiker Dr. Leopold Summerer arbeitet dort im zuständigen Team: "Die Mission besteht aus den zwei Sonden Sancho und Hidalgo, die gemeinsam von der Erde mit einer Sojus-Rakete starten, sich unterwegs trennen und auf unterschiedlich lang dauernden Flugbahnen einen ersten Versuchs-Asteroiden treffen werden."

Sancho wird dadurch zirka sieben Monate vor Hidalgo vor Ort eintreffen, den Asteroiden umkreisen, kleine Raketen mit Messinstrumenten und Sprengstoff auf ihn abfeuern und ihn so auf seine Beschaffenheit untersuchen. Der 400 Kilo schwere Hidalgo wird den Brocken dann mit einem Geschwindigkeitsunterschied von fast 50.000 km/h mit voller Wucht rammen (siehe Graphik).

Ein 500 Meter großer, harmloser Asteroid mit dem etwas sperrigen Namen "(10302) 1089 ML" diente den Forschern in einem Rechenmodell sozusagen als Test-Windmühle für Don Quichotte: Dieser Himmelskörper würde durch den vergleichsweise kleinen Rempler nach weiteren vier Monaten Flugzeit 1400 Meter von seiner ursprünglichen Bahn abweichen.

Dr. Martin Summerer, österreichischer Physiker bei der ESA
Picture by ESA

"Die ganze Mission", so Dr. Summerer, "wird ungefähr fünf Jahre dauern. Das klingt zwar viel, ist aber, wenn man die Ellipsen-förmige Flugbahn eines solchen Asteroiden kennt, immer noch früh genug, um mit den gewonnenen Erkenntnissen rechtzeitig eine zweite Mission zu starten, die versucht, den bedrohlichen Brocken dann ganz gezielt vom Kollisionskurs abzubringen."

Eine Mission, die wieder Stoff für einen der offenbar gar nicht so utopischen Hollywood-Filme wäre...


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© Eine Reportage von T. Micke (25-07-04) – Kontakt