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Asteroid Apophis: Tödlicher Weltraumschotter

Was passiert, wenn ein Brocken von der Größe eines Berges mit 70.000 km/h in Europa einschlägt? 20.000 solcher Trümmer, vermutet die NASA, rasen in den nächsten Jahrzehnten auf gefährlichem Kurs in Richtung Erde. Jetzt hat sich die UNO dieser Bedrohung angenommen, damit es uns vor lauter (berechtigter) Sorge um die Klimaerwärmung nicht am Ende so ergeht, wie den Dinosauriern vor 65 Millionen Jahren.



UNO-Problem: Wer soll aktiv werden, wenn 2029 der Asteroid Apophis doch Kurs auf unsere Erde hat
Picture by NASA

Das Szenario würde die Folgen des Treibhauseffektes, Tsunami-Flutwellen oder einen Atombomben-Einschlag als winzig erscheinen lassen: Ein Brocken von "nur" 150 Meter Durchmesser, von dem laut NASA-Schätzungen 20.000 aus den Weiten des Alls in Richtung Mond und Erde rasen, hätte etwa 5 Millionen Tonnen Gewicht. Je nach Einschlagswinkel und Richtung würde er die Erde mit einer unvorstellbaren Geschwindigkeit von 50.000 bis 250.000 km/h treffen. Die Wucht einer solchen Explosion hätte die Zerstörungskraft von 10.000 Atombomben (der Größe von Hiroshima). Und allein der Staub, der nach einem solchen Treffer weltweit den Himmel verdunkeln würde, hätte vernichtende Folgen für die Landwirtschaft und damit die weltweite Nahrungsmittelversorgung.

Die Erde und das Leben auf ihr – das hat schon die Vergangenheit in der Ära der Dinosaurier gezeigt – würde einen solchen Anschlag verkraften. Aber der Mensch?

Nie zuvor war unser Planet so dicht besiedelt wie jetzt. Und als 1908 allein die Bruchstücke eines ca. 80 Meter großen Asteroiden einen ganzen Wald in einem unbewohnten Gebiet in Sibirien ausradierten, hatten wir einfach Glück, dass es keine Großstadt erwischt hat.

Wie Weltraum-Schotter schießen unzählige solcher Brocken durch unser Sonnensystem. Teilweise zu klein, um sie mit heutigen Mitteln zu entdecken und bei weitem zu groß, um sie mit Blick auf die Zukunft der Menschheit zu ignorieren. Gerade einmal 127 Asteroiden, die der Erde zu nahe kommen könnten, hat die NASA mit ihren Teleskopen derzeit unter Beobachtung. Und das sind nur solche mit einem Durchmesser von mehr als 700 Meter. Jetzt will man mit neuen Teleskopen bis zu 70 Meter große Geschosse entdecken.

Lange wurde die Gefahr eines verheerenden Asteroiden-Einschlags (trotz genügend Beweise aus der Vergangenheit unseres Planeten) in die Ecke von Weltuntergangssekten und Esoterik-Freaks geschoben. Doch jetzt hat sich das Weltraumkomitee der UNO der Sache angenommen. Anlass dazu ist der Asteroid "Apophis", der in einer Umlaufbahn mit durchschnittlich 110.000 km/h in 323 Tagen um die Sonne kreist. Apophis ist 250 Meter groß und wird der Erde im April 2029 sowie 2036 zumindest in Grußentfernung einen Besuch abstatten. Wie nah, das lässt sich noch nicht genau berechnen und schwankt stark je nach Methode. Zwischenzeitlich ergaben die Berechnungen aber schon eine Kollisionswahrscheinlichkeit mit der Erde von 1:37. Zum Vergleich: Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Autounfall ums Leben zu kommen, liegt bei ca. 1:100, jene an einem Insektenstich zu sterben bei 1: 100.000.

Aber noch ist Zeit für Gegenstrategien. Einen Asteroiden mittels Atombombe zu sprengen könnte wegen der unberechenbaren Trümmer die Gefahr noch erhöhen. Die beste "Entschärfungsmethode" funktioniert ähnlich wie bei kleinen Schleppkähnen, die auch mit wenig Energie riesige Frachtschiffe bewegen können, wenn sie nur lange genug ziehen: Schickt man früh genug eine Spezialsonde als Begleiter zum heranrasenden Angreifer hinauf, so kann sie allein durch ihre Schwerkraft und das Ablenken der Sonneneinstrahlung über Monate oder Jahre den Asteroidenkurs so beeinflussen, dass er an uns vorbeizieht. Je früher das passiert, desto leichter die Mission.

Astrophysiker Dr. Hans Haubold vom Weltraumkomitee der UNO in Wien im Interview: "Technologien zur Ablenkung eines Asteroiden sind heute schon genügend vorhanden. Es geht nur darum, rechtzeitig zu reagieren." Nun wurde bei der jüngsten Tagung des Komitees diesen Februar in Wien eine Arbeitsgruppe damit beauftragt, Regelungen für den Fall zu entwickeln, dass Apophis bei einer dieser beiden Begegnungen doch mit der Erde auf Konfrontation geht. Schließlich müssen auch so "banale" Dinge geklärt werden, wie: Wer trägt die Kosten für so ein Ablenkmanöver? Welche Institution leitet ein solches Projekt? Aber auch: Wer kommt für die katastrophalen Schäden auf, falls zum Beispiel ein missglücktes Sprengkommando den Einschlag lediglich auf eine andere Region der Erde lenkt, die sonst nicht betroffen gewesen wäre.


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© Eine Reportage von T. Micke (11-03-07) – Kontakt