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Antonov An-225 Cossack: Die Jumbo-Königin

Sie stellte bei der Luftfahrtmesse in Paris alles in den Schatten: Die Antonov 225 ist das größte Flugzeug der Welt. Größer noch als der neue Airbus A380.



Antonov An-225 Cossack fliegt mit dem russischen Spaceshuttle Buran auf dem Rücken
Picture by Nasa

Ein brüllender Orkan bricht los, wenn Chefpilot Alexandr Galunenko die sechs Monster-Triebwerke der Antonov 225 zum Start hochfährt. 600 Tonnen Gesamtgewicht müssen bei voller Beladung bis zum Ende des Rollfelds in die Luft gebracht werden. Und das sieht bei dem ukrainischen Riesen-Flugsaurier jedes Mal besonders spannend aus, denn die zwei Doppelräder am Bug der Maschine gehen zwar schnell ein bis zwei Meter in die Luft. Das wuchtige Heck mit seinen 28 Radwalzen braucht aber danach vergleichsweise eine Ewigkeit für den "Takeoff".

Der Albatros wäre deshalb wohl als notorischer Endlos-Starter im Tierreich idealer Namensgeber für die größte Antonov aller Zeiten gewesen. Stattdessen dachte man sich bei der Fertigstellung 1988 – noch im Verbund der alten Sowjetunion – den romantischen Kosenamen "Mriya" aus, zu Deutsch "Der Traum".

Das größte noch fliegende Flugzeug der Welt An-225 Mriya mit Buran bei einem Transfer-Flug
Picture by ASTC

Tatsächlich nicht mehr als ein sündteurer Traum war damals der Versuch der Sowjets, den Amerikanern mit einer eigenen Raumfähre namens "Buran" beim Wettlauf im All auf den Fersen zu bleiben. Die "Mriya" wurde im Rahmen dieses Projekts extra in Einzelanfertigung gebaut, um Buran huckepack durchs russische Großreich zu transportieren.

"Buran" wird inzwischen nur noch als Weltraum-Kuriosität zum exklusiven Schnäppchenpreis von 15 Millionen US-Dollar angeboten. Aber "Mriya", der 13 Jahre alte "Traum, hat plötzlich wieder Zukunft.

Rechtzeitig zur Luftfahrt-Ausstellung in Paris 2001 brachte das Antonov-Design-Büro in Kiew den Riesenbrummer, der seit Jahren nur noch als fertig montiertes Ersatzteillager zwischen Disteln und Löwenzahn auf dem Flugplatz von Gostomel seiner Verschrottung entgegen schlief, wieder auf den neuesten Stand. "Ausgeborgte" Triebwerke wurden zurück gebracht, demontierte Begrenzungslichter wieder angeschraubt. Eine Bastelarbeit, die sich lohnte. Denn die AN-225 stahl in Paris sogar den neuesten Kampfjets die Show.

A special Boeing 747 with NASAs Space Shuttle in taxi
Picture by Nasa

Sieht man auch nicht alle Tage, dass so ein Mega-Jumbo vor Massenpublikum auf Befehl über das Vorderrad artig in die Knie geht, sein Riesenmaul öffnet und einen Frachtraum freigibt, in dem bequem 80 Mittelklasse-Wagen oder acht Doppeldecker-Busse oder drei Eisenbahn-Lokomotiven oder – wenn man will – der Rumpf einer Boeing 747 der USA, des nur noch zweit-größten Passagierjets unserer Tage, Platz hätte. Wie symbolisch!

Da sah die amerikanische und auch die europäische Konkurrenz auf einmal ein wenig alt aus. Konnte die Firma Airbus in Paris ja damals nur mit einem Modell des zweistöckigen Superjumbos Airbus A-380 für 800 Passagiere aufwarten.

Die einsatzbereite "Mriya", so haben Techniker aus gerechnet, kann hingegen nicht nur 100 Tonnen mehr Gepäck transportieren als der europäische Riesenjet, sondern wäre bei entsprechendem Umbau auf Passagierdienst sogar in der Lage, 1500 Menschen an Bord zu nehmen.

Ein Größenvergleich der Antonov An-225 Cossack mit dem Airbus A380 800 und der Boeing 747 400

Den Europäern blieb dafür der schöne Trost, dass sie allein auf der Pariser Messe schon mehr als 20 Stück ihres zukünftigen Flaggschiffs fix an diverse Gesellschaften verkaufen konnten. Und der Albatros Antonov 225 bleibt bis auf weiteres ein Einzelstück. Denn ein Markt für Flugfrachtladungen von mehr als 200 Tonnen ist zwar durch Raumfahrt und Erdölindustrie nach wie vor vorhanden, aber für eine Riesenfrachter-Flotte ist die "Mriya" mit einem Stückpreis von rund 218 Millionen Euro einfach noch zu teuer.


In der Rangliste der Flugzeuge aller Zeiten liegt die sechsmotorige Antonov mit ihren 88 Meter Spannweite und 84 Meter Länge übrigens trotzdem nur an zweiter Stelle.

Ungeschlagen ist nach wie vor die legendäre "Spruce Goose", ein gigantisches Wasserflugzeug, das der Amerikaner Howard Hughes für den US-Einsatz im Zweiten Weltkrieg baute. Die "H-4" wurde von acht Propeller-Motoren angetrieben, war über 70 Meter lang, und von einem Flügelende zum anderen konnte man einen 100-Meter-Lauf veranstalten. Spannweite: sagenhafte 97,5 Meter.

Howard Hughes H4, Cosename Sprucegoose. Das tatsächlich größte, jemals gebaute Flugzeug der Welt

Der Riesenvogel war allerdings nur einmal zu Testzwecken für eine Minute und eine Flugdistanz von zwei Kilometern in der Luft.


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© Eine Reportage von T. Micke (24-06-01) – Kontakt