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Argentiniens Nordwesten: Das Lied der Salz-Lamas

Argentiniens indianischer Norden mit Salta, Jujuy und Tucuman gilt als ursprünglicher Reise-Geheimtipp, der jetzt, im südamerikanischen Frühling, Urlauber mit blühenden Anden-Schluchten, Kultur und zarten Steaks lockt.



Handgeschnitzte Salzlamas auf einem Salzsee der Atacama-Region im Nordwesten Argentiniens
Picture by T. Micke

Gauchito sah aus wie Jolly Jumper, das kluge Pferd von Comic-Held Lucky Luke: gescheckt, mit lässiger Stirnlocke und wirklich schlauem Blick. Ich hatte mir Gauchito ausgesucht für mein "einzigartiges argentinisches Reiterlebnis". All die Tage im Mietwagen unterwegs und im Überland-Nachtbus, da gehört ein Ausritt zu Argentinien wie Skifahren zu Österreich, und ich freute mich aufgeregt darauf, weil auch mein Reitkönnen mit Schneepflug und Schussfahren vergleichbar ist: Etwas Mut gehört zu jedem Abenteuer.

Noch während wir auf den Guide warteten, streichelte ich Gauchitos Nase und flüsterte ihm wie ein echter Pferdeflüsterer ins Ohr: dass ich im früheren Leben gern ein Pferd gewesen wäre und nun mein Schicksal in seine Hufe legte, er meine unbeholfenen Manöver verzeihen und mir den Spaß eines kurzen Galopps gönnen möge. Ich würde ihn dafür sanft und ehrfürchtig behandeln. Ich hoffte wirklich, wir würden Freunde.

Gauchito dachte hinter seiner lässigen Stirnlocke anders: Es war heiß, es war Siesta-Zeit und all mein Geflüster ging ihm am breiten, gescheckten Pferdehintern vorbei. Kurz gesagt, Gauchito versaute mir mein "einzigartiges argentinisches Reiterlebnis" gründlich: Wir kamen neben ein paar Fluchtversuchen über ein widerwilliges Traben nicht hinaus und auch das nur, weil Gauchito auf dem Heimweg schon seine Weide riechen konnte und der Guide leise pfeifend hinter ihm her ritt.

Eine alte Calchaqui Indio-Frau im Puna-Grenzgebiet der Anden zwischen Chile und Argentinien
Picture by T. Micke

Nur ein wunderbar saftiges Pampa-Steak und ein tintenschwarzer Malbec aus Mendoza, dem Rotwein-Mekka italienischer Auswanderer, konnten mich abends darüber hinwegtrösten, dass ich in Argentiniens Geschichte nicht ehrfürchtig als "der blonde Gaucho", sondern eher verlacht als blonder Gringo eingehen werde...

Argentinien ist nicht nur der ungebrochene Tango-Puls von Buenos Aires, riesige Rinderherden auf endlosem Grasland im Mittelosten oder die raue Wildnis Patagoniens im Süden. Argentinien ist auch das Urland von Pacha Mama im Norden, der bis heute von Stämmen wie den Calchaqui-, Wichi- und Tapiete-Indianern verehrten Mutter Erde im Anden-Grenzland zu Chile und Bolivien. Hier ist der Rotwein dicht und schwer wie das Indio-Blut, das um die Mauern der 1000 Jahre alten Terrassen-Festung Quilmes vergossen wurde, als die Spanier 1667 das Land wie Heuschrecken nahmen. Und hier in Tucuman verkündeten die heutigen Staaten Südamerikas keine 150 Jahre später stolz ihre Unabhängigkeit vom europäischen Mutterland. Jetzt, im südamerikanischen Frühling, bringt die Sonne hier alles zum Sprießen und Blühen, sodass ein Gebirgspass auf der schattigen Seite mit wilden Felswüsten aufwartet und auf der anderen mit üppigen Tropenwäldern und Orangenbäumen voller Schmetterlinge überraschen kann.

Die Hügel der 7 Farben, zu sehen bei der Safari a las Nubes in Nordargentinien
Picture by T. Micke

Dann wieder spektakuläres Ödland wie in der "Garganta del Diablo", dem Teufelsschlund zwischen den Kolonialstädtchen Cafayate und Cachi: Hügelketten in Regenbogenfarben, rostrote Lehmpyramiden gesäumt von natürlichen Tempelsäulen, die der Regen ausgewaschen hat. Und links und rechts der schmalen Schotterstraße mächtige Schieferplatten, scharfkantig wie Glasscherben, die haushoch in den Himmel ragen, als hätten sie sich eben erst krachend aufgerichtet.

Neben Alpacas, Lamas und Vicunas ist hier Zorro, der Fuchs, in den Schluchten der schneebedeckten Anden-Ketten rund um die malerische Provinzhauptstadt Salta zuhause. Hier reiten die Gauchos an Marien-Festtagen mit ihrer ungewöhnlichen Reitertracht durch die Straßen. Stolze Frauen in bunten Röcken gleichermaßen wie Greise und sechsjährige Kinder beherrschen ihre Pferde vor jubelndem Publikum im Schlaf. Einheimisches Bier und Rotwein fließen zur Parillada, der traditionellen Grillspezialität, die außer zarten Steaks auch Kutteln, Euter und Pansen bietet.

An Marien-Festtagen satteln die Gauchos der Region Salta ihre Pferde und reiten stolz mit ihren ledernen Schutzschilden durch die Straßen der Stadt
Picture by T. Micke

Neben diesen Umzügen und den prächtigen Kolonialkirchen am Hauptplatz ist in Salta die "Safari über den Wolken" eine der lohnendsten Attraktionen. Ein umgebauter Allrad-Lkw vermittelt Besuchern, was es heißt, in wirklich atemberaubender Landschaft unterwegs zu sein: Hinauf auf 5000 Meter entlang der alten Gleise der "Tren a las Nubes" zum Kupferminenstädtchen San Antonio, dem Fluss entlang an Wasserfällen vorbei hinunter in die "Quebrada". Aus der Schlucht wieder hinauf in die trockene Puna-Hochebene auf 3000 Meter. Hier wachsen ganze Wälder von drei bis sechs Meter hohen Kandelaber-Kakteen, in einer Höhe, wo sich bei uns Enzian und Edelweiß mit Mühe über die Grasnarbe hinausrecken.

Mitten in dieser Puna hat Pacha Mama eine Hand voll Salzseen verstreut. Blitzweiß flimmernde Wüsten, die einen ohne Sonnenbrille blind und vor lauter Trockenheit sprachlos machen und durch die regelmäßigen Risse in der Salzkruste wie der Weltrekordversuch eines Sanitär-Fliesenlegers aussehen. Jahrhundertelang war dieses "weiße Gold" den Einheimischen eine wertvolle Einnahmequelle. Mehr als 1000 Kilometer weit wurde es bis in die Hauptstadt Buenos Aires gebracht, ist aber heute nur noch in einer Form wirklich gewinnbringend: als Glückslama. Zum Erntedankfest im Februar, behaupten die Einheimischen, wo die ganze Region drei Tage lang Pacha Mamas Fruchtbarkeit feiert, singen diese handgeschnitzten Salz-Lamas das Lied der Mutter Erde. Und wers nicht glaubt, sagen sie lächelnd, muss entweder einen der weißen Glücksbringer kaufen oder zum Erntedankfest im Februar wieder vorbeikommen.


Ein umgebauter Allrad-Lkw fährt bei der Safari a las Nubes durch die unwegsamen Andenschluchten Nordargentiniens auch über Salzseen
Picture by T. Micke

Veranstalter in Österreich: RUEFA, STA Travel, Siesta-IT-Reisen und andere.

Anreise: über Paris (Air France), Rom (Alitalia) oder Madrid (Iberia) nach Buenos Aires. Mit Inlandsflug in drei Stunden nach Jujuy oder Salta oder günstig mit dem Luxus-Überland-Nachtbus.

Angebote: RUEFA stellt für Argentinien individuelle Mietwagen-Touren mit vorgebuchten Hotels (NF) und Programm-Highlights wie Safari über den Wolken zusammen. Außerdem: 12 Tage Patagonien-Rundreise im Doppelzimmer (NF) inklusive aller Flüge ab 2310 Euro (+431/58800/9413)


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© Eine Reportage von T. Micke (06-11-05) – Kontakt