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Puzzlespiel mit einem Nilpferd

Den wohl ältesten Beweis für aufrechten, menschlichen Gang haben nun österreichische Forscher in Afrika entdeckt. Leider starb an derselben Stelle auch ein Urzeit-Hippo...



Prof. Horst Seidler beim Sandsieben mit zwei Helfern in der äthiopischen Wüste von Galili
Picture by Prof. Horst Seidler

So viel Unglück im Glück muss man erst einmal haben: Da entdeckt man den vermutlich ältesten Beweis für aufrechten Gang in der Evolutionslinie zum Homo sapiens in Form eines zersplitterten Oberschenkelknochens, und dann musste ausgerechnet an derselben Stelle vor vier Millionen Jahren ein urzeitliches Nilpferd tot umfallen und seine knöchernen Überreste über den Sensationsfund verteilen.

4000 Hippo-Knochenstückchen musste Mag. Thomas Bence Viola in der sengenden Hitze der südäthiopischen Steinwüste von Galili geduldig untersuchen und katalogisieren, um darin die 25 Puzzleteile eines Oberschenkelknochens zu finden, der einem unserer Vorfahren gehörte.

Projektleiter Prof. Dr. Horst Seidler im Interview: "Knapp eine Million Jahre, bevor die berühmte ,Lucy' als menschenartiger Vorfahre in a href=/aethiopien-augen-operation>Äthiopien lebte, war hier in der Region Galili eine blühende Landschaft, in der Mammuts, vier weitere Elefantenarten, Strauße, Antilopen, wilde Schweine und riesige Säbelzahnkatzen lebten. Es gab Palmen und Laubbäume. Und es gab ganz offensichtlich Vorfahren des Menschen, die sich zwar vor den Raubtieren auf die Bäume in Sicherheit brachten, aber ansonsten bereits den aufrechten Gang beherrschten. Das erkennt man an der Form dieses versteinerten Knochen, den wir in einem Flussbett gefunden haben."

Oberschenkel-Knochen von links nach rechts: Der Homo Sapiens sapiens, der Menschen-Vorfahre Rojo und ein Menschenaffe
Picture by Wiener Uni-Institut für Anthropologie

Professor Seidler und sein Team bekamen vor sieben Jahren in einem aufsehenerregenden Duell mit anderen internationalen Forschergruppen den Zuschlag der äthiopischen Regierung, an dieser Stelle Ausgrabungen machen zu dürfen. Ein Projekt, das von Österreichs Wissenschaftsministerium und dem Rat für Technologieentwicklung bis hin zu einem speziellen Computertomographen für genauere Untersuchungen gefördert wird. Das Gerät steht in der medizinischen Uni Wien, weshalb der wertvolle Fund jetzt unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen ein paar Tage nach Österreich durfte.

Wie man anhand eines 20 Zentimeter langen Knochenstücks erkennt, ob der Besitzer sich auf allen vieren oder vorwiegend zweibeinig bewegte? Anthropologin Andrea Stadlmayr: "Bei Schimpansen zum Beispiel befinden sich Oberschenkelkopf und der große Knochenende für den Muskelansatz auf gleicher Höhe. Beim Menschen und eben auch bei unserem 4,2 Millionen Jahre alten, vermutlich männlichen Freund, sind sie schräg versetzt, und die Knochensubstanz ist hier so verstärkt, dass es das ganze Gewicht tragen kann."

Unser Vorfahre, der in der Sprache der in der Region lebenden Issa-Somalinomaden "Rojo" (Blume) getauft wurde, dürfte ein Stück flussaufwärts einer Säbelzahnkatze oder einer Hyäne zum Opfer gefallen sein. Der Knochen wurde dann mit dem Flusswasser vom eigentlichen "Tatort" weggespült, weshalb bis jetzt keine weiteren Teile des Skeletts entdeckt werden konnten.

Im Gegenzug für die Hilfe der äthiopischen Issa-Nomaden richtete die medizinische Uni Wien in Galili eine Gesundheitsstation ein, die die heute so schwierigen Lebensbedingungen in der unwirtlichen Region verbessern hilft.


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© Eine Reportage von T. Micke (20-05-07) – Kontakt